Stephen Jones: «Gold kaufen lohnt sich überhaupt nicht»

Stephen Jones, Chief Investment Officer Kames Capital

Stephen Jones, Chief Investment Officer Kames Capital

Dem Gold attestiert Stephen Jones, Investment-Chef von Kames Capital, «Momente in der Sonne», mehr nicht. Dem Brexit sieht er gelassen entgegen, weil sich ohnehin nicht alles über Nacht ändern würde.


Herr Jones, seit Jahresbeginn ist der Goldpreis um rund 20 Prozent gestiegen. Erleben wir damit das grosse Comeback des gelben Edelmetalls?

Das glaube ich nicht. Zugegeben, Gold hatte in den vergangenen Monaten tatsächlich seine «Momente an der Sonne». Doch die jüngste Entwicklung ist bloss eine kurze Hausse in einem Bärenmarkt.

Was veranlasst Sie zu diesem Fazit?

Die Anleger sind zwar zurückhaltend geworden, was sich auch an der Börse manifestiert. Doch angesichts der äusserst geringen Inflationserwartungen lohnt es sich nicht, jetzt Gold zu kaufen.

«Daran wird die EZB gemessen»

Aktien sind nach wie vor eine besser Wahl, selbst wenn das Risiko gestiegen ist. Gold wirft keine Rendite ab und weist hohe Opportunitätskosten auf.

Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass das gelbe Edelmetall unter Anleger wieder gefragt ist.

Klar kann der Preis noch bis auf 1'300 Dollar die Unze steigen. Aber Werte darüber hinaus erwarte ich nicht. Die wirtschaftliche Entwicklung in den USA sowie die Situation in Europa, beeinflusst auch durch die geldpolitischen Massnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB), bieten unverändert gute Rahmenbedingungen für eine verhalten positive Entwicklung der Märkte.

Was stimmt Sie so sicher, dass das jüngste Programm der EZB positive Auswirkungen zeitigt?

Bemerkenswert war in dieser Hinsicht vor allem, dass die Ankündigung der EZB gerade mal 400 Wörter umfasste und ihren Einfluss unverzüglich entfaltete. Die Spreads verengten sich gleich um 20 Basispunkte. Dies drei Monate bevor die Massnahmen überhaupt greifen.

Die Märkte orientieren sich offensichtlich an einer Erwartungshaltung. Könnte das nicht auch zu bösen Überraschungen führen?

Natürlich kann man nichts ausschliessen. Aber die EZB hat wirtschaftspolitisch das Ziel, zwei bis drei Prozent Konjunkturwachstum in Europa zu erreichen und neue Arbeitsplätze zu kreieren. Daran wird die EZB gemessen und muss sich entsprechend verhalten.

«Ich denke da an das Flüchtlingsproblem in weiten Teilen Europas»

Wir wissen aber auch, dass entsprechende Vorkehrungen immer ihre Zeit benötigen bis sie greifen. Das zeigen die Erfahrungen in den USA. Insofern muss die EZB entsprechende Rahmenbedingungen schaffen, insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass andere, zum Teil politische Ereignisse die Entwicklung beeinträchtigen könnten. Ich denke da an das Flüchtlingsproblem in weiten Teil Europas, aber vor allem an die nahende Abstimmung über den Brexit in Grossbritaninen.

Welchen Ausgang erwarten Sie beim Brexit?

Meine Meinung spielt da nicht so sehr eine wichtige Rolle. Die Frage ist eher, wie die Märkte reagieren werden. In der ganzen Diskussion geht meines Erachtens vergessen, dass ein allfälliger Austritt Grossbritanniens nicht von heute auf morgen erfolgen würde, sondern geordnet über mehrere Jahre.

«Die Bewertungen in den Schwellenländern erachte ich für sehr attraktiv»

In dieser Zeit könnten sich die Märkte durchaus an eine neue Situation anpassen. Um den 23. Juni herum wird vor allem das Pfund starken Schwankungen ausgesetzt sein; aber die Situation dürfte sich auch rasch wieder beruhigen, sobald die Ungewissheit aus der Welt ist.

Welche Auswirkungen hätte ein Brexit auf Kames Capital?

Vermutlich keine, weil wir unsere Finanzprodukte schon allesamt in Dublin registriert haben und von dort aus europaweit vertreiben können.

Die asiatischen Märkte sind in den vergangenen Monaten im Gegensatz zum Gold gehörig unter Druck geraten. Ist jetzt der Moment da, wieder einzusteigen, oder ist es noch verführt?

Im Allgemeinen erachte die Bewertungen in den Schwellenländern und damit auch in vielen asiatischen Staaten für sehr attraktiv nach den Korrekturen von Anfang Jahr. Wir stellen auch fest, dass die chinesischen Behörden sehr daran arbeiten, die Situation zu beruhigen und die Märkte zu stabilisieren. In ihren ersten Reaktionen haben sie die Märkte nur weiter verunsichert; jetzt ist wieder mehr Stringenz im Spiel.

«Wenn China weniger wächst, ist das noch lange nicht so schlimm»

Aber der chinesische Aktienmarkt wie auch der Renminbi bleiben schwankungsanfällig. Die Bank of China führt dem Markt Liquidität zu, senkt die Zinsen und stützt die Banken.

Allerdings muss man sich vorläufig doch auf eine Konjunkturverlangsamung einstellen; wenn allerdings eine Wirtschaftsmacht von der Grösse Chinas etwas weniger wächst, ist das noch lange nicht so schlimm, wie dies manche Experten behaupten. Wichtig ist, dass strukturelle Reformen mittelfristig umgesetzt werden, so dass das Reich der Mitte zu einer binnemarkt-orientierten Volkswirtschaft mutieren kann.


Stephen Jones ist Chief Investment Officer (CIO) und Mitglied der Geschäftsleitung der im schottischen Edinburgh ansässigen Finanzgesellschaft Kames Capital. Er studierte Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an der University of Newcastle und ist inzwischen seit gut 25 Jahren in der Finanzbranche tätig.

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