Frank Hollenbeck: «Geld ist kein Allerweltsprodukt»

Frank Hollenbeck

Der Genfer Ökonom erwartet demnächst auch negative Zinsen der US-Notenbank. Was die Fehlentwicklungen in der Weltwirtschaft nur verstärken würde, ist er überzeugt. Er empfiehlt den Notenbankern, einfach mal Ferien zu machen.

Frank Hollenbeck ist wahrlich kein Freund der aktuellen Geldpolitik der Notenbanken von der Schweiz bis Japan. Er gehört dem ordoliberalen Ludwig von Mises Institut in Deutschland an, benannt nach dem berühmten Liberalismus-Theoretiker und Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie.

Sein jüngster Beitrag für das Institut ist eine Streitschrift über die aktuelle Geldpolitik und ihre Fehlentwicklungen. Man kann seiner Meinung sein oder auch nicht. Sie wird den Richtungsstreit unter den Ökonomen auch nicht entscheiden. Aber anregende Denkanstösse enthält der Essay jedenfalls.

Zu Beginn prognostiziert Hollenbeck, es sei sicher nur noch eine Frage der Zeit, bis auch die amerikanische Notenbank Fed Negativzinsen auf den Reserve-Einlagen einführen wird.

Negativzinsen funktionieren nicht

Allein: Hollenbeck ist überzeugt, dass der erwünschte Effekt der Negativzinsen, die Banken zur verstärkten Kreditvergabe zu zwingen, nicht funktioniert. Es gebe das Sprichwort: «Du kannst ein Pferd zum Wasser führen, aber man kann es nicht zwingen, zu saufen!»

Die Banken hätten zu wenig kreditwürdige Kunden, andere Banken hätten bereits Schwierigkeiten mit ihren verliehen Krediten. Hollenbeck, der an der Internationalen Universität Genf Volkswirtschaft lehrt, zieht als Beispiel Italiens notleidende Kredite heran, die von 5 Prozent im Jahr 2010 auf über 15 Prozent angestiegen sind.

7 Billionen Dollar Staatsanleihen im Negativen

Kein besseres Bild in den USA, wo die Banken auf über einer Billion Dollar an Krediten an die US-Ölschiefer-Industrie sitzen, welcher der Ölpreis-Zerfall heftig zusetzt.

Die Politik der Zentralbanken habe annähernd 7 Billionen Dollar an Staatsanleihen in negatives Territorium getrieben. Gekauft würden solche Papiere nur, weil erwartet werde, dass eine Zentralbank die Anleihe auch mit Verlust zurückkaufen werde. Für Hollenbeck ist dies lediglich eine andere Form der Monetarisierung von Schulden.

Wirklichkeit in ein Modell zwingen

Das Rezept, einfach noch mehr Geld zu drucken, basiere auf einem Fehler in der gängigen nationalökonomischen Lehre. Diese betrachte die Wirtschaft wie ein Auto und die Zinsen wie dessen Gaspedal. Die Zentralbanker würden einfach mehr aufs Gas drücken, wenn Wirklichkeit und Modell sich nicht entsprächen.

So werde die Wirklichkeit in ein Modell gezwungen, während richtigerweise das Modell und die ihm zugrundeliegende Theorie in Frage gestellt werden müsse.

Was ist der Zins?

Hollenbeck rückt das Wesen des Zinses in ein anderes Licht. Gewöhnlich gilt der Zins als eine Vergütung für die zeitliche Überlassung von Geld. Doch richtig sei: «Der Zins reflektiert den zugeordneten Wert des heutigen Konsums, relativ zum zugeordneten Wert des Konsums von Morgen.»

Geld, so Hollenbeck, habe also die Schlüsselfunktion, die Produktion und Nachfrage über die Zeit hinweg zu koordinieren. «Geld ist nicht irgendein Allerweltsprodukt, welches unsere Probleme löst, wenn wir nur genug davon produzieren», hält er fest.

Noch radikalere Massnahmen

Die Folge dieser Manipulation und von Negativzinsen sei klar: Die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage steigt und umso grösser wird die Notwendigkeit einer Anpassung.

Als ob die Zentralbanken dies erkannt haben, würden sie nun noch radikalere Massnahmen anstreben: Die Abschaffung des Bargeldes. Gelänge dies, würden die Zentralbanken noch höhere Kontrolle über das Geldangebot erlangen und damit die Wirtschaft lenken können.

«Jedoch wäre die beste Geldpolitik überhaupt keine Geldpolitik und Zentralbanker sollten einfach einen ausgedehnten Urlaub machen, damit sich die Weltwirtschaft endlich erholen kann», schliesst Hollenbeck.

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