John Ford, Fidelity: «Alle werden reicher»

Chinesen tummeln sich mittlerweile auf der Liste der reichsten Menschen dieser Welt. Aber auch die Armen im Reich der Mitte haben heute mehr Geld.

John_Ford_22John Ford (Bild), Chief Investment Officer von Fidelity International in Hongkong, beschreibt in einer dreiteiligen Artikelserie für finews.ch die fundamentalen Veränderungen in China und erklärt, was die Anleger daraus für Lehren ziehen können.

Der erste Beitrag erschien am 9. Mai 2011. Der dritte Text wird am 13. Mai 2011 publiziert.


«Der anspruchsvolle chinesische Konsument betritt die Bühne»

Dank beträchtlicher Einkommenssteigerungen steht vielen Chinesen ein immer grösserer Teil ihres Einkommens für Konsumgüter zur Verfügung.

Interessant ist, dass sich diese chinesischen Konsumenten deutlich von den europäischen oder amerikanischen unterscheiden, da sie noch kaum verschuldet sind.

Ein einzigartiges Phänomen

Gleichzeitig setzt die Regierung mit Reformen in den Bereichen Gesundheit und Vorsorge Einkommensteile frei, für die zuvor selber angespart werden musste.

So entsteht der anspruchsvolle chinesische Konsument, der meiner Meinung nach ein wahrhaft einzigartiges Phänomen darstellt. Er sollte weder von Unternehmen, noch von Anlegern vernachlässigt werden.

Durchschnittseinkommen markant gestiegen

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Die chinesische Bevölkerung wird reicher - und zwar erstaunlich schnell. Das durchschnittlich verfügbare Jahreseinkommen hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt, insbesondere dank des Erfolgs als kostengünstiger Produktionsstandort.

Im Jahr 2000 lag das durchschnittliche Jahreseinkommen in China bei bescheidenen 3'900 Dollar, bis 2010 war es auf etwa 7'500 Dollar gestiegen. Nach meiner Überzeugung wird sich diese Entwicklung in den nächsten Dekaden fortsetzen.

Chinesen auf der Milliardärsliste

Der Einkommenszuwachs begünstigt natürlich die Mittelschicht und die wohlhabenden Schichten. Dies wiederum fördert den chinesischen Verbrauch von Markenwaren und Luxusartikeln.

In diesem Zusammenhang überrascht es nicht, dass in diesem Jahr in der Milliardärsliste von Forbes mit insgesamt 1'210 Namen auch 115 Unternehmer aus dem chinesischen Mutterland enthalten sind. Vor zwei Jahren waren es noch 28. Der interessanteste Aspekt des chinesischen Einkommenswachstums dürfte allerdings sein, dass dadurch nicht nur die Mittelschicht und die wohlhabenden Schichten begünstigt werden.

Erstmals alltägliche Dinge kaufen

Die ärmere Bevölkerung in Stadt und Land erlebt ebenfalls eine Steigerung ihrer Konsummacht. Natürlich sind die Einkommensunterschiede noch immer beträchtlich und werden das auch noch auf Jahre hinaus bleiben. Allerdings verfügen nun viele Chinesen, die sich bisher kaum die wichtigsten Grundbedarfsgüter leisten konnten, erstmals über ein kleines frei verfügbares Einkommen.

Viele Chinesen können nun erstmals alltägliche Dinge wie Kühlschränke und TV-Geräte kaufen, die für uns selbstverständlich sind. Bald werden sich viele ihr erstes Auto leisten oder sogar ihren ersten Urlaub verbringen können, eventuell im nahe gelegenen Taiwan.

Anspruchsvoll und schuldenfrei

Eine der fundamentalen Stärken der chinesischen Volkswirtschaft war lange ihre geringe Verschuldung. Mit einer Staatsverschuldung, die bei weniger als 30 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) liegt, bleibt das Land weit hinter europäischen Ländern und den USA zurück.

Das gleiche Bild ergibt sich bei der privaten Verschuldung. Die chinesischen Haushalte sind generell kaum verschuldet. Insgesamt liegt die Verschuldung der Haushalte in China bei unter 20 Prozent des BIP. In den meisten europäischen Ländern, in den USA und in Japan ist die Verschuldung doppelt oder drei Mal so hoch.

Ein unbelasteter Konsument

Somit ist der anspruchsvolle Konsument, der sich in China abzuzeichnen beginnt, ein schuldenfreier Konsument. Aus meiner Sicht ist dieser differenzierende Faktor sehr wichtig. Er bedeutet, dass das künftige Ausgabenpotenzial chinesischer Familien nicht mit Hypotheken oder Krediten belastet ist.

Die chinesische Führung hat verstanden, dass sich die chinesische Volkswirtschaft – um das Wachstum längerfristig halten zu können – weniger auf preisgünstige Exporte und mehr auf den Binnenkonsum ausrichten muss.

Mindestlöhne angehoben

Der 12. Fünfjahresplan der Regierung enthält einige Massnahmen, um dieses Umschichtungsverfahren zu realisieren. Ich bin überzeugt, dass diese Massnahmen eine entscheidende Rolle spielen werden.

Erstens werden Initiativen, wie die Anhebung der Mindestlöhne, den Wachstumstrend bei den Einkommen unterstützen. Im Januar meldete das Arbeits- und Sozialministerium, dass dreissig Provinzen bis Ende 2010 die Mindestlöhne angehoben hatten, was national einem durchschnittlichen Anstieg von 22,8 Prozent entspricht.

Zusätzliches Geld wird frei

Dieser Trend könnte dazu führen, dass Haushalte mit niedrigen Einkommen nun mehr Massenartikel aus dem mittleren Preissegment konsumieren. Zweitens werden Initiativen wie Subventionen oder Steuersenkungen auf bestimmte Waren den Konsum weiter voran treiben.

Am wichtigsten ist wohl die Serie von Gesundheits- und Rentenreformen, die die Regierung umsetzen will. Die Chinesen hatten schon immer eine relativ hohe Sparquote. Wegen der fehlenden sozialen Absicherung mussten sie Geld beiseite legen, um für Gesundheitsausgaben und Pflege im Alter vorzusorgen.

Signifikantes Wachstumspotenzial

Mit der Ausweitung des Sozialversicherungssystems vor allem in den ländlichen Bereichen, und der breiteren Abdeckung durch das Gesundheitssystem verringert sich die Notwendigkeit für derart hohes Vorsorgesparen. Dadurch könnte ein grosser Teil der Ersparnisse in China (derzeit über 320 Milliarden Dollar) freigesetzt werden.

Ich gehe davon aus, dass dieser Wohlstand weitgehend in die frei verfügbaren Ausgaben fliesst. Für viele Konsumsektoren stellt dies natürlich ein signifikantes Wachstumspotenzial dar - ein Wachstumspotenzial, auf das weder Unternehmen noch Anleger verzichten möchten.

 

 

 

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