Investieren: Die Übermacht der Gefühle

Viele Anleger sind unzufrieden mit ihrer Emotionalität – eine Einsicht, welche sich die Finanzbranche sehr zu Herzen nehmen sollte.

In einer Umfrage unter reichen und sehr reichen Menschen kam heraus, dass ein sehr grosser Anteil allzu sehr zum Risiko neigt – und sich dessen auch bewusst ist. Die Studie wurde erarbeitet von Barclays Wealth, und dabei gestanden 41 Prozent von über 2000 befragten reichen Individuen, dass sie sich mehr Selbstkontrolle wünschen.

Ebenfalls gaben rund 46 Prozent zu, dass sie zu intensiv traden, also dass sie zu oft Anlagen kaufen respektive kaufen.

«Es gibt ein grosses Bewusstsein für den eigenen Mangel an Selbstdisziplin», sagt Greg Davies, der Chef des Bereichs Quantitative Finance bei Barclays Wealth. «Deshalb suchen die Leute Mechanismen, die ihnen zu mehr Selbstkontrolle verhelfen.»

Je reicher, desto riskanter

Ein Team von Barclays Wealth befragte für die Untersuchung 2000 Menschen mit einem investierbaren Vermögen von mindestens 1 Million Pfund sowie weitere 200 Personen, die 10 Millionen Pfund und mehr anlegen können.

Spürbar wurde dabei, dass Reiche tatsächlich wohl etwas eher bereit sind, grössere Risiken zu fahren. Auffällig ist nämlich, dass die Befragten mit einem investierbaren Vermögen von über 10 Millionen Pfund deutlich häufiger der Aussage zustimmten, dass sie zu oft Anlagen kaufen respektive verkaufen – kurz: Sie traden eher zu oft.

«Dass man mehr Geld hat, um damit zu handeln, verführt einen dazu, zu oft zu handeln»: So lautet denn ein Fazit der Barclays-Studie. Man könnte sich allerdings auch fragen, ob nicht eine gewisse Risikoneigung dazu beiträgt, dass man überhaupt in die Gruppe der Schwerreichen vorstösst…

So oder so: Unbestritten ist, dass Gefühle auf den Finanzmärkten nicht sehr effizient ist. Daten von Barclays Wealth und anderen zeigen, dass emotionales Trading langfristig zu Ertragseinbussen von bis zu 20 Prozent führen kann. Oder umgekehrt: Es lohnt sich meist, einer langfristigen Strategie zu folgen.

Eine Schlussfolgerung daraus: Bankberater sollten ihren Kunden helfen, auf emotional gesteuerte Eingriffe zu verzichten. «Bislang hat die Finanzbranche hier keine grosse Unterstützung geboten», so ein Fazit von Greg Davies.

Im weiteren ergab die Studie von Barclays Wealth:

  • Frauen sind etwas häufiger unzufrieden mit ihrer Risikoneigung;
  • Asiaten tendieren am ehesten dazu, Gefahren zu akzeptieren (während die Amerikaner sogar noch einen Tick konservativer sind als die Europäer);
  • Schweizer Anleger sind sehr vorsichtig. In keinem anderen Land stimmten so viele Reiche der Aussage «I get stressed easily» zu. Und auch der Grundhaltung, dass man lieber Schlechtes vermeidet als Gutes anstrebt, stimmten hier überdurchschnittlich viele HNWI respektive UHNWI zu.
  • Jüngere äussern deutlich häufiger den Wunsch, in Finanzdingen mehr Selbstdisziplin zu erlangen.
  • Menschen, die ihr Vermögen geerbt haben, verlangen von sich mehr Selbstdisziplin als Reiche der ersten Generation. Dies könnte daran liegen, dass sich die Erben etwas mehr der Verantwortung bewusst sind, der in ihrem Reichtum liegt (während die anderen ihr Geld eher als verdiente Belohnung betrachten).

→ Barclays Wealth: «Risk and Rules: The Role of Control in Financial Decision Making»

 


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