Schweizer Verwaltungsräte fühlen sich mies

Verwaltungsrat

Bild: Shutterstock

Verwaltungsrat zu sein, ist nicht mehr lustig. Heute äussern sich nur noch 44 Prozent der Teilnehmer an einer Umfrage positiv über ihren Job. Schuld daran soll nicht zuletzt die Minder-Initiative sein.  

Die Gründe für diese Entwicklung liegen in der starken Zunahme der relevanten Regulierungen als Folge der Minder-Initiative und im geringen Vertrauen der Öffentlichkeit in die Tätigkeit von Verwaltungsräten, wie es in einer am Freitag präsentierten Studie der im Kader-Personalwesen tätigen Schweizer Firma Knight Gianella heisst. 

«Der Zeitaufwand und der gesellschaftliche Druck auf die Verwaltungsräte hat stark erhöht», stellt Sandro V. Gianella, Partner von Knight Gianella, fest. Beklagten vor einem Jahr 41 Prozent den hohen Zeitaufwand für die Erfüllung ihrer Verwaltungsratsmandate, sind es heute bereits 87 Prozent der Befragten. Ebenso stark zugenommen haben der Druck zu kommunizieren und der Reputationsdruck.

Einfluss der Aktionäre nimmt zu

Insgesamt wird die zunehmende Einflussnahme der Öffentlichkeit, der Politik, der Medien und der Aktionäre von 59 Prozent der Befragten als negativ beurteilt (Vorjahr 45 Prozent).

Nach Meinung der befragten Verwaltungsräte wurde der Einfluss der Aktionäre in den letzten Jahren klar grösser und wird gemäss 73 Prozent der Befragten noch steigen. Einig sind sich praktisch alle Befragten (93 Prozent), dass auch die Bedeutung der Stimmrechtsberater in Zukunft weiter zunehmen wird.

Unter dem Diktat der Quartalszahlen

Fast alle befragten VR-Mitglieder (97 Prozent) erachten eine nachhaltige Unternehmensstrategie als wichtig, eine grosse Mehrheit (73 Prozent) fühlt sich allerdings – auch ausgelöst durch die Erwartungen der Aktionäre – stark dem Diktat der Quartalsergebnisse unterworfen.

Die Umfrage von Knight Gianella fand zum zweiten Mal statt. Die Erhebung wurde in Zusammenarbeit mit dem Corporate Governance Competence Center der Universität St. Gallen entwickelt und vom Dichter Institut durchgeführt.

An der Umfrage nahmen 150 Verwaltungsräte und Verwaltungsrätinnen teil, die insgesamt 735 Verwaltungsratssitze repräsentieren, und zwar aus börsenkotierten und grossen nicht börsenkotierten Schweizer Unternehmen.

Minder-Initiative erschwert Rekrutierung

Im Zusammenhang mit der so genannten Minder-Initiative erklärten 80 Prozent der Befragten, dass die «Verordnung gegen übermässige Vergütungen» (VegüV) keine Auswirkungen auf die Entschädigung der Verwaltungsräte und der Geschäftsleitungen habe.

«Nach den heftigen öffentlichen Diskussionen um die Vergütungen für Verwaltungsräte und Konzernleitungsmitglieder kommt dieses Umfrageergebnis überraschend», stellt Sandro V. Gianella fest. Allerdings erschwert die Umsetzung der Minder-Initiative die Rekrutierung neuer VR-Mitglieder, wie es in der Studie weiter heisst. 

Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick

  • Die im Nachgang zur Minder-Initiative erlassene Verordnung gegen übermässige Vergütungen bei börsenkotierten Aktiengesellschaften (VegüV) hat bisher keine Auswirkungen auf die Entschädigung von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung.
  • Die Bedingungen für die Verwaltungsräte haben sich gegenüber dem Vorjahr verschlechtert: Nur noch 44 Prozent der Befragten fühlen sich heute in ihrer Rolle als VR-Mitglied noch gut.
  • Die Umsetzung der Minder-Initiative führt zu einem stark erhöhten zeitlichen Aufwand und erschwert die Rekrutierung neuer VR-Mitglieder.
  • Der Einfluss der Aktionäre und die Bedeutung der Stimmrechtsberater nehmen zu.
  • Die Einführung der vom Bundesrat vorgeschlagenen Geschlechterquote ist in den Verwaltungsräten eher umsetzbar als in den Geschäftsleitungen.
  • Die hohe Wichtigkeit einer nachhaltigen Unternehmensstrategie steht im Widerspruch zum kurzfristigen Diktat der Quartalsergebnisse.

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