Céline Frey: «Auf meiner Wunschliste steht eine Cartier Panthère Vintage»


In der Rubrik Backstage geben interessante Persönlichkeiten aus der Finanzwirtschaft und darüber hinaus jeden Mittwoch Einblicke in ihre ganz persönlichen Vorlieben.


Was tun Sie morgens als Erstes?

Meine Morgen sind streng getaktet, ich funktioniere im Autopilot. 6.30 Uhr aufstehen, um 7.30 Uhr die Kinder in zwei verschiedene Schulen bringen, um 8.30 Uhr im Büro. Viel Raum für Improvisation bleibt da nicht. Und doch beginnt jeder Tag mit einem Moment nur für mich – in der Küche, mit meinen Hunden, einer grossen Tasse Grüntee und ein paar bewussten Atemzügen, um mich innerlich auszurichten, bevor es losgeht.

Was ist das Beste an Ihrem Job?

Zu wissen, dass unsere Lösung wirklich nützlich ist: Sie gibt Sicherheit, schützt und erleichtert den Zugang zu Wohnraum – einem grundlegenden menschlichen Bedürfnis. Vertrauen zwischen den Akteuren des Wohnungsmarkts zu schaffen und konkret zu diesem essenziellen Thema beizutragen, das ist sehr erfüllend.

Ein Moment, der Ihr Leben veränderte?

Ja, eigentlich vier. Ohne zu zögern: die Geburt meiner drei Kinder. Und dann die Übernahme von Firstcaution im Jahr 2015. Das Unternehmen ist ein fester Bestandteil meines Lebens geworden. Ich habe mich nie zuvor so stark engagiert gefühlt – gewissermassen ein viertes Kind.

Welche Autos besitzen Sie? Welches ist Ihr Liebstes?

Ich bin keine Autoliebhaberin und auch keine Technik-Enthusiastin. Aber mein Auto ist so etwas wie mein zweites Büro. Ich verbringe viel Zeit darin, oft ist es ein Raum zum Nachdenken. Wichtig sind mir vor allem Sicherheit und Komfort.

Welchen Rat würden Sie Ihrem 20-jährigen Selbst geben?

Mehr Vertrauen haben. Mehr wagen. Schneller handeln. Ich hatte grosses Glück, in das von meinem Vater gegründete Familienunternehmen einzusteigen. Ich bereue nichts, es war eine aussergewöhnliche Chance, und ich habe vom bestmöglichen Lehrer gelernt. Gleichzeitig ist so eine Situation auch sehr komfortabel und kann Risikobereitschaft bremsen. Der 20-jährigen Céline würde ich raten, mutiger zu sein. Diese innere Sicherheit und die Freude am Risiko kamen bei mir erst mit der Zeit.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Auf meine Kinder, natürlich. Ich habe drei Söhne im Alter von 18, 16 und 10 Jahren, sie sind mein grösster Stolz. Und auf die Entwicklung von Firstcaution. Auch wenn ich eher nach vorne blicke, war das zehnjährige Jubiläum seit der Übernahme ein guter Moment zum Innehalten. Wir haben wichtige Meilensteine erreicht: über 100’000 Kundinnen und Kunden, strategische Partnerschaften, die Auszeichnung als beste Versicherungsgesellschaft in der Kategorie Mietkaution. 2015 hatte das Unternehmen rund zehn Mitarbeitende und 10’000 Kunden. Heute sind es 120’000 Kunden und ein Team von 65 Personen. Das ist eine kollektive Leistung mit viel Einsatz, Stress, aber auch Freude. Darauf bin ich sehr stolz.

Was tun Sie, wenn Sie Zweifel haben?

Ich halte inne und gewinne Abstand. Ich bin sehr pragmatisch: Ich wäge Vor- und Nachteile ab, dieses klassische Nutzen-Risiko-Verhältnis. Meist wird die Antwort dann ziemlich klar. Und ich hole mir Rat. Ich habe das Glück, von einem sehr kompetenten und komplementären Team umgeben zu sein. Privat bin ich Zwilling, Zweifel gehören zu mir. Ich habe gelernt, mit ihnen zu leben. Mein Umfeld auch.

Was ist Ihr Lieblingswein?

Schwierig, nur einen zu nennen – ich komme aus einer Winzerfamilie. Aber wenn ich mich entscheiden muss: Chapelle Hermitage 2010.

An welchen Projekten arbeiten Sie momentan?

An sehr konkreten Projekten, in der Kontinuität dessen, was wir 2025 angestossen haben: Prozessoptimierung, Automatisierung, künstliche Intelligenz. Unsere Dienstleistungen entwickeln sich laufend weiter. Parallel dazu arbeitet ein Innovationsboard an eher explorativen Themen – mehr darf ich dazu noch nicht sagen.

Was bewundern Sie an anderen Menschen?

Organisationstalent. Ich bin sehr intuitiv und ungeduldig, was mich manchmal dazu bringt, Schritte zu überspringen. Ich bewundere Menschen, die Dinge sorgfältig strukturieren, bevor sie handeln.

Was wäre die grösste Überraschung für jemanden, der Ihren Job einen Tag lang übernehmen müsste?

Der «Schweizer Taschenmesser»-Aspekt. Die enorme Themenvielfalt, das Tempo, die ständigen Veränderungen. Als CEO eines KMU ist man sehr nah an der operativen Mechanik dran.

Was ist Ihr persönlicher Antrieb?

Der Wunsch, etwas zu vollbringen. Sich nützlich zu fühlen, sich einzubringen, ein Projekt zu Ende zu führen. Erfolg ist nicht garantiert – aber die Freude entsteht durch das Engagement für etwas Sinnvolles. Und Teamarbeit. Allein hätte ich nie arbeiten können. Ich liebe den kollektiven Einsatz.

Wovor fürchten Sie sich?

Meine Angehörigen zu verlieren. Alles andere ist nicht wirklich schlimm.

Ihre Lieblingsuhrenmarke?

Ich trage keine Uhr. Aber auf meiner Wunschliste steht eine Cartier Panthère Vintage – falls der Weihnachtsmann diesen Artikel liest…

Gibt es einen unerfüllten Traum, den Sie noch verwirklichen möchten?

Ich hoffe, ich werde immer Träume haben – sonst wäre das Leben ziemlich fade. Aktuell wäre es ein Safariurlaub mit der ganzen Familie.

Ihr bestes Investment?

Mein Haus. Nicht nur wegen seines finanziellen Werts, sondern weil es der Schauplatz unseres Familienlebens ist. Es ist das Wertvollste, was wir haben.


Céline Frey (45) ist seit 2015 CEO von Firstcaution. Nach einer Ausbildung an einer Business School in Paris erwarb sie einen Masterabschluss in Finance in London. Ihre Karriere begann sie zwischen London und New York in der Investment-Banking-Branche, bevor sie in New York in den Weinsektor wechselte. 2005 trat sie in das von ihrem Vater Jean-Jacques Frey gegründete Familienunternehmen ein, das im Immobilien- und Weinbereich tätig ist.