Die Vereinbarung von Argentinien mit dem Internationalen Währungsfonds enthielt eine Passage zur Verringerung des Inflationsdrucks: ein aggressives Ziel von 0 Prozent Wachstum der Geldbasis des Landes.

Von Edi Aumiller, Country Head Switzerland, Legg Mason

Obwohl die Tinte auf dem Vertrag zwischen Argentinien und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) kaum trocken ist, gibt es erste Anzeichen dafür, dass die Vereinbarung bereits Wirkung zeigen könnte.

Zum einen ist das Wachstum der argentinischen Geldmenge, gemessen an M2, zurückgegangen. Es lag Ende Oktober bei einem Wert von 15 Prozent – weniger als die Hälfte im Vergleich zu den Spitzenwerten im 35-Prozent-Bereich von 2017. Das ist besonders bemerkenswert angesichts der Kredite von 57 Milliarden Dollar durch den IWF.

Zum anderen lag die Inflationsrate auf Monatssicht im Oktober 2018 bei 5,4 Prozent – dies gegenüber 6,5 Prozent im September. Damit wurde zumindest eine unkontrollierbare Hyperinflation vermieden.

Diese könnte eintreten, wenn der Markt die Rettungsmassnahmen als unzureichend ansieht. Angesichts der jüngsten jährlichen Inflationsrate von 46 Prozent wird es jedoch noch einige Zeit brauchen, bis sich selbst die erfolgversprechendsten Massnahmen in der Wirtschaft des Landes durchsetzen können.

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Argentinien: Geldmenge und Inflation 1

Die Grafik deutet darauf hin, dass die argentinische Geldmenge eng mit der Inflation verbunden ist – wenn auch mit einer gewissen Verzögerung. Das verheisst Gutes für den Fortschritt des Landes, da es seine eigenen Finanzen in Ordnung bringt.

Sollte der Argentinien/IWF-Plan letztlich erfolgreich sein, könnte die Aussicht auf hohe Renditen und Währungsaufwertung für abenteuerlustige Investoren wieder attraktiv sein.

Im Aufschwung: Credit Spreads in den USA

In den USA haben sich die Kreditrisikoaufschläge seit Quartalsbeginn spürbar erhöht. Dabei ist der durchschnittliche Investment-Grade-Spread von 105 Basispunkten (bps) am 1. Oktober auf bis zu 132 bps am 20. November gestiegen. Für US-Hochzinsanleihen haben sich die Spreads im gleichen Zeitraum von 309 Basispunkten auf bis zu 426 Basispunkte vergleichsweise dramatisch ausgeweitet.

Die Bewegungen sind zwar bemerkenswert, aber angesichts der jüngsten Dynamik im Energiesektor nicht ganz überraschend. Auf dem Markt für Unternehmensanleihen nehmen Energieunternehmen, insbesondere Explorations- und Pipeline-Unternehmen, hohe Kredite auf, um das Wachstum bei steigenden Treibstoffpreisen zu finanzieren.

Seit Ende September ist der Spotpreis für Brent-Rohöl jedoch um fast 30 Prozent von 84,98 auf 60,36 Dollar gesunken. Das Rohöl der Sorte WTI fiel um etwas mehr als 31 Prozent auf 51,66 Dollar.

Darüber hinaus könnten einige der derzeitigen Unsicherheiten im weltweiten Handelsgefüge neue Kapitalinvestitionen von in den USA beheimateten Unternehmen verhindert haben. Die Unternehmen suchen nach Investitionsmöglichkeiten, die eine halbwegs vorhersehbare Kapitalrendite bieten und so neue Kreditaufnahmen rechtfertigen können.

Auch wenn in der gerade zu Ende gehenden Quartalsberichtssaison viele Unternehmen die Erwartungen übertreffen konnten, könnten die kommenden Ertragszahlen sowie zukünftige Investitionen die Spreads auf dem aktuellen Niveau belassen – oder sogar zu einem höheren Level führen.

Im Abschwung: Investitionsausgaben in den USA

Die jüngsten Zahlen des U.S. Bureau of Economic Analysis zeigen, dass die gewerblichen Unternehmensinvestitionen im Quartal zum 30. September 2018 gegenüber dem Vorquartal um 0,8 Prozent gestiegen sind. Das ist ein deutlich geringeres Wachstum als in den beiden Vorquartalen (8,7 Prozent im zweiten Quartal und 11,5 Prozent im ersten Quartal) – und könnte zu den guten Ergebnissen der Unternehmen in den beiden Vorquartalen beigetragen haben.

Diese Zahlen werden genauestens beobachtet, um Hinweise auf das künftige Wachstum der US-Wirtschaft zu erhalten, wobei die Investitionen (Capex) sowohl als Vorboten des Wachstums wie auch als Zeichen für Optimismus hinsichtlich der Verfügbarkeit von Investitionsmöglichkeiten angesehen werden.

Aber das Verhältnis zwischen Investitionen und zukünftigem Wachstum ist keineswegs sicher. Dies zum Teil, weil es sowohl Quellen als auch Verwendungsmöglichkeiten für Kapital ausserhalb der USA gibt, die zum Wachstum in den USA beitragen könnten.

Darüber hinaus könnte jede Verringerung der politischen Unsicherheiten oder geopolitischen Spannungen zu einer raschen Änderung der Wachstumspläne und, damit einhergehend, der Investitionsaussichten von US-Unternehmen führen.


Edi Aumiller ist seit 2014 bei Legg Mason als Head of Sales Schweiz tätig. Er ist Mitglied der Swiss Financial Analyst Association (SFAA), verfügt über ein Diplom in Banking und Finance, ist eidgenössisch diplomierter Finanzanalytiker und Vermögensverwalter, eidgenössisch diplomierter Finanz- und Anlageexperte, sowie Certified International Wealth Manager (CIWM) und Certified International Investment Analyst (CIIA).


1 Chart: mit freundlicher Genehmigung durch Brandywine Global, 19. Nov. 2018. Quellen: BRCA (Argentiniens Zentralbank), Argentiniens Bureau of Census, (Dirección Provincial de Estadísticas y Censos, Historia (DPEyC/H), Haver Analytics.