Nach Berenberg: Franck Sabbah setzt auf Asset Management Boutiquen

Franck Sabbah kennt das Asset Management aus zwei unterschiedlichen Perspektiven: als Portfoliomanager und als Verantwortlicher für den Vertrieb. 

Nach rund 25 Jahren in der Branche wagt er den Sprung in die Selbständigkeit. Mit der in diesem Sommer gegründeten Solid 3 mit Sitz in Genf will er spezialisierte Vermögensverwalter bei ihrer Entwicklung im Schweizer Markt unterstützen.

Auslöser war ein strategischer Entscheid seines früheren Arbeitgebers. Berenberg hat beschlossen, die Vertriebsaktivitäten im Asset Management ausserhalb Deutschlands einzustellen. Nachdem er diese Aktivitäten im 2016 von Grund auf aufgebaut hatte, habe die Ankündigung ihn überrascht, sagt Sabbah im Gespräch mit finews.

Für seine berufliche Zukunft zog er daraus eine klare Konsequenz: «Im Asset Management ist man entweder ein sehr grosser Anbieter oder man muss sich wirklich unterscheiden.»

Keine weitere Adresse für Standardprodukte

Mit austauschbaren Basisstrategien will Sabbah deshalb nicht antreten. Sein Netzwerk brauche ihn kaum, um Zugang zu solchen Produkten zu erhalten. Einen Mehrwert sieht er vielmehr dort, wo Anleger spezifische Lösungen suchen und vertiefte Kenntnisse einer Strategie gefragt sind.

Dazu passt sein beruflicher Hintergrund. Bei Edmond de Rothschild Asset Management leitete er das Currency-Overlay-Geschäft, also die Steuerung von Währungsrisiken. Anschliessend war er fast zehn Jahre bei Berenberg tätig und entwickelte dessen Asset-Management-Aktivitäten ausserhalb Deutschlands. Zu seinen Schwerpunkten gehörten europäische Aktienstrategien, insbesondere im Nebenwertebereich.

Mit Solid 3 konzentriert er sich erneut auf wenige Themen. «Ich beanspruche nicht, Experte für sämtliche Anlageklassen zu sein», sagt Sabbah. Wer das gesamte Spektrum benötige, könne sich an einen globalen Anbieter wenden. Seine eigene Stärke soll in der Kenntnis ausgewählter Strategien und ihrer Einsatzmöglichkeiten liegen.

Zwei Partner zum Start

Die ersten Partnerschaften spiegeln diesen Ansatz wider. Solid 3 unterstützt den Währungsspezialisten 7orca und die auf europäische Aktien ausgerichtete Boutique Indépendance AM beim Vertrieb in der Schweiz.

7orca ist seit 2017 auf Currency Overlay spezialisiert und verwaltet laut den vorgelegten Unternehmensunterlagen rund 23 Milliarden Euro. Das Angebot umfasst die aktive und passive Steuerung von Währungsrisiken sowie FX Services.

Indépendance AM konzentriert sich seit 1993 auf europäische Aktien mit einem Schwerpunkt auf kleinen und mittelgrossen Unternehmen. Das verwaltete Vermögen beläuft sich gemäss den Unterlagen auf rund 2,5 Milliarden Euro.

Sabbah sucht Partner mit einem etablierten Leistungsausweis und einer klaren Spezialisierung. Denkbar seien auch erfahrene Investmentmanager, die sich mit einem eigenen Unternehmen selbstständig machten. Entscheidend seien die Qualität der Strategie und die Bereitschaft, sich langfristig im Schweizer Markt zu engagieren.

Fünf bis sieben statt zwanzig Partner

Sabbah strebt ganz bewusst kein möglichst grosses Angebot an. Er will mit fünf bis sieben Partner zusammenarbeiten. Zu viele Anbieter würden es erschweren, die Strategien ausreichend gut zu kennen und die Beziehungen mit der nötigen Intensität zu pflegen.

In den nächsten sechs Monaten könnten ein oder zwei weitere Partnerschaften hinzukommen. Einen festen Zeitplan besteht nicht.

Dahinter steht auch eine persönliche Leitlinie: Er wolle nur Produkte vertreten, in die er grundsätzlich selbst investieren würde. Ebenso wichtig seien ihm eine langfristige Perspektive und die Flexibilität, auf die Bedürfnisse der Kunden einzugehen.

Vertrieb auslagern statt ein eigenes Team aufbauen

Für spezialisierte Asset Manager soll Solid 3 eine Alternative zum Aufbau einer eigenen Schweizer Vertriebsorganisation bieten. Geeignete Mitarbeiter zu finden, lokale Beziehungen aufzubauen und den Markteintritt über längere Zeit zu finanzieren, sei anspruchsvoll, sagt Sabbah.

Ein erfahrener Vertriebsmitarbeiter in Zürich oder Genf verursache erhebliche Kosten. Damit steige auch der Druck, rasch Ergebnisse zu liefern. Gerade für Boutiquen könne eine Partnerschaft mit einem externen Vertriebsspezialisten deshalb der einfachere Einstieg sein.

Solid 3 wird nach Sabbahs Angaben erfolgsabhängig vergütet. Das Unternehmen erhält einen vorab vereinbarten Anteil an den Gebühren der Partner. Für die Endkunden ändere sich die Preisgestaltung dadurch nicht.

Expansion ins Ausland möglich

In fünf Jahren würde Sabbah gerne mit Teams in Genf und Zürich arbeiten und die bestehenden Partnerschaften um drei oder vier weitere ergänzen. Später sei auch eine Präsenz in Paris oder an einem anderen europäischen Standort denkbar. Zunächst liege der Schwerpunkt auf der Schweiz.

Ob das Modell trägt, entscheidet sich für Sabbah auch in schwierigen Marktphasen. Wenn die Performance stimme, seien Gespräche mit Anlegern leichter. Die eigentliche Qualität eines Vertriebspartners zeige sich dann, wenn eine Strategie unter Druck gerate. «Genau dafür brauche es Beziehungen, die über den nächsten Verkaufsabschluss hinausreichen», betont er.