Maverix-Experte: «Bei den Banken wird es zuerst zu Einschnitten kommen»
Er kennt den Schweizer Markt für strukturierte Produkte seit Jahrzehnten –, zunächst als kritischer Beobachter und Finanzjournalist, heute als Branchenvertreter: Serge Nussbaumer hat die Seiten gewechselt und arbeitet inzwischen als Head Public Solutions beim Zürcher Finanzunternehmen Maverix.
Im Podcast mit finews erklärt er, weshalb er strukturierte Produkte trotz der wachsenden Konkurrenz durch ETFs, aktive Fonds und Kryptowährungen weiterhin für unverzichtbar hält. Gleichzeitig räumt er ein, dass die Branche ihre Produkte noch immer zu kompliziert erklärt.
«Wir müssen das noch viel einfacher und simpler transportieren können», fordert Nussbaumer.
KI wird die Banken zuerst treffen
Besonders deutlich wird der Finanzexperte bei der Frage, welche Bereiche der Finanzindustrie durch künstliche Intelligenz am stärksten unter Druck geraten.
Seine Prognose: Zunächst dürfte es die Banken treffen, insbesondere das Retail Banking. Danach werde sich der Wandel im Asset Management bemerkbar machen.
«Ich brauche nicht mehr so viele Analysten und Researcher», sagt Nussbaumer. Die Aufbereitung grosser Datenmengen und zahlreiche analytische Aufgaben könnten künftig zunehmend von KI übernommen werden.
Das bedeute allerdings nicht zwangsläufig, dass die Finanzindustrie insgesamt weniger Menschen beschäftigen werde. Vielmehr würden sich Berufsbilder grundlegend verändern. Für den Standort Schweiz schliesst er einen Rückgang der Arbeitsplätze jedoch ausdrücklich nicht aus.
Bitcoin, KI und ein neues Anlageprodukt
Ein weiterer Schwerpunkt des Podcasts ist die Verbindung dreier aktueller Anlagethemen: Bitcoin, künstliche Intelligenz und börsengehandelte Anlageprodukte.
Maverix hat gemeinsam mit House of Satoshi und weiteren Partnern ein Bitcoin-ETP entwickelt, bei dem KI-generierte Signale die Höhe des Bitcoin-Engagements steuern sollen.
Doch kann eine Maschine tatsächlich erkennen, wann Anleger Bitcoin kaufen oder verkaufen sollten? Oder handelt es sich bei der Verbindung von Kryptowährungen und KI vor allem um geschicktes Marketing?
Nussbaumer stellt sich dieser Frage und erklärt, welchen konkreten Nutzen er in solchen Modellen sieht. Zugleich macht er deutlich, dass die Finanzindustrie den wirtschaftlichen Mehrwert ihrer enormen KI-Investitionen erst noch beweisen müsse.
Wer trägt die Verantwortung, wenn die KI falschliegt?
Eine der zentralen Fragen des Gesprächs betrifft die Verantwortung für Anlageentscheidungen. Wenn Algorithmen immer mehr Analysen übernehmen und Handlungsempfehlungen generieren, wer haftet dann für Fehlentscheidungen?
Für Nussbaumer ist klar: Die Verantwortung muss beim Menschen bleiben. Das Vertrauen zwischen Kunden und Beratern sei auch im Zeitalter künstlicher Intelligenz der entscheidende Erfolgsfaktor.
Eine überraschend klare Antwort zum Schluss
Zum Ende des Podcasts beantwortet Nussbaumer drei persönliche Anlagefragen: Welches Finanzprodukt würde er niemals kaufen? Was unterschätzen die Finanzmärkte derzeit? Und auf welche einzige Anlageklasse würde er setzen, wenn er sich für die nächsten fünf Jahre festlegen müsste?
Gerade seine letzte Antwort überrascht angesichts seiner beruflichen Nähe zu Bitcoin und strukturierten Produkten.
Im neuen finews-Podcast spricht Serge Nussbaumer offen über den bevorstehenden Umbruch in der Finanzbranche, die Grenzen künstlicher Intelligenz und seine persönlichen Anlageüberzeugungen. Ein Gespräch über die Frage, wie viel Mensch die Finanzwelt von morgen noch braucht.
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