FinConnect-Gründer: «Schnelles Geld? Eher langer Atem»
In der Rubrik Backstage geben interessante Persönlichkeiten aus der Finanzwirtschaft und darüber hinaus jeden Mittwoch Einblicke in ihre ganz persönlichen Vorlieben.
Was tut ihr morgens als Erstes?
Larissa Züllig: Das ist unterschiedlich. Mal ein HIIT-Training, mal zuerst ein Kaffee und dann aufs Fahrrad Richtung Seefeld. Mein Morgen vor der Arbeit ist kurz und effizient getaktet, aber Bewegung gehört fast immer dazu. So bin ich im Kopf schon voll da, wenn ich das Büro betrete.
Johannes Schickentanz: Eine gute Tasse Kaffee auf dem Balkon. Ein paar Minuten frische Luft, durchatmen und in Ruhe auf den Tag einstimmen. Erst danach greife ich zum Handy.
Was ist das Beste an eurem Beruf?
Beide: Wir erhalten Einblicke in viele verschiedene Unternehmen und lernen dabei ganz unterschiedliche Kulturen, Menschen und Herausforderungen kennen. Kein Tag ist wie der andere, und jeder bringt neue Perspektiven mit sich. Besonders schätzen wir, dass wir bei jeder Suche für eine Weile Teil des Teams werden und trotzdem den unabhängigen Blick von aussen behalten. Das Beste aber ist, dass wir so Entscheidungen begleiten dürfen, die Karrieren und Unternehmen nachhaltig prägen und beide ein entscheidendes Stück voranbringen.
Ein Moment, der euer Leben veränderte?
Larissa: Ein einzelner Moment? Nein, eher eine ganze Reihe davon. Jedes Mal, wenn ich mir treu geblieben bin, Nein gesagt habe, wo andere Ja gesagt hätten, und meine Grenzen verteidigt habe, hat sich etwas verschoben. Ich brauche das Ungewisse, dort entsteht für mich Neues. Und so bin ich Schritt für Schritt genau da gelandet, wo ich heute bin.
Johannes: Privat war es mein Umzug in die Schweiz, beruflich der Schritt in die Selbstständigkeit. Beides waren Entscheidungen, bei denen man vorher nicht genau weiss, was einen erwartet, aber hinterher froh ist, sie getroffen zu haben. Und der nächste grosse Moment kündigt sich schon an: In wenigen Monaten werde ich zum ersten Mal Vater.
Welche Autos besitzt ihr? Welches ist euer Liebstes?
Larissa: Aktuell fahre ich einen Tesla, im Alltag unschlagbar praktisch. Mein Herz schlägt aber für Klassiker: ein Porsche 911 oder ein Mercedes SL aus den 80er- oder 90er-Jahren.
Johannes: Als gebürtiger Deutscher bewundere ich gute Ingenieurskunst, allen voran Porsche, bislang allerdings nur aus der Ferne.
Welchen Rat würdet ihr eurem 20-jährigen Selbst geben?
Larissa: Hab Geduld mit dir. Wenn du noch nicht weisst, wohin es gehen soll, ist das völlig in Ordnung, es kommt. Probier aus, lerne kennen, vieles muss man zuerst erleben. Gib dir dafür genügend Raum. Die Welt ist laut und enorm kompetitiv, und gerade deshalb geht der eigene Instinkt schnell unter. Vertrau ihm trotzdem. Und das Wichtigste: eine solide Arbeitsethik. Harter Einsatz wird bemerkt und früher oder später belohnt. Hab ausserdem den Mut, deinen eigenen Weg zu gehen, je früher, desto besser.
Johannes: Hör auf, deine Karriere bis ins Detail zu planen, und nutze die Zeit lieber, inspirierende Menschen kennenzulernen. Bei mir haben genau solche Begegnungen Möglichkeiten eröffnet, die ich vorher selbst nie in Betracht gezogen hätte.
Worauf seid ihr besonders stolz?
Larissa: Auf mein gesundes, stabiles Umfeld privat und meine Unabhängigkeit im Beruf. Für viele klingt Unabhängigkeit eher nach Unsicherheit, für mich ist es genau umgekehrt: Das eine gibt mir Halt, das andere Freiheit, und zusammen geben sie mir enorm viel Energie. Ich arbeite heute mehr als je zuvor, aber es fühlt sich überhaupt nicht so an. Und ich versuche jeden Tag, mit Freude und Dankbarkeit durchs Leben zu gehen.
Johannes: Wenn ich Menschen Türen öffnen konnte, an die sie selbst vielleicht nie geklopft hätten. Viele von ihnen melden sich auch Jahre später noch gerne, fragen nach Rat oder erzählen, wie sie sich in ihrer Rolle und ihrem Umfeld entwickeln. Ihren Weg auch langfristig begleiten zu dürfen, ist für mich die schönste Bestätigung.
Was tut ihr, wenn ihr Zweifel habt?
Larissa: Dann trete ich auf die Bremse. In einer so schnelllebigen Welt ist das gar nicht so einfach, aber für mich der einzige Weg zu guten Entscheidungen. Ich bin ein Bewegungs- und Abwechslungsmensch: Beim Sport oder im Restaurant meines Vaters, in unserem Familienbetrieb, wird es in meinem Kopf am klarsten. Dort tauche ich in eine ganz andere Welt ein, höre den Gesprächen zu, und plötzlich ist die Antwort da. Ich brauche diese Gegensätze.
Johannes: Ich trete einen Schritt zurück und frage mich, was ich einem guten Freund in derselben Situation raten würde. Die Antwort ist meistens deutlich klarer, als wenn ich nur an mich denke.
Was ist euer Lieblingswein?
Larissa: Ein Pinot Noir oder ein kalifornischer Cabernet Sauvignon.
Johannes: Ehrlich gesagt: jeder, der schmeckt. Ich bin kein Kenner, mag aber Abwechslung und freue mich immer über neue Empfehlungen.
An welchen Projekten arbeitet ihr momentan?
Beide: Unser grösstes Projekt trägt unseren Namen: FinConnect. Wir wollen Personalberatung wieder persönlicher machen, mit echter Nähe zu Kandidaten und Kunden. Deshalb nehmen wir uns bewusst Zeit, hinter die Stellenbeschreibung zu blicken, bevor wir die passende Person suchen, und setzen auf Besetzungen, die langfristig funktionieren. Genau das kommt im hektischen Recruiting-Alltag oft zu kurz. Besonders am Herzen liegt uns, dass die Finanzbranche den Wert junger Talente erkennt. Deshalb entwickeln wir gemeinsam mit unseren Kunden neue Strukturen und Hiring-Strategien, die dieses Potenzial gezielt nutzen. Gerade mit den aktuellen Veränderungen in der Branche haben wir dafür ein starkes Momentum. Der erfolgreiche Start unserer ersten Mandate gibt uns zusätzlich Rückenwind, um in unser Team zu investieren und über Zürich hinaus zu wachsen. Aber eins nach dem anderen: Nachhaltiger Erfolg braucht Zeit.
Was bewundert ihr an anderen Menschen?
Larissa: Menschen, die zufrieden sind und echte Lebensfreude ausstrahlen. Die eine gewisse Frische haben und spürbar das Leben wertschätzen. Das ist nicht immer einfach, deshalb habe ich riesigen Respekt vor ihnen. Genauso bewundere ich Menschen, die etwas tun, das voll ihr Ding ist. Sie verkörpern es, und das spürt man sofort.
Johannes: Menschen, die ehrlich sagen können: «Das weiss ich nicht.» Dafür braucht es eine gesunde Selbsteinschätzung und den Mut zur Offenheit. Gerade in unserer Branche ist das seltener, als man denkt, und wirkt souveräner als jede schnelle Antwort.
Was wäre die grösste Überraschung für jemanden, der euren Job einen Tag lang übernehmen müsste?
Beide: Viele denken, in unserem Job reicht es, jemanden einfach von A nach B zu vermitteln und eine Rechnung zu schreiben. Tatsächlich steckt hinter jeder Besetzung deutlich mehr: Akquise, unzählige Gespräche und Absagen, ein feines Gespür für Menschen, eine gute Portion Hartnäckigkeit und ein Netzwerk, das über Jahre gewachsen ist. Dazu gehört auch Kreativität, denn die beste Besetzung findet man oft dort, wo andere nicht suchen. Und selbst wenn sich beide Seiten gefunden haben, ist die Arbeit nicht getan: Unsere Begleitung endet nicht mit der Unterschrift, sondern erst, wenn sich die Zusammenarbeit auch im Alltag bewährt hat. Schnelles Geld? Eher langer Atem. Wer das nicht mit Herzblut macht, hält es nicht lange durch.
Welches ist euer persönlicher Antrieb?
Beide: Mit FinConnect aus einer gemeinsamen Idee etwas Eigenes aufzubauen, das unsere Handschrift trägt und in der Branche neue Akzente setzt. Jeden Tag erleben wir hautnah, wie aus unserem Einsatz Stück für Stück ein Unternehmen mit unverkennbarem Profil entsteht.
Wovor fürchtet ihr euch?
Larissa: Vor einem Tag voller Stillstand. Stillsitzen macht mich ehrlich gesagt nervös.
Johannes: Vor den schlaflosen Nächten, die auf meine Frau und mich zukommen, sobald unser Sohn da ist. Wenn ich erfahrene Eltern frage, wie viel Schlaf man in den ersten Monaten noch bekommt, lächeln sie meist nur mitleidig.
Eure Lieblingsuhrenmarke?
Larissa: Ich besitze eine einzige Uhr: eine Vintage-Omega, die ich von meiner Grossmutter geerbt habe. Sie gefällt mir von Mal zu Mal ein bisschen besser, und so trage ich sie immer öfter.
Johannes: Ganz pragmatisch eine Apple Watch, weil sie für mich im Alltag am praktischsten ist. Zu besonderen Anlässen trage ich aber auch gerne mal eine mechanische Uhr.
Gibt es einen unerfüllten Traum, den ihr noch verwirklichen möchtet?
Larissa: Der Flugschein. Ob die Welt dafür bereit ist, ist eine andere Frage.
Johannes: Ein eigener Podcast. Ich habe das Format in den letzten Jahren für mich entdeckt, und als Personalberater in der Finanzbranche erhalten wir Einblicke, die sonst kaum jemand bekommt. Dazu all die inspirierenden Persönlichkeiten, denen wir täglich begegnen dürfen. Gesprächsstoff gäbe es also genug, wer weiss, was sich daraus einmal ergibt.
Ihr bestes Investment?
Larissa: Mein Verlobter, ganz klar die sicherste Anlage in meinem Portfolio. Für den Nervenkitzel sorgt dafür meine Säule 3a mit sehr hohem Risiko.
Johannes: Ehrliches Feedback, ganz gleich, ob ich es gegeben oder erhalten habe. Bequem war das selten, aber nichts hat mich mehr weitergebracht.
Larissa Züllig und Johannes Schickentanz sind die Gründer von FinConnect, einer Zürcher Talent-Boutique für Finance & Technology. Larissa kennt Recruiting von innen: Nach einer leitenden Funktion bei Allianz Partners wechselte sie ins Recruiting von McKinsey & Company, bevor sie in die externe Personalberatung einstieg. Johannes war stets auf der Beraterseite: Er startete in Frankfurt und war zuletzt Partner einer europäischen Search-Boutique für Financial Services, deren Zürcher Standort er aufbaute.















