Adam Back: Bitcoin-Pionier baut in der Schweiz aus

In der Kryptoszene ist Adam Back eine Legende. Bereits 1997 entwickelte der britische Kryptograf das Hashcash-System, auf das sich der pseudonyme Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto im Bitcoin-Whitepaper beruft. Im vergangenen April mutmasste die «New York Times», bei Back könne es sich sogar um Satoshi selbst handeln (Artikel auf Englisch, hinter Bezahlschranke).

Für das gerade stattfindende Plan ₿ Forum reiste Back eigens aus Menlo Park nach Lugano. Im Gepäck führt er Pläne für sein neues Büro in Lugano und ein neues Geschäftsfeld mit: Blockstream eröffnet im Tessin einen Hub für das Europageschäft und lanciert mit Blockstream Consulting Services eine neue Einheit.

Bitcoin im Kernbankensystem

Mit den Beratungsdienstleistungen richtet sich Blockstream an Banken, Vermögensverwalter und andere Finanzinstitute. Diese sollen bei der Evaluation, Konzeption und Umsetzung einer Bitcoin-basierten Finanzinfrastruktur unterstützt werden, etwa bei der Ausgabe tokenisierter Vermögenswerte oder bei vertraulichen Abwicklungen.

«Die nächste Phase der Bitcoin-Adoption ist die Integration in bestehende Finanzsysteme», sagt Back, Mitgründer und CEO des 2014 gegründeten Unternehmens. Dank seiner Erfahrung in Kryptografie und Protokollentwicklung verfüge Blockstream über das nötige Know-how, um die Komplexität solcher Integrationen zu bewältigen.

Zürcher Wurzeln

Für Back ist die Schweiz vertrautes Terrain. Seine Mutter stammt aus Zürich. «Als Kind war ich oft in der Schweiz», sagt er im Gespräch mit finews. «Und in Lugano war ich vor vielen Jahren als Teenager mit der erweiterten Familie.» Blockstream nimmt bereits seit einigen Jahren am Plan ₿ Forum und an der Bitcoin Summer School in Lugano teil.

Auch geschäftlich ist das Tessin kein Neuland. Im Juli 2025 hatte Blockstream mit der Übernahme des lokalen Startups Elysium Lab seinen europäischen Hauptsitz in Lugano eingerichtet. Lugano bleibt die technische Basis, während die meisten potenziellen Bankkunden in der Deutsch- und Westschweiz ansässig sind.

Vermögensverwalter statt Massenmarkt

Den Fokus auf die Schweiz begründet Back mit der Struktur der hiesigen Bankbranche: «In der Schweiz konzentriert sich das Wealth Management. Dieses Segment des Bankgeschäfts ist gegenüber Bitcoin viel offener und interessierter. Und es macht hier einen grösseren Teil des Geschäfts aus als das Retail- oder Mainstream-Banking in grösseren Ländern wie den USA.»

Wachstum erwartet er vor allem in der Vermögensverwaltung und bei Technologie für Institutionelle. Mit den Bitcoin-ETF von Blackrock werde die Anlageklasse selbst institutioneller. «Die Institutionen waren lange Zeit nicht wirklich tief in Bitcoin engagiert. Seit vielleicht drei Jahren wird es ernsthafter.»

Von Hardware-Wallets bis zu mexikanischen Schuldscheinen

Bislang stützt sich Blockstream laut Back auf mehrere Standbeine: ein Retailgeschäft mit der Hardware-Wallet Jade und Software, kostenpflichtige Datendienste wie einen Block-Explorer sowie einen Bitcoin-Preisfeed, der gemeinsam mit ICE Data Services betrieben wird, einer Tochter der Eigentümerin der New Yorker Börse.

Hinzu kommt das Liquid Network, ein Bitcoin-Layer-2 für tokenisierte Vermögenswerte und Stablecoins mit rund 80 Mitgliedsfirmen. Den grössten Einzelposten bilden laut Back tokenisierte Schuldscheine kleiner Unternehmen in Mexiko. «Das ist ein Beispiel für organisch gewachsene Anwendungen in einem Bereich der Finanzwelt, der bisher unterversorgt oder ineffizient war, weil er papiergestützt und fehleranfällig war.»

«Wir wissen nicht, wer Satoshi ist»

Wie aber nahm Back die Satoshi-These auf, die der Investigativjournalist John Carreyrou in der «New York Times» aufgestellt hatte? Carreyrou recherchierte ein Jahr lang und sprach ihn an einer Konferenz in El Salvador an. «Aufgrund seines Gesichtsausdrucks fragte ich ihn: ‹Sind Sie zum Schluss gekommen, dass ich Satoshi bin?› Und er sagte: ‹Ja.›» Carreyrou habe ziemlich überzeugt gewirkt. «Aber für mich ist das natürlich ein seltsames Phänomen, denn ich bin es nicht.»

«Es ist ein Rätsel. Die Leute wollen spekulieren, und dafür bin ich ein ebenso guter Kandidat wie jeder andere.» Für Bitcoin sei dieser Gründungsmythos letztlich von Vorteil, sagt Back: «Anders als bei Facebook oder Tesla gibt es keinen CEO mit gewissen Eigenheiten, den die einen mögen und die anderen nicht. Wir wissen nicht, wer Satoshi ist. Das ist gut so. Und es wird wohl auch so bleiben.»