Wohl der nächste Whisky-Weltrekord
Zu teuer, um den Whisky einzuschenken: Von den zehn teuersten Flaschen der Welt stammen laut Malts.com fünf aus dem Haus Macallan. Vor drei Jahren versteigerte Sotheby's «The Macallan 1926 Adami» für 2'187'500 Pfund, vorher war der Preis auf 750'000 bis 1,2 Millionen Pfund geschätzt worden.
Nun kommt die nächste Trophäe unter den Hammer: «The Macallan Fine and Rare 60 Years Old 1926». Experten erwarten, dass auch hier der Schätzpreis von 1,7 bis 2,2 Millionen Pfund deutlich überboten wird.
Damit würden die Schotten den Weltrekord für den teuersten Whisky von Irland zurückholen. Vor zwei Jahren kaufte der Sammler Mike Daley eine Flasche «The Emerald Isle» für 2,2 Millionen Pfund von der Craft Irish Whiskey Co.
60 Jahre in einem einzigen Fass
Der Zeitpunkt der jüngsten Versteigerung ist bewusst gewählt. 2026 jährt sich die Destillation dieses Whiskys zum 100. Mal. Zugleich findet die Auktion erstmals direkt auf dem Macallan Estate in Speyside statt. Die Versteigerung umfasst mehr als 40 Lose, die überwiegend aus privaten Sammlungen stammen. Das günstigste Angebot startet bei 1'200 Pfund und ist ein «The Macallan Special Reserve 43.0 abv NV», der 1985 in die Flasche kam.
Die Geschichte beginnt 1926. Damals wurde der Whisky in das Sherry-Eichenfass Nummer 263 gefüllt. Dort blieb er sechs Jahrzehnte liegen. Erst 1986 wurde die wertvollen Spirituosen abgefüllt. Nach 60 Jahren Reifung reichte der Inhalt noch für lediglich 40 Flaschen. Die geringe Zahl allein erklärt den heutigen Preis allerdings nur teilweise. Entscheidend ist, was Macallan aus diesen 40 Flaschen machte.
Zwölf erhielten Etiketten des britischen Pop-Art-Künstlers Sir Peter Blake, der unter anderem das Cover von «Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band» der Beatles mitgestaltete. Weitere zwölf wurden vom italienischen Künstler Valerio Adami gestaltet.
Preise explodieren
Und dann gibt es jene Variante, die jetzt versteigert wird. Lediglich maximal 14 der 40 Flaschen erhielten das inzwischen berühmte Fine-and-Rare-Label. Die jetzt angebotene Flasche gehört zu dieser Gruppe. Aus Whisky wurde damit ein Sammlerobjekt an der Schnittstelle von Luxusgut, Kunst und alternativer Anlage.
Wie extrem diese Entwicklung verlief, zeigt die Preisgeschichte. Als 1987 eine Flasche verkauft wurde, kostete sie 5'000 Pfund und galt bereits als teuerste Spirituose der Welt. 1991 brachte eine Peter-Blake-Version 6'375 Pfund, 1996 eine Adami-Flasche 12'000 Pfund.
2007 erzielte eine Fine-and-Rare-Flasche bei Christie's in New York umgerechnet gut 45'000 Pfund. Dann begann die eigentliche Preisexplosion. 2018 wechselten mehrere Macallan-1926-Flaschen für Beträge zwischen gut 600'000 und mehr als 880'000 Pfund den Besitzer. Im November desselben Jahres erzielte die von Michael Dillon handbemalte Flasche bei Christie's 1,2 Millionen Pfund – erstmals überschritt eine einzelne Whiskyflasche die Millionengrenze.
Interessant für die kommende Auktion ist das Jahr 2019. Damals versteigerte Sotheby's genau dieselbe Variante wie jetzt – einen Macallan 1926 Fine and Rare. Schätzpreis damals: lediglich 350'000 bis 450'000 Pfund. Zuschlag inklusive Aufgeld: 1,452 Millionen Pfund.
In nur zwölf Jahren hatte sich der dokumentierte Auktionswert einer Fine-and-Rare-Version damit von rund 45'000 auf mehr als 1,45 Millionen Pfund vervielfacht.
Ein Schluck für rund 49'000 Pfund
Die Dimension lässt sich auch anders darstellen. Sotheby's rechnete bei einer früheren Fine-and-Rare-Auktion vor, dass sich aus einer 70-Zentiliter-Flasche mehr als 45 Portionen à 15 Milliliter einschenken liessen. Sollte die aktuelle Flasche tatsächlich 2,2 Millionen Pfund erzielen, entspräche dies rechnerisch knapp 49'000 Pfund pro 15-Milliliter-Schluck – vor allfälligen weiteren Kosten.
Ein Öffnen dürfte für den künftigen Besitzer damit allerdings kaum im Vordergrund stehen.
Eine Frau steht am Anfang der Geschichte
Hinter dem Rekordwhisky verbirgt sich zudem eine bemerkenswerte Unternehmensgeschichte.
Nach dem überraschenden Tod ihres Mannes 1918 übernahm Janet «Nettie» Harbinson, eine Enkelin des Macallan-Gründers Alexander Reid, die Leitung des Familienunternehmens. Ein Verkauf der Destillerie galt damals als wahrscheinlich.
Harbinson entschied sich dagegen. Sie führte Macallan weiter und liess in den 1920er- und frühen 1930er-Jahren unter anderem die Lagerkapazitäten ausbauen. Unter ihrer Führung wurde 1926 auch jenes Fass eingelagert, dessen Inhalt heute Millionen wert ist. 60 Jahre später liess ihr Grossneffe und damaliger Macallan-Chairman Allan Shiach den Whisky abfüllen.
«Es war enorm ambitioniert – das erste Mal, dass Whisky auf einem solchen Preisniveau positioniert wurde», sagt Jonny Fowle, Global Head of Whisky bei Sotheby's, über die damalige Vermarktung.
Aus Whisky wird ein «Trophy Asset»
Fowle bezeichnet den Macallan 1926 heute als einen der «ikonischsten und begehrtesten» jemals produzierten Whiskys. Für ihn sei nicht nur die Seltenheit entscheidend, sondern die aussergewöhnliche Geschichte dahinter.
Die Entwicklung erinnert damit an andere sogenannte Trophy Assets: Ein kleiner Kreis internationaler Käufer konkurriert um Objekte, die praktisch nicht reproduzierbar sind. Ein objektiver innerer Wert lässt sich daraus allerdings kaum ableiten – und vergangene Auktionsrekorde garantieren keine weitere Wertsteigerung.















