Die wundersame Geldmaschine der Bellevue Group

Die Zürcher Bellevue Group hat sich durch eine Vertragsänderung deutlich höhere Einnahmen aus ihrer Tätigkeit für die Beteiligungsgesellschaft BB Biotech gesichert. Das stösst einigen BB-Biotech-Aktionären sauer auf.

In Branchenkreisen ging jüngst die Frage um: Wem gehört eigentlich die Beteiligungsgesellschaft BB Biotech? Diese Frage kam auf, nachdem kolportiert worden war, die Änderung des Verwaltungsvertrages mit der Bellevue Group diene primär dem Unternehmen und nicht den Eigentümern.

Dazu muss man wissen: Die BB Biotech gehört einer breiten Schicht von Anlegern. Gut 5 Prozent der knapp zwölf Millionen Aktien sind im Eigenbesitz; eine Beteiligung von 5,5 Prozent hält der amerikanische Hedgefonds-Guru Paul Elliott Singer, der damit der grösste Einzelaktionär ist.

Markant höhere Gebühren

Worum geht es genau? Die zur Bellevue Group gehörende Vermögensverwalterin Bellevue Asset Management ist seit der Gründung der BB Biotech im Jahr 1993 mit der Verwaltung des Portfolios betraut. Dafür erhält sie eine Gebühr. Diese belief sich in der Vergangenheit jährlich auf vier bis zwölf Millionen Franken.

Im vergangenen Jahr jedoch betrug diese Gebühr laut Geschäftsbericht fast doppelt so viel. Möglich wurde dies auf Grund einer Änderung des Verwaltungsvertrags – quasi durch die Hintertür und ohne Abstimmung an der Generalversammlung, wie auch die Börsenzeitung «Finanz und Wirtschaft» in einem Artikel bemerkte (Artikel bezahlpflichtig). 

Grafik BB Biotech 500

Übereinstimmende Interessen?

Bis Ende 2013 war diese Verwaltungsgebühr von 1,2 Prozent auf eine Marktkapitalisierung bei BB Biotech von 1 Milliarde Franken beschränkt gewesen. Per Anfang 2014 wurde diese Gebühr gemäss Verwaltungsratsbeschluss zwar von 1,2 Prozent auf 1,1 Prozent gesenkt, doch galt sie fortan auf die gesamte Marktkapitalisierung der BB Biotech.

Laut einer Sprecherin der Firma bezweckte der Verwaltungsrat mit diesem Entscheid eine «Übereinstimmung der Aktionärsinteressen mit jenen der Vermögensverwalterin Bellevue Asset Management», die für eine Vielzahl von Dienstleistungen (Portfolio Management, Investor Relations, Business Development, Marketing, Kommunikation, Administration und Finanzen) zuständig ist.

Am unteren Ende

Die Gebührenstruktur bleibe transparent und marktkonform, und im Konkurrenzvergleich bewege sich BB Biotech damit «am unteren Ende», war weiter zu erfahren. Zudem ermögliche die Anpassung , die Investitionstätigkeit in Einklang mit dem Wachstum der Beteiligungsgesellschaft fortzusetzen. Aktionärsinteressen und jene der Vermögensverwalterin stünden im Einklang, unterstrich die Sprecherin gegenüber finews.ch.

Zudem gelte es, die Wettbewerbsfähigkeit langfristig durch Investitionen in Infrastruktur und Human Resources aufrecht zu erhalten. So hat die Bellevue Asset Management unter anderem ihre Analystenkapazität deutlich ausgebaut und den Standort New York verstärkt. Ausserdem wurden die Investor-Relations-Aktivitäten in Grossbritannien durch eine neue Niederlassung in London 2014 verstärkt.

Aber auch in anderen Märkten wie der Schweiz und Deutschland wurden Investor Relations und Kommunikation intensiviert. Daneben tätigte die Vermögensverwalterin substanzielle Investitionen in Systeme und Prozesse – nicht zuletzt auf Grund der verschärften Regulierung und der steigenden Anforderungen der Investoren.

Geldsegen für die Bank am Belleuve

Die Änderung des Verwaltungsvertrags hat sich allerdings auch finanziell positiv auf die Bellevue Group ausgewirkt und kaschiert möglicherweise die eher ertragsschwache Bank am Bellevue. Denn der markante Gewinnanstieg der Gruppe im vergangenen Jahr um mehr als 70 Prozent auf elf Millionen Franken ist im Wesentlichen auf die erwähnte Vertragsänderung zurückzuführen.

Und es kommt noch besser: Aktuell liegt die Marktkapitalisierung bei knapp vier Milliarden Franken – macht Mehreinnahmen von 44 Millionen Franken, sofern sich diese Marktkapitalisierung hält. Im Vergleich: Nach der alten Regel wären maximal zwölf Millionen Franken an Mehreinnahmen möglich gewesen.

Weniger Geld für die Aktionäre

Die Vertragsänderung wurde aber auch strategisch äusserst günstig getroffen. Denn dem Healthcare-Branche werden auch künftig zweistellige Wachstumsraten zugetraut. Der Grund: Weil immer mehr Medikamente ihren Patentschutz verlieren, hat die Industrie einen enormen Bedarf an neuen, innovativen und von Biotech-Firmen entwickelten Medikamenten. Dazu kommt die steigende Nachfrage seitens der Patienten.

Leidtragende dieser Änderungen sind die BB-Biotech-Aktionäre. So wurde deren Dividende für 2014 zwar von 7.00 Franken auf 11.60 Franken erhöht; bei gleichbleibender Verwaltungsgebühr hätte sie wohl höher ausfallen können.

Ein unangenehmer Zeitgenosse

Die Bellevue Group ihrerseits beschreibt die Kooperation mit BB Biotech als eine Win-Win-Situation. Dennoch handelt es sich hierbei um eine doch eher etwas asymmetrische Abhängigkeit, wie die obigen Ausführungen vermuten lassen.

Sollte sich im Aktionariat von BB Biotech also Widerstand gegen den neuen Vertrag formieren, dürfte es schwierig werden für die Bellevue Group. Von der Hand zu weisen ist dieses Szenario nicht. Denn mit Paul E. Singer sitzt ein bisweilen unangenehmer Zeitgenosse im Aktionariat, wie finews.ch verschiedentlich berichtete. Zudem gab das Verhältnis zwischen der Bellevue Group und BB Biotech schon früher gelegentlich Anlass zu Kritik.

 

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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