Credit Suisse: Unternehmerbank soll's richten

Thomas Gottstein, CEO Credit Suisse Swiss Universal Bank

Thomas Gottstein, CEO Credit Suisse Swiss Universal Bank

Was die Credit Suisse in Asien seit einigen Jahren erfolgreich betreibt, soll ihr nun auch hierzulande die dringend benötigten Erträge sichern. Für ihre «Unternehmerbank» will die CS auch zusätzliches Personal engagieren.

Bloss «Bank» zu sein, genügt heute offenbar nicht mehr. Auf die Profilierung kommt es an, selbst für eine Universalbank wie die Credit Suisse (CS), die sämtliche Finanzdienstleistungen anbietet; angefangen etwa vom Sparkonto, über den Zahlungsverkehr bis hin zu komplexen Kapitalmarkttransaktionen, einem Börsengang oder der Gründung einer Trust-Struktur.

Aber selbst mit diesem weit reichenden Angebot muss sich die CS differenzieren, so dass sie anders ist – anders als ihre Konkurrenten in der Schweiz wie im Ausland. Darum will sie – bereits seit einigen Jahren – eine «Bank für Unternehmer» sein, die den Firmen und deren Besitzern und Chefs alle nur erdenklichen Dienstleistungen sowohl geschäftlich (zum Beispiel Kredite) als auch privat (zum Beispiel Vermögensverwaltung) anbietet.

In Asien erprobt

Dabei richtet sich die CS nach einem Lebenszyklus des Unternehmens respektive des Unternehmers, der – vereinfacht gesagt – anfänglich (Gründungs-)Kapital, danach Firmenkredite, später Beratung bei Transaktionen, Pensionskassen-Lösungen und schliesslich eine Nachfolge-Planung benötigt. Umgekehrt sind anfänglich seine privaten Finanzbedürfnisse eher bescheiden, wachsen aber mit dem entsprechenden Erfolg des Unternehmens (vgl. nachstehende Grafik).

CS Grafik 502 kopie

Dieses Geschäftsmodell betreibt die CS in Asien bereits höchst erfolgreich, wo in den vergangenen zwei Jahrzehnten tatsächlich viele, enorm reiche Unternehmerpersönlichkeiten entstanden sind, die ebendiese Kombination von beruflichen und privaten Finanzbedürfnissen haben, wie CS-Asien-Chef Helman Sitohang unlängst in einem Gespräch mit finews.ch in Singapur erklärte.

Pionier der Unternehmer-Bank

Ursprünglich habe die CS in Asien eher als Investmentbank gegolten, so dass viele Unternehmer-Kunden ihr persönliches Vermögen zu einer anderen Bank brachten. Ihm sei dies 2004 bewusst geworden, sagt Sitohang, als ihn ein Firmenkunde gefragt habe, zu welcher Bank er seine erwirtschafteten Mittel bringen solle. «Da war für mich klar, dass wir alles daran setzen sollten, auch dieses Geld zu verwalten», so der CS-Asien-Chef, der damit recht eigentlich als Pionier der «Unternehmer-Bank» gilt – bevor Oswald J. Grübel 2005 die «One Bank» lancierte.

Während sich der Erfolg der kombinierten Bank der CS in Asien relativ rasch und signifikant einstellte, kann sie hierzulande nie richtig in Fahrt. Scheinbar klappte die konsequente Verzahnung der verschiedenen Geschäftsbereiche nicht optimal, selbst wenn die (damaligen) CS-Verantwortlichen verschiedentlich das Gegenteil behauptet haben.

Zusätzliche Standorte

Nun, unter dem Dach der neuen Swiss Universal Bank, die Thomas Gottstein verantwortet, soll die «Bank für Unternehmer» tatsächlich zum Juwel des Unternehmens avancieren, wie die Verantwortlichen am Freitag vor den Medien in Zürich beteuerten. Gerade weil dies vermutlich der letzte Versuch sein dürfte, dieses Konzept zum Erfolg zu führen, scheut die CS nun weder Kosten noch Mühe, um den Plan nun zu verwirklichen.

Unter diesen Prämissen will die Bank in den nächsten Monaten schweizweit die Standorte mit spezialisierten Unternehmer-Beratern von aktuell 11 auf 20 erhöhen, wie Daniel Hunziker, Leiter der Region Zürich, erklärte. Neue Standorte wird es in Delémont, Neuenburg, Fribourg, Sitten, Lugano sowie im Kanton Zürich, namentlich in Uster, Winterthur und Wädenswil, geben, wie Hunziker gegenüber finews.ch präzisierte. Damit einher geht auch ein signifikanter Ausbau der Anzahl Unternehmer-Berater. So will die CS bis Ende Jahr den Bestand von derzeit 60 auf rund 100 erhöhen.

Zusätzliches Know-how

Um den (potenziellen) (Jung-)Firmen-Kunden mit zusätzlichem Know-how beizustehen, ist die CS auch Partnerin der Unternehmer-Investorenplattform Schweiz (UIP), die Risikokapital, Kapitalmarkt-Dienstleistungen, aber auch Versicherungslösungen sowie ein Personen-Netzwerk und bei Bedarf Berater und Verwaltungsräte zur Verfügung stellt. Darüber hinaus unterstützt die Bank seit Anfang Jahr die Plattform startups.ch, wie auch finews.ch unlängst meldete.

Landesweit betreut die CS aktuell über 100'000 KMU-Kunden, wovon 30'000 kleinere Unternehmen und kommt damit auf einen Marktanteil von 10 bis 15 Prozent, wie André Helfenstein, Leiter Corporate & Institutional Clients, am Freitag erklärte. Angesichts dieser Zahlen wehrt sich die CS auch energisch gegen den notorischen Vorwurf, als globale Bank zu weit von den Schweizer KMUs entfernt zu sein.

Unausgeschöpftes Potenzial

Im Gegenteil, diese Zahlen würden die Nähe der CS zum Rückgrat der Schweizer Wirtschaft beweisen, wie die kleinen und mittelgrossen Unternehmen bisweilen auch bezeichnet werden, betonte Helfenstein. Vor diesem Hintergrund sieht die CS denn auch ein beträchtliches Wachstumspotenzial, das sie mit ihrer nun personell neu aufgegleisten «Bank für Unternehmer» ausschöpfen will.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Morgan-Stanley-CEO macht Kasse mit Bankaktien
  • Trumps Kabinett der Milliardäre
  • London: Der Investmentbanker Europas
  • Der Sanierer soll ein Insider-Händler sein
  • RBS: Versagen auf der ganzen Linie
  • Streitpunkt neue Kapitalregeln
mehr

SELECTION

Selection

Die schlimmsten Prognosen 2016

Was Anlage-Profis für 2016 prophezeien.

Selection

Selection

So empfängt die UBS künftig ihre besten Kunden

Die grösste Schweizer Bank gestaltet weltweit ihre Empfangsbereiche und Sitzungszimmer für die reiche Klientel neu.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

weitere News