Milliardäre: Asiens Frauen weisen den Weg

Chan Laiwa, Asiens reichste Frau. Branche: Immobilien

Manche Milliardäre haben in zwanzig Jahren ihr Vermögen neunfach gesteigert. Wie sie das geschafft haben, warum sie Angst haben, ihr Geld wieder zu verlieren, und weshalb ihre Ängste berechtigt sind, zeigt eine Studie der UBS und von PwC.

1. Mehr Milliardäre, schnellerer Reichtum

Die UBS und das Beratungsunternehmen PwC halten in ihren am Dienstag veröffentlichten «Billionaires Insights» fest: In den vergangenen zwei Jahrzehnten sei aussergewöhnlich viel Reichtum entstanden. In Zahlen: Gezählt werden zurzeit 1'347 Milliardäre. 1995 ware es nur gerade 255. Ihre Vermögen belaufen sich im Schnitt auf 11 Milliarden Dollar, im Vergleich zu 2,9 Milliarden im Jahr 1995.

Das heisst: Der Wachstumsfaktor bei Milliardärsvermögen belief sich in 20 Jahren auf 3,8. Das Welt-Bruttosozialprodukt und der MSCI World Index weisen den Faktor 2,5 auf. Gesamt stiegen die Milliardärsvermögen innert 20 Jahren von 600 Milliarden auf 5,4 Billionen Dollar.

2. Die Anzahl Frauen unter den Milliardären steigt

Unter den Milliardären waren die Frauen der Wachstumstreiber. Gemäss Report macht ihr Anteil inzwischen 11 Prozent aus. Die Anzahl Milliardärinnen stieg um den Faktor 6,6, verglichen mit 5,2 bei den Männer. Die Ursache dafür liegt in Asien. Vor zehn Jahren zählte man in Asien erst drei Milliardärinnen, inzwischen sind es 25. Insgesamt sind die durchschnittlichen Vermögen der Frauen höher als jene der Männer.

Rund die Hälfte der Milliardärinnen Asiens sind Unternehmerinnen. Demgegenüber haben die Milliardärinnen Europas und Nordamerikas ihre Vermögen mehrheitlich geerbt. Doch gemäss Report stehen immer öfter Frauen an der Spitze einer Milliardärsdynastie. Die Verfasser nennen diese Entwicklung den «Athena Factor»: Wie die gleichnamige griechische Göttin zeichneten sich Milliardärinnen durch Weisheit, Mut und Inspiration aus.

3. Obsessiv und beharrlich

Bei Milliardären stechen drei Eigenschaften hervor: Sie sind schlau. Das heisst, sie gehen nur dann Risiken ein, wenn sie sich gute Chancen auf ein Gelingen ausrechnen können. Milliardäre sind obsessiv, was ihr Unternehmen betrifft. Und sie zeichnen sich durch sehr grosse Beharrlichkeit aus. Die Studie zeigt allerdings, dass diese Eigenschaften nicht immer vererbt werden können.

4. Wie gewonnen – so zerronnen

Das bekannte Sprichwort, «die erste Generation baut das Unternehmen auf, die zweite führt es zum Erfolg und die dritte ruiniert es», gilt offensichtlich nicht mehr. Die Zahlen belegen es: Mehr als die Hälfte der Milliardäre aus dem Jahr 1995 sind aus dem exklusiven Club geflogen – 163 der damals 289 Milliardäre.

«Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Wert eines Unternehmens, das die erste Generation geschaffen hat, allzu oft in der zweiten Generation ausgehöhlt wird,» wird Michael Spellacy, Global Wealth Leader bei PwC USA, im Report zitiert.

Die Gründe für das Versagen sind erstens: Die Sprösslinge von Milliardärs-Dynastien sind oftmals nicht aus dem selben Holz geschnitzt wie ihre Väter oder Grossväter. Sie nähmen Risiken, welche sie nicht verstünden, zur falschen Zeit und mit viel zu hohem Fremdkapitaleinsatz. Zweitens: Tod und Steuern. Stirbt ein Milliardär, wird auf dem vererbten Vermögen je nach Land eine erhebliche Erbschaftssteuer erhoben. Drittens: Verwässerung des Vermögens durch die Erbfolge.

5. Die Branche entscheidet

Unter den Langfrist-Milliardären zeigt sich ein Muster. Es gibt drei Branchen, die sozusagen Domänen der Milliardäre sind: Konsumgüter und Detailhandel, Technologie und zuletzt auch immer stärker der Finanzsektor. Aber es gibt auch regionale Muster: Die Milliardäre Europas sind mehrheitlich Industrielle, in Asien dominieren die Immobilien-Tycoons, in den USA zunehmend die Technologieunternehmer und Finanzmanager.

6. Management geht vor Familiensinn

Erhalt und Wachstum von Milliardärsvermögen verlangen nach Managementfähigkeiten. Oder wie es Spellacy von PwC ausdrückt: «Entscheidungen werden nicht mehr am Küchentisch, sondern in der Vorstandsetage getroffen.» Anders gesagt: Unternehmen geht vor Familie, spätestens wenn das Unternehmen an die dritte Generation übergeht.

Dies bedingt eine klar geregelte «Family Governance» mit Regeln und Prinzipien, wie und wer von der Familie im Unternehmen noch Einfluss ausübt. Die kulturellen Unterschiede sind allerdings gross: In Asien und Südeuropa bleiben die Familien die Unternehmer, in den USA und im übrigen Europa werden die Familien mehr und mehr zu Unternehmensteilhabern.

7. Die Gefahr von aussen

Wirtschaftskrisen oder einfach schlechtes Management in der Familie können Milliardärsvermögen vernichten. Aber die Mehrheit der Milliardäre sieht die Gefahren für ihre Vermögens ganz woanders: Nämlich bei Steuern und Regulierung.

Letztere stellt eine Gefahr für den Technologie- und Finanzsektor dar, wie es die Milliardäre und die Verfasser der Studie sehen. Strengere Steuerregime, wie sie die G20 und die OECD vorantreiben, haben bereits jetzt Auswirkungen auf Vermögen.

8. So bleibt man Milliardär

Um Reichtum langfristig zu bewahren und noch zu vermehren, müssen Milliardäre und ihre Nachkommen eine Strategie wählen. Im Prinzip gibt es drei Optionen: Das ursprüngliche Familienunternehmen wird weitergeführt. Das Familienunternehmen wird weitergeführt und mit weiteren Geschäften oder Investments ergänzt; das ist die Hybridstrategie. Die dritte Option ist, reiner Finanzinvestor zu werden.

Die Ergebnisse der Studie sind eindeutig: Die erste Option haben 69 Prozent der Milliardäre gewählt. Sie scheint demnach die erfolgreichste zu sein.

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Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

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Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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