Für das ZKB-Aktienresearch überwiegen bei Schweizer Banken die Chancen
Das Aktienresearch der (selber nicht kotierten) Zürcher Kantonalbank (ZKB) hat sich diese Woche 20 Schweizer Banken und Finanzdienstleister vorgeknöpft, deren Aktien an der SIX Swiss Exchange gehandelt werden. Die ZKB-Analysten Ausano Cajrati Crivelli und Daniel Regli analysieren diese Finanzinstitute regelmässig und nehmen fallweise Anpassungen vor.
Die neue Studie bringt zwar keine Veränderungen bei den Aktienempfehlungen Übergewichten (Top Picks), Neutral und Untergewichten. Neu ist dagegen naturgemäss die Einschätzung des Umfelds für den Sektor und der Einbezug der Halbjahresabschlüsse.
Guter Zeitpunkt für Standortbestimmung
«Die Studie berücksichtigt die unternehmensspezifischen Entwicklungen der vergangenen Monate und ermöglicht dem Leser, sich rasch eine Überblick über den Sektor und die 20 Titel zu verschaffen», hält Regli, der die Studie zusammen mit seinem Kollegen Cajrati Crivelli verfasst hat, auf Anfrage von finews fest.
Der Zeitpunkt für diese Standortbestimmung ist gut gewählt. Nächste Woche wird zwar die UBS ihren Abschluss für das dritte Quartal vorlegen, doch die meisten weiteren von der ZKB abgedeckten Finanzinstitute rapportieren nur halbjährlich in ausführlicher Form.
UBS-Regulierung mit positiven Nebeneffekt auf die anderen Banken?
Beim Umfeld gehen die beiden Analysten auf drei Faktoren ein.
- Zinslandschaft: Die Nullzinspolitik der Nationalbank stellt für die inländischen Banken weiterhin eine Belastung dar, die allerdings tragbar ist, wie die Ergebnisse des ersten Halbjahres zeigen. Dass die Zinskurve etwas steiler geworden ist und die Aktienmärkte robust sind, wirkt positiv auf den Sektor. Positiv wäre auch eine allfällige Anhebung des Schweizer Leitzinses.
- Konjunktur: Angesichts der geopolitischen Spannungen, höherer Energiepreise und Handelskonflikte erweist sich die Schweizer Wirtschaft als bemerkenswert widerstandsfähig. Das Wachstum dürfte 2026 und 2027 klar positiv ausfallen, was auch für die Banken positiv ist.
- Regulierung: Die vom Ständerat gewünschten strengeren Kapitalanforderungen für die UBS haben «das Potenzial, die Kapitalflexibilität und Wettbewerbsfähigkeit der UBS einzuschränken». Günstig ist der Nebeneffekt für die auf den Inlandmarkt ausgerichteten Banken, weil er ihre Wettbewerbsposition relativ betrachtet stärken könnte.
Das Research empfiehlt, Aktien von sieben Finanzinstituten mit übergewichten (die sogenannten Top-Picks im Sektor, rangiert nach der Marktkapitalisierung), mit folgenden Argumenten (Auswahl).
- Partners Group: Die Kursreaktionen auf die negativen Nachrichten zum Gating und langsamen Wachstum bei den Evergreen-Fonds hält die ZKB für übertrieben: Dank einem diversifizierten Produktangebot dürfte Partners Group trotz einer vorübergehenden Abschwächung der Nachfrage seitens vermögender Privatkunden weiterhin ein gutes Wachstum der verwalteten Vermögen erzielen.
- Julius Bär: Hier sieht die Studie nach Abschluss der Finma-Untersuchung den Beginn eines neuen Kapitals. «JB kann sich nun wieder auf das normale Geschäft konzentrieren.» Erwartet wird «eine Verbesserung der Stimmung sowohl bei den Anlegern als auch bei den Mitarbeitenden» und eine «allmähliche Wiederbeschleunigung der Bemühungen der Bank um Netto-Neugelder». Ebenfalls positiv ist die Aussicht auf eine hohe Aktionärsrendite (Rückkäufe und Dividenden).
- VZ Holding: Die womöglich im gesunkenen Aktienkurs gespiegelten Befürchtungen, dass künstliche Intelligenz (KI) das Geschäftsmodell beeinträchtigen könnte, scheinen der ZKB übertrieben zu sein. «KI könnte VZ sogar Chancen zur Erweiterung des Angebots und eine Verbesserung der Margen bieten.» Positiv für die Wachstumsaussichten werten die Studienautoren auch die starke Zunahme beim Volumen der Beratungsmandate und die Eröffnung einer Niederlassung in Berlin.
- Swissquote: Die Kunden- und Vermögensbasis wächst weiter, die Marktanteile in der Schweiz und in Europa sind immer noch tief. Die Margen profitieren von verbesserten Zinsaussichten und erhöhter Volatilität, was die Kundenaktivität ankurbeln dürfte. Zudem sorgt das wachsende Online-Banking-Geschäft (Yuh) für eine Diversifizierung der Erträge.
- EFG: Die Bank «hat sich in den letzten 10 Jahren von einem Aussenseiter im Schweizer Privatbankwesen zu einem der Aushängeschilder der Branche entwickelt». Die Marke ist bekannter geworden, das Nettoneugeldwachsum ansprechend. Nach dem Abschluss der Kosteneinsparungsprogramme und der Beilegung alter Rechtsstreitigkeiten dürften sich Effizienz und Eigenkapitalrendite verbessern.
- St. Galler Kantonalbank: Hier betont die ZKB die Widerstandsfähigkeit und Stabilität der Bank, gestützt durch wachsende Vermögensverwaltungsaktivitäten. Das Ertragsprofil ist solide, das Dividendenprofil attraktiv.
- Banque Cantonale de Genève: Der Ausbau des Vermögensverwaltungsgeschäft bietet Wachstumspotenzial. Das Kreditportfolio ist gut diversifiziert. «Wir sehen eine Bewertungslücke gegenüber den Mitbewerbern, die angesichts der überdurchschnittlichen Eigenkapitalrendite der BCGE schwer zu rechtfertigen scheint.»
Die Hälfte der abgedeckten Finanzinstitute fällt in die Kategorie «Neutral». Dazu zählen drei Kantonalbanken (Waadtland, Luzern und Thurgau), die Grossbank UBS, der Broker CFT, Cembra Money Bank, Leonteq, die Liechtensteinische Landesbank, Valiant und die VP Bank.
Das Verdikt «Untergewichten» trifft drei Institute: die Graubündner und die Glarner Kantonalbank sowie Vontobel.
Die Kantonalbank aus Glarus stehe als «hypothekenfokussierte Bank mit Fintech-Attributen aufgrund der kleinen Skalierung und niedrigen Effizienz vor strukturellen Herausforderungen». Gegen das Bündner Staatsinstitut sprechen gemäss der Studie die hohe Bewertung und das «asymmetrische, nach unten verzerrte Risiko-Ertragsverhältnis», wobei auch die hängige Klage Remo Stoffels im Streitwert von 400 bis 600 Millionen Franken erwähnt wird.
Bei Vontobel wird das Asset Management, das weiterhin unter Mittelabflüssen leidet, als Schwachstelle identifiziert. Die ZKB-Analysten orten auch beim Kostenmanagement Verbesserungspotenzial.















