Globale Geldvermögen auf Rekordstand – KI als Chance und Risiko
Wer im vergangenen Jahr stark in den Aktienmärkten und vor allem auch in Tech-Und KI-Aktien investiert war, der hat überproportional von einer Wertsteigerung profitiert.
Die globalen Geldvermögen erreichten mit 268,4 Billionen Euro einen neuen Höchststand, schreibt der Versicherungskonzern Allianz in seinem am Dienstag veröffentlichtem «Global Wealth Report».
Getrieben wurde das Wachstum vor allem von den Finanzmärkten, während die Künstliche Intelligenz nach Einschätzung des Berichts künftig zusätzliche Chancen, aber auch neue Risiken für die Vermögensbildung mit sich bringt.
Die Schweiz bleibt demnach das Land mit dem höchsten Geldvermögen pro Kopf weltweit. Schweizerinnen und Schweizer verfügten Ende 2025 über ein Brutto-Geldvermögen von durchschnittlich 406'060 Euro pro Person.
(Grafik: Allianz)
Beim Netto-Wert, also nach Abzug der Schulden, stieg das Geldvermögen der Schweizer Haushalte 2025 um 4,0 Prozent auf 3,6 Billionen Euro. Damit blieb das Wachstum leicht hinter dem westeuropäischen Durchschnitt von 4,5 Prozent und deutlich hinter dem globalen Wachstum von 8,6 Prozent zurück. Mit 275'980 Euro realem Vermögen, liegt die Schweiz aktuell hinter den USA auf Platz 2.
Wertpapiere verzeichneten mit 9,7 Prozent den stärksten Zuwachs, während Bankeinlagen um 1,9 Prozent und Versicherungen/Pensionen um 1,1 Prozent wuchsen. Der Wertpapieranteil am Portfolio stieg dadurch von 30,9 Prozent auf 32,6 Prozent, lag aber weiterhin unter dem westeuropäischen Durchschnitt von 36,8 Prozent und dem globalen Wert von 46,9 Prozent. Versicherungen/Pensionen blieben mit 37,9 Prozent die grösste Anlageklasse.
Wertpapiere mit stärkstem Zuwachs
Die Portfoliostruktur entscheidet zunehmend darüber, wer von der Vermögensbildung profitiert, schreiben die Experten weiter. Wertpapiere legten 2025 im Schnitt um 12,4 Prozent zu - mehr als doppelt so stark wie Bankeinlagen (5,7 Prozent) oder Versicherungen und Altersvorsorge (5,0 Prozent). Ihr Anteil am globalen Geldvermögen stieg damit auf den Rekordwert von 46,9 Prozent.
Nordamerikanische Haushalte profitierten besonders stark von den steigenden Märkten, da 60,7 Prozent ihres Portfolios in Wertpapieren investiert waren. Auf die Region entfielen 51,4 Prozent des weltweiten Vermögenszuwachses.
In den vergangenen zehn Jahren waren Wertsteigerungen für 71 Prozent des Wachstums des nordamerikanischen Geldvermögens verantwortlich, in Westeuropa dagegen nur für 36 Prozent. «Für die Vermögensentwicklung zählt nicht nur, wie viel gespart wird, sondern zunehmend auch, wie Ersparnisse angelegt sind», heisst es weiter.
Die Experten des Versicherers gehen davon aus, dass das weltweite Geldvermögen 2026 um 9 Prozent wächst. Mittelfristig werde das Umfeld jedoch anspruchsvoller. Als Faktoren, die die die Renditeaussichten belasten, werden das schwächere Wirtschaftswachstum, anhaltender Inflationsdruck, zunehmende geopolitische Fragmentierung und hohe Staatsschulden genannt.
KI komme eine wachsende Bedeutung zu. Das könnte einerseits zu mehr Produktivität und steigenden Unternehmensgewinnen führen. Zugleich erhöhe die wachsende Abhängigkeit des Haushaltsvermögens von KI-getriebenen Kapitalmärkten die Verwundbarkeit.
Vermögenslücke schliesst sich deutlich langsamer
In den vergangenen Jahren hätten die Schwellenländer bei der Vermögensentwicklung gegenüber den reicheren Volkswirtschaften aufgeholt. Dieser Prozess ist zwar noch nicht beendet, hat sich jedoch drastisch verlangsamt. Das Verhältnis der durchschnittlichen Nettofinanzvermögenswerte pro Kopf in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften zu denen in den Schwellenländern sank von 62 im Jahr 2005 auf 21 im Jahr 2015. Das bedeutet, dass im Durchschnitt das Nettofinanzvermögen der reicheren Länder im Jahr 2015 «nur» 21-mal höher war als das der ärmeren Länder. «Die globale Vermögenslücke schliesst sich zwar weiterhin, doch der Prozess hat sich fast zum Stillstand verlangsamt.»
Das globale Vermögen hat sich geografisch stärker diversifiziert, ist aber kaum breiter verteilt worden, heisst es in dem Bericht weiter. Die Kluft zwischen dem reichsten Dezil und allen anderen ist enorm. Das zweitreichste Dezil besass lediglich 8,7 Prozent des weltweiten Nettofinanzvermögens, was einem Durchschnitt von rund 34’060 Euro pro Person entspricht. Das reichste Zehntel verfügte somit über neunmal so viel Vermögen pro Person wie die Gruppe, die direkt darunter lag.
3 Milliarden Menschen besitzen praktisch nichts
Die untere Hälfte der im Bericht erfassten Bevölkerung, bestehend aus fast 3 Milliarden Menschen, besass praktisch nichts. Ihr gemeinsamer Anteil an den globalen Nettofinanzvermögen lag bei etwa null. Das unterste Dezil wies negative Nettofinanzvermögen von rund 2’680 Euro pro Person auf, da die Verbindlichkeiten die Finanzvermögen überstiegen. Selbst in den beiden Dezilen um die Mitte der globalen Verteilung beliefen sich die durchschnittlichen Nettofinanzvermögen auf nur etwa 3’170 Euro beziehungsweise 1’810 Euro pro Person.

















