Schweizer sind im Durchschnitt (fast) Dollar-Millionäre

Am Dienstag hat die UBS die 17. Ausgabe ihres Global Wealth Report veröffentlicht. Das gesamte weltweite Privatvermögen legte im vergangenen Jahr in US-Dollar gerechnet um 10,8 Prozent zu – der stärkste Wert seit 2017 und das dritte Wachstumsjahr in Folge.

Beim durchschnittlichen Vermögen pro erwachsener Person führt die Schweiz die Rangliste an, mit 910'382 US-Dollar (was zu aktuellem Wechselkurs rund 736'000 Franken entspricht), vor den Vereinigten Staaten und Luxemburg. 

Der Median erzählt eine andere Geschichte

Gemessen am Medianvermögen pro erwachsener Person – jenem Wert also, der die Bevölkerung in eine reichere und eine ärmere Hälfte teilt – erreicht die Schweiz mit 145'555 US-Dollar lediglich den achten Platz (hinter Luxemburg mit 394'005, Belgien, Australien, Neuseeland, Dänemark, Hongkong und Kanada).

Der Kontrast zwischen Durchschnitt und Median zeigt, wie eine vergleichsweise kleine Gruppe sehr vermögender Einwohner den Landesdurchschnitt nach oben zieht. Die durchschnittliche erwachsene Person in der Schweiz ist damit mehr als sechsmal so vermögend wie die «mittlere» Person.

Markt Durchschnittsvermögen
(US-Dollar)
Medianvermögen
(US-Dollar)
Schweiz 910'382 145'555
Vereinigte Staaten 696'277 68'998
Luxemburg 654'732 394'005
Hongkong SAR 648'267 187'968
Australien 616'306 210'783
Singapur 527'217 96'434
Dänemark 523'344 203'771
Neuseeland 449'852 206'617
Norwegen 425'391 140'003
Niederlande 415'287 127'407
Belgien 407'920 277'166
Schweden 406'406 84'039
Kanada 399'886 147'811
Deutschland 346'613 53'485
Frankreich 341'359 121'898

Vermögen pro erwachsener Person in US-Dollar in den fünfzehn vermögendsten Märkten. Die Schweiz liegt beim Durchschnitt an erster, beim Median an achter Stelle. (Quelle: UBS Global Wealth Report 2026)

Eine Frage der Ungleichheit

Die UBS macht diese Divergenz zu einem Thema des Berichts. In den 56 untersuchten Märkten stieg das Durchschnittsvermögen 2025 kräftig, während der Median in den meisten zurückblieb. Die Zuwächse waren also alles andere als gleichmässig verteilt.

Beim Gini-Koeffizienten, dem von UBS verwendeten Mass für die Vermögensgleichheit, kommt die Schweiz auf 0,68 und rangiert im Mittelfeld auf Platz 20 von 56 Märkten – geringfügig ungleicher als Deutschland (0,67), aber deutlich unter den Vereinigten Staaten mit 0,77.

Rang Markt Gini-Koeffizient 2025
1 Vereinigte Arabische Emirate 0,82
2 Russland 0,82
3 Südafrika 0,81
4 Brasilien 0,81
5 Saudi-Arabien 0,78
6 Vereinigte Staaten 0,77
7 Schweden 0,74
8 Indien 0,74
10 Türkei 0,73
12 Mexiko 0,72
15 Chile 0,71
19 Singapur 0,69
20 Schweiz 0,68
22 Deutschland 0,67
25 Israel 0,66
29 Hongkong SAR 0,64
33 Portugal 0,61
36 Festlandchina 0,60
39 Griechenland 0,60
40 Vereinigtes Königreich 0,59
41 Taiwan 0,59
43 Frankreich 0,57
44 Südkorea 0,57
45 Polen 0,57
46 Spanien 0,57
47 Ungarn 0,56
49 Italien 0,54
51 Japan 0,53
52 Australien 0,53
54 Katar 0,47
55 Belgien 0,46
56 Slowakei 0,38

Ein tieferer Wert bedeutet eine gleichmässigere Vermögensverteilung (0 = vollständige Gleichheit, 1 = maximale Ungleichheit). (Quelle: UBS Global Wealth Report 2026)

Schulden drücken den Median

Die Spanne zwischen Durchschnitt und Median fällt in den Vereinigten Staaten weit grösser aus, bei rund 10:1, während es in Luxemburg lediglich ein Faktor von 1.7 zu 1 ist.

In der Schweiz und in den USA belastet die hohe Verschuldung der Haushalte – in der Schweiz 20,5 Prozent des Bruttovermögens und damit eine der höchsten im Sample – den Nettomedian.

Dollar-Schwäche als Treiber

Ein Grossteil des markanten Vermögenszuwachses war ein Währungs- und kein Vermögenseffekt. In Europa, dem Nahen Osten und Afrika sprang das Vermögen um 17,5 Prozent nach oben, begünstigt durch einen Anstieg des Euro gegenüber dem Dollar um rund 9 Prozent. In Amerika betrug das Wachstum 8,5 Prozent, im asiatisch-pazifischen Raum 5,9 Prozent.

Insofern warnt UBS-Chefökonom Paul Donovan davor, zu viel in die absoluten Zahlen hineinzulesen. «Menschen denken über ihr Vermögen eher im Verhältnis zum Vermögen anderer nach als in absoluten Zahlen», hält er im Bericht fest und verweist auf eine wahrgenommene Ungleichheit, die selbst dann wachsen kann, wenn die Ungleichheit tatsächlich zurückgeht.

Fast eine Million neue Millionäre

Die Zahl der Millionäre wuchs erneut, um rund 1,5 Prozent. Das entspricht fast einer Million neuer Dollar-Millionäre in einem einzigen Jahr oder mehr als 2'600 pro Tag.

Im Jahr 2025 verzeichnete erstmals kein einziger Markt einen Rückgang an Dollar-Millionären.

Fast die Hälfte der neuen Millionäre entfiel auf die Vereinigten Staaten, wo 440'000 hinzugekommen sind. Die Schweiz beherbergt rund 944'000 Dollar-Millionäre und bleibt bei der Dichte nahe an der Spitze. Nur in Luxemburg ist der Millionärs-Anteil in der erwachsenen Bevölkerung noch höher.

Zwei Länder besitzen die halbe Welt

Die Konzentration bleibt das prägende Merkmal des globalen Vermögens. Auf die Vereinigten Staaten und Festlandchina entfällt zusammen weiterhin mehr als die Hälfte des weltweiten Privatvermögens. Allein die Vereinigten Staaten beherbergen über 40 Prozent aller Dollar-Millionäre.

In diesem Jahr richtete die UBS ihren Blick zudem auf die Segmente oberhalb von 5 Millionen US-Dollar. Diese «Beyond-5-Million»-Gruppen umfassen weltweit inzwischen rund sieben Millionen Erwachsene, mehr als vier Millionen davon in den Vereinigten Staaten. Ihre Zahl hat seit dem Jahr 2000 mit einer Rate von über 7 Prozent pro Jahr zugenommen. In der Schweiz gehören rund 114'000 Personen zu dieser Gruppe.

Steigendes Bedürfnis nach Beratung

Das untersuchte Objekt, nämlich der globale Reichtum, ist für die UBS hoch relevant. Mit verwalteten Vermögen von 4,8 Billionen US-Dollar per Ende 2025 und investierten Vermögen von 6,9 Billionen US-Dollar per erstem Quartal 2026 beansprucht ihr Wealth Management einen internationalen Spitzenplatz.

Die beiden Co-Präsidenten von UBS Global Wealth Management, Iqbal Khan und Robert Karofsky, deuten die Ergebnisse der Untersuchung auch als Beweis für steigendes Beratungsbedürfnis in einer volatileren Welt ein.

Jenseits der Bilanz

Neben nackten Zahlen enthält der Bericht auch weitere interessante Aperçus. So legen vermögende Sammler rund 20 Prozent ihres Vermögens in Kunst an – ein Anteil, der mit dem Vermögen steigt.

Und der Wirtschaftsnobelpreisträger 2025, Joel Mokyr, argumentiert in einem Interview, dass letztlich das Humankapital den Wohlstand sichere, nicht das Finanzkapital.