Visa warnt vor neuen Cyberrisiken durch KI

Visa-Technologiechef Rajat Taneja sagte gegenüber der Nachrichtenagentur «Reuters», Schwachstellen, die Anfang des Jahres durch das KI-Modell Mythos des US-Startups Anthropic sichtbar geworden seien, hätten der Branche die Dimension der Herausforderungen klar gemacht. Die Erkenntnisse seien «demütigend» gewesen.

Taneja verwies zudem auf einen Angriff von KI-Agenten auf die Softwareplattform Hugging Face. Der Vorfall könne ein erster Vorgeschmack auf künftig deutlich weitreichendere Angriffe sein.

«Es ist schwer vorherzusagen, wie schlimm es werden könnte, aber wir haben den Trailer gesehen», sagte Taneja. KI-Modelle hätten dabei unter anderem die Grenzen einer Testumgebung überwunden.

Künftig könnten Cyberangriffe laut Taneja zunehmend autonom, anpassungsfähig und lernfähig sein. Angreifer könnten dadurch einen erheblichen Vorteil erhalten.

«Wenn der Angreifer agentenbasiert ist, muss auch die Verteidigung agentenbasiert sein. Andernfalls besteht ein Ungleichgewicht», so der IT-Manager weiter.

KI-Agenten werden selbst zu Kunden

Die Entwicklung ist für Visa auch deshalb relevant, weil das Unternehmen bereits bestimmten KI-Agenten ermöglicht, Zahlungen über sein Netzwerk abzuwickeln. Taneja machte keine Angaben dazu, wie viele Transaktionen bereits auf diese Weise erfolgen.

Branchenprognosen zufolge könnten KI-Agenten bis 2030 für rund ein Drittel des Onlinehandels verantwortlich sein. Das entspräche einem Transaktionsvolumen von rund 3,1 Billionen Dollar. Damit steigt zugleich die Bedeutung von Sicherheitsmechanismen, die nicht nur menschliche Nutzer, sondern auch autonom handelnde Software schützen und kontrollieren können.

Quantencomputer als langfristiges Risiko

Neben KI sieht Visa langfristig auch im Quantencomputing eine Bedrohung für die Sicherheit des globalen Zahlungsverkehrs. Taneja verwies auf Shors Algorithmus, mit dem leistungsfähige Quantencomputer eines Tages heute gängige Verschlüsselungsverfahren brechen könnten.

Unternehmen müssten deshalb weiter daran arbeiten, die Risiken für die Verschlüsselung zu begrenzen, sagte er. «Wir müssen optimistisch sein. Aber es gibt keine einfache Antwort.»

Visa veröffentlicht damit einen Teil seiner Abwehrtechnologie als Open Source, während Unternehmen und Regulierungsbehörden weltweit nach Wegen suchen, die wachsenden Risiken durch autonome KI-Systeme und künftige Quantencomputer für die Finanzinfrastruktur einzudämmen.

Das Unternehmen wickelt nach eigenen Angaben rund eine Milliarde Zahlungen pro Tag mit einem jährlichen Volumen von etwa 15 Billionen Dollar ab. Damit gehört das Unternehmen zu den zentralen Akteuren der globalen Zahlungsinfrastruktur und ist zugleich in besonderem Masse auf das Vertrauen in die Sicherheit seiner Systeme angewiesen.