Michael Rüsch: «Uhren faszinieren mich ähnlich wie Wein»
In der Rubrik Backstage geben interessante Persönlichkeiten aus der Finanzwirtschaft und darüber hinaus jeden Mittwoch Einblicke in ihre ganz persönlichen Vorlieben.
Was tun Sie morgens als Erstes?
Wenn ich zu Hause bin, bereite ich als Erstes das Frühstück für meine Familie vor. Wenn ich geschäftlich unterwegs bin, starte ich den Tag am liebsten mit einer Runde Joggen – das macht den Kopf frei und gibt mir Energie für den Tag.
Was ist das Beste an Ihrem Beruf?
Der Impact, den wir als Versicherer auf die Resilienz der Gesamtwirtschaft haben: Es fasziniert mich immer wieder aufs Neue, wie nah wir bei den grossen Herausforderungen der Unternehmen sind. Versicherung bedeutet für mich nicht nur, Risiken zu übernehmen, sondern unternehmerisches Handeln und wirtschaftliche Entwicklung überhaupt erst zu ermöglichen.
Ein Moment, der Ihr Leben veränderte?
Es gab nicht den einen Moment, aber Vater zu werden hat mein Leben und meine Prioritäten grundlegend verändert. Auch meine intensive Zeit in Singapur hat mich unter anderem geprägt, denn in Asien hat sich mein Blick auf die Welt, andere Kulturen und unterschiedliche Perspektiven erweitert.
Welche Autos besitzen Sie? Welches ist Ihr Liebstes?
Autos sind für mich in erster Linie Mittel zum Zweck, daher habe ich kein Lieblingsmodell. Gleichzeitig habe ich persönlich eine besondere Beziehung zur Automobilwelt, denn die Familie meiner Frau führt seit 60 Jahren ein sehr erfolgreiches Unternehmen in der Branche. So erlebe ich aus nächster Nähe, wie stark sich diese Industrie verändert.
Welchen Rat würden Sie Ihrem 20-jährigen Selbst geben?
Geh los und erkunde die Welt. Vertraue dir selbst und deiner Intuition, sei mutig, aber nicht unbedacht. Plane etwas weniger und probiere mehr aus – Fehler gehören dazu. Investiere in Menschen und Beziehungen, arbeite hart und vertraue darauf, dass am Ende das Gute überwiegt. Und vielleicht noch etwas: Lerne früher, auch einmal Nein zu sagen.
Worauf sind Sie besonders stolz?
Auf meine Familie. Auf meine Frau, für die ich unglaublich dankbar bin – weil sie mich trägt, wenn es nötig ist, mich aber genauso fordert und mir den Spiegel vorhält. Und natürlich auf meine drei Kinder. Zu sehen, wie sie ihren eigenen Weg gehen und sich entwickeln, erfüllt mich immer wieder mit grossem Stolz. Beruflich bin ich besonders stolz auf die Menschen und Teams, die ich mitentwickeln durfte. Zu sehen, wie sie Verantwortung übernehmen und erfolgreich ihren eigenen Weg gehen, bedeutet mir mehr als einzelne geschäftliche Erfolge.
Was tun Sie, wenn Sie Zweifel haben?
Ich nehme mir bewusst Zeit zum Reflektieren und versuche zu verstehen, woher die Zweifel kommen. Zudem suche ich aktiv den Austausch mit Menschen, denen ich vertraue und die mir eine andere Perspektive geben. Gleichzeitig höre ich auf meine Intuition – sie ist oft ein guter Kompass.
Was ist Ihr Lieblingswein?
Ich schätze verschiedenste Weine – zum Beispiel einen schönen Pinot Noir. Wenn ich mich aber auf einen absoluten Lieblingswein festlegen müsste, wäre es ein Pintia aus Toro in Spanien. Wein ist für mich eine Kunst – wie aus Natur, Handwerk, Zeit und Geduld etwas ganz Eigenes reift, fasziniert mich besonders.
An welchen Projekten arbeiten Sie momentan?
Im Kern geht es bei vielen meiner aktuellen Projekte um Transformation und Wachstum in einem anspruchsvollen Marktumfeld in Zeiten der künstlichen Intelligenz. Die Spannbreite ist gross: von globalen Initiativen rund um die Frage, wie wir Kunden und Broker mithilfe neuer Technologien noch besser unterstützen können bis hin zu konkreten Kundenprojekten.
Was bewundern Sie an anderen Menschen?
Ich bewundere Menschen, die Geduld und Ruhe ausstrahlen – gerade dann, wenn es um sie herum hektisch wird. Und Menschen mit natürlicher Präsenz: die einen Raum nicht durch Lautstärke für sich gewinnen, sondern durch Klarheit, Haltung und die Art, wie sie anderen Menschen mit Respekt begegnen.
Was wäre die grösste Überraschung für jemanden, der Ihren Job einen Tag lang übernehmen müsste?
Wahrscheinlich die enorme Bandbreite und wie schnell man zwischen völlig unterschiedlichen Themen wechseln muss. Meine Verantwortung reicht von der Schweiz über Benelux, die Nordics und Italien bis hin zu globalen Themen bei unseren International Programs. Zusätzlich begleite und coache ich viele Menschen – übrigens auch ausserhalb unseres Unternehmens. Genau diese Vielfalt zwischen Geschäft, Strategie und Menschen macht meinen Job unglaublich spannend.
Welches ist Ihr persönlicher Antrieb?
Meine Neugier und mein Optimismus. Ich möchte verstehen, entdecken und immer wieder Neues lernen – von Menschen, anderen Perspektiven und neuen Herausforderungen. Ich glaube fast immer daran, dass sich etwas zum Besseren verändern lässt. Diese Kombination aus Neugier und Zuversicht treibt mich an.
Wovor fürchten Sie sich?
Vor einschneidenden Ereignissen, die man nicht beeinflussen kann und die das eigene Leben oder das von Menschen, die einem nahestehen, von einem Moment auf den anderen verändern. Gleichzeitig glaube ich, dass Mut und Zuversicht das beste Gegenstück zur Angst sind.
Ihre Lieblingsuhrenmarke?
Uhren faszinieren mich ähnlich wie Wein – für mich steckt auch darin viel Kunst. Meine Begeisterung gilt dabei nicht einer einzelnen Marke. Mich fasziniert die Verbindung aus Feinmechanik, Handwerk, Eleganz und Beständigkeit. Die Schweizer Uhrenindustrie bietet dafür aussergewöhnliche Beispiele – von der Swatch Group über die Marken von Richemont und Rolex bis hin zu Patek Philippe. Gerade diese Vielfalt und die Kunst, aus unzähligen kleinen Teilen etwas Präzises und Zeitloses zu schaffen, begeistern mich.
Gibt es einen unerfüllten Traum, den Sie noch verwirklichen möchten?
Ich habe nach wie vor eine grosse Leidenschaft für meinen Beruf und die Versicherungswelt. Aber wenn dieses Kapitel irgendwann einmal zu Ende geht, möchte ich mich stärker dem Coaching widmen – Menschen begleiten, entwickeln, ermutigen und ihnen etwas von meiner Erfahrung weitergeben. Vielleicht schreibe ich irgendwann sogar ein Buch darüber.
Ihr bestes Investment?
Unser Haus. Es ist zum Lebensmittelpunkt unserer Familie geworden – unser Zuhause und unser Rückzugsort. Ein Ort, an dem wir als Familie zusammenkommen, an dem ich Kraft tanke, tiefe innere Zufriedenheit finde und der mir Ruhe ermöglicht. Egal, wo ich unterwegs bin und was mich gerade beschäftigt – nach Hause zu kommen, bedeutet für mich anzukommen.
Michael Rüsch ist seit über 25 Jahren in der Versicherungsbranche tätig – seit 2020 bei Swiss Re Corporate Solutions, dem Industrieversicherungsarm der Swiss Re Gruppe, welcher weltweit mit mittleren und grossen Unternehmen zusammenarbeitet. Seit 2025 leitet er von Zürich aus die Märkte in der Schweiz, Benelux, Nordics und Italien.















