Wie bleiben Schweizer Exportunternehmen konkurrenzfähig?
Auf Brigitte Brüngger und ihr Team ist Verlass, wenn es um die Absicherung von Exportgeschäften geht. Im Interview wirft die Verantwortliche für die Abteilung Grosskunden, KMU & Akquisition der Schweizerischen Exportrisikoversicherung SERV einen Blick auf die Chancen und Risiken beim Eintritt in neue Märkte.
Frau Brüngger, aus Ihrer Erfahrung heraus: Was braucht es für ein erfolgreiches Exportgeschäft?
Gerade beim Erschliessen von neuen Märkten braucht es einen gesunden Risikoappetit, gute Verkaufsargumente, aber auch verlässliche Partner, die in schwierigen Märkten Risiken übernehmen.
Von welchen Risiken sprechen wir?
Von politischen, aber auch von wirtschaftlichen Risiken. Erfolgreich exportieren bedeutet heute zunehmend, sich in einem komplexen Spannungsfeld zu bewegen. Die internationalen Herausforderungen sind mehrdimensional: Geopolitische Konflikte, Klimawandel, eine schwache Wirtschaftslage, der starke Schweizer Franken. Hier ist Agilität gefragt, um international konkurrenzfähig bleiben zu können. Man muss die erhöhten Risiken kennen und wissen, wie man ihnen am besten begegnet.
Unterscheiden sich die Risiken je nach Phase eines Exportgeschäfts?
Ja, durchaus. Bereits während der Produktionsphase trägt das Exportunternehmen erhebliche Risiken, insbesondere wenn es hohe Vorleistungen erbringen muss und die Herstellung längere Zeit in Anspruch nimmt. Nach der Lieferung stehen andere Themen im Vordergrund: Ist der ausländische Käufer in der Lage, seine Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen? Und können die Zahlungen aufgrund der Devisenbestimmungen im Käuferland tatsächlich transferiert werden?
Wie lässt sich trotz dieser Risiken ein gesunder Risikoappetit bewahren?
Mit einer starken Partnerin wie der SERV schon. Wer international mithalten möchte, muss sich den neuen Marktanforderungen stellen. Und wir halten den Schweizer Exportunternehmen den Rücken frei, wenn es sonst keiner mehr tut. Denn die SERV versichert auch Risiken in Ländern, die von privaten Versicherungen nicht übernommen werden.
Wie können Exportunternehmen konkurrenzfähig bleiben?
Exportunternehmen werden immer häufiger mit dem Wunsch nach flexibleren oder längeren Zahlungszielen seitens der Käufer konfrontiert. Ist man in der Lage, darauf zu reagieren und beim Verkauf eine Finanzierung mit anzubieten, grenzt man sich klar von der Konkurrenz ab.
Längere Zahlungsziele bedeuten für Exportunternehmen allerdings höhere Vorleistungskosten und Finanzierungslücken sowie eine längere Zahlungsunsicherheit. Diese Risiken kann man mit einer SERV-Versicherung gezielt abfedern. Gleichzeitig erhält das Exportunternehmen dank unserer Deckung Zugang zu Krediten und Refinanzierungen und kann somit seine Liquidität sichern.
Und wann genau kommt bei einem Export die SERV ins Spiel?
Am besten möglichst früh. Wir analysieren bereits in den ersten Verhandlungsphasen die Gegenparteien für die Exportunternehmen. Nach genauerer Prüfung des Geschäfts können wir auch verbindliche Versicherungszusagen geben, sodass die Exporteurin oder der Exporteur gut gerüstet in die Vertragsverhandlungen gehen kann.
Wie schafft das die SERV?
Die SERV ist eine öffentlich-rechtliche Anstalt des Bundes und unsere Versicherungsnehmenden profitieren vom AAA-Rating der Eidgenossenschaft. Wir versichern eigenwirtschaftlich und subsidiär Exportgeschäfte von Schweizer Unternehmen, insbesondere gegen Zahlungsausfälle, aber auch zur Stabilisierung der Liquidität innerhalb des Exportgeschäftes.
In unseren Zielen ist klar verankert: Wir fördern die Schweizer Exportwirtschaft im internationalen Wettbewerb und schaffen und erhalten Arbeitsplätze in der Schweiz. Und dafür setzt sich jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter persönlich ein.
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