«Die aktuelle Unsicherheit wird sich negativ auswirken»

Was wird künftig über den Erfolg in der Vermögensverwaltung entscheiden? Erich Felder von der InCube Group liefert im Interview mit finews.ch Denk- und Lösungsansätze.

Herr Felder, welchen Einfluss hat das Nein des Nationalrats zur «Lex USA» auf das Geschäft der Vermögensverwalter?

Die Folgen für den Finanzplatz Schweiz sind derzeit nicht abschätzbar. Es ist aber zu befürchten, dass sich die aktuelle Unsicherheit eher negativ auf den Finanzplatz auswirken wird, vor allem dann, wenn sie weiter anhalten sollte.

Umgekehrt wäre eine Übernahme der «Lex USA» möglicherweise mit einem hohen politischen Preis für die Zukunft verbunden gewesen. Wir werden erst in Zukunft beurteilen können, ob das Nein wirklich im langfristigen Interesse der Schweiz und des Schweizer Vermögensverwaltungsgeschäftes sein wird.


«Das Nein hat im Ausland wenig Aufmerksamkeit erregt»


Auf InCube Capital hat das Nichteintreten des Nationalrates auf die «Lex USA» keinen unmittelbaren Einfluss, weil wir nie direkte Beziehungen zu US-Kunden unterhalten haben. Unsere Anlagekunden sind in Anlagefonds investiert, für die wir als Manager oder Advisor tätig sind.

Wie beurteilen Sie die Reputation des Schweizer Finanzplatzes im Ausland nach den jüngsten Ereignissen?

Das Nein des Nationalrates hat im Ausland bislang wenig Aufmerksamkeit erregt, obwohl einzelne ausländische Medien davon berichtet haben. Gerade in grösseren Staaten legt man meist den Fokus auf inländische Geschehnisse. Dies trifft besonders auch für die USA zu.


«Klagen machen das Thema erst prominent»


Erst wenn es zu Klagen gegen Schweizer Banken käme – wenn es überhaupt so weit kommt –, dürfte das Thema im Ausland prominenter werden, wie damals schon bei der Anklage der Bank Wegelin.

Welche Veränderungen erlebt die Branche der unabhängigen Vermögensverwalter momentan?

Sie erlebt eine grosse Welle neuer Regulierungen, die es umzusetzen gilt: Fondsmanager unter den unabhängigen Vermögensverwaltern sind insbesondere vom teilrevidierten Kollektivanlagegesetz KAG betroffen, das am 1. März dieses Jahres in der Schweiz in Kraft getreten ist.


«Das führt zu einer weiteren Margenerosion»


Das Gesetz soll die Vorschriften für die Verwaltung, Verwahrung und den Vertrieb von kollektiven Kapitalanlagen an die neuen internationalen Standards anpassen. Insbesondere an die Alternative Investment Fund Manager Directive (AIFMD) der EU.

Das neue KAG weitet beispielsweise die FINMA-Bewilligungspflicht für Vermögensverwalter kollektiver Kapitalanlagen grundsätzlich auf sämtliche Vermögensverwalter von schweizerischen und ausländischen kollektiven Kapitalanlagen aus. Das heisst auch auf schweizerische Vermögensverwalter von Fonds mit einem Offshore-Domizil. Ausgenommen von der FINMA-Aufsicht sind allerdings kleinere Vermögensverwalter je nach Höhe ihres verwalteten Kollektivanlagevermögens.

Was sind die Konsequenzen?

Die unabhängigen Vermögensverwalter sind genauso wie die Banken mit der Anpassung an Fatca und an die neue Rechtssprechung des Bundesgerichts zu den Retrozessionen beschäftigt. Die damit verbundenen höheren Kosten und die potenziellen Ertragsausfälle führen zu einer weiteren Margenerosion im Vermögensverwaltungsgeschäft.


«Der Druck wird hoch bleiben»


Erwarten Sie, dass der Finanzplatz Schweiz künftig noch stärker reguliert wird?

Der Druck auf den Schweizer Finanzplatz, mit ausländischen Regulierungen Schritt zu halten, wird in den nächsten Jahren hoch bleiben. Will die Schweiz weiterhin Zugang zu ihren wichtigsten Finanzdienstleistungsmärkten im Ausland haben, kommt sie nicht darum herum, «gleichwertige» Regulierungen zu schaffen.

Zum Beispiel ist die derzeit in Gang befindliche Schaffung des Finanzdienstleistungsgesetzes (FIDLEG) im Wesentlichen die Antwort der Schweiz auf die Regelwerke MiFID und MiFIR in der EU.


«Wir werden mehr Kooperationen sehen»


Die Konsequenzen stärkerer Regulierung für das Vermögensverwaltungsgeschäft sind weiter steigende Regulierungskosten. Wir werden daher in den nächsten Jahren aus Kostengründen mehr Kooperationen und Zusammenschlüsse zwischen Vermögensverwaltern sehen.

Mit einer durchdachten Vorwärtsstrategie und einem klaren und einheitlichen Kommunikationskonzept in den nächsten Jahren wird die Schweiz auf dem internationalen Parkett jedoch die besten Karten haben. 

Sieht sich InCube Capital gezwungen, Korrekturen am Geschäftsmodell vorzunehmen?

Wir haben schon vor längerer Zeit ein integriertes Geschäftsmodell geschaffen, bestehend aus den Geschäftsbereichen Investment Management, Investment Solutions und Advisory. Dadurch können wir in vielen Fällen unsere Kunden auf unterschiedliche Art und Weise unterstützen.

Die Korrelation von Vermögensklassen steigt in Stresszeiten stark, womit der Diversifikationseffekt sich just dann abschwächt. Was führt zu dieser Entwicklung?

Der einfache Zugang zu Asset Klassen über Exchange Traded Funds (ETFs), die weite Verbreitung von direktem Marktzugriff und der Hochfrequenz-Handel haben dazu beigetragen, dass die Korrelationen zwischen Asset-Klassen seit Jahren steigen.

Es gibt jedoch weitere Gründe. Durch die Globalisierung der Wirtschaftsräume und die zunehmende technologische Vernetzung konvergieren regionale Märkte zu einem globalen Markt. Regionale «Betas» verschmelzen zu einem globalen «Beta».


«Anleger sollten nicht in Asset-Klassen denken»


Wurde früher in einem Aktienportfolio eine Diversifikation über geographische Märkte erreicht, ist dies heute kaum noch möglich. Einen weiteren Grund für die erhöhten Korrelationen sehe ich darin, dass die Zentralbanken seit Ausbruch der Finanzkrise weltweit in die Finanzmärkte eingreifen, etwa über Quantitative Easing und Währungsabwertungen.

Die Unsicherheit über den Erfolg dieser Massnahmen hat zu einem ausgeprägten Risk-on/Risk-off-Verhalten geführt – mit kurzfristig hohen Korrelationen.

Gibt es ein «Rezept», wie der Investor dieser Entwicklung entgehen kann?

Anleger sollten nicht in Asset-Klassen denken, sondern in Risikofaktoren. Die Kernfrage lautet: Wie will der Anleger sein Kapital über verschiedene Risikofaktoren allozieren? Korrelationen über Risikofaktoren sind deutlich tiefer als über Asset-Klassen.

Dies hat auch damit zu tun, dass eine Asset-Klasse verschiedene Risikofaktoren bündelt und somit die hohen Korrelationen zwischen Asset-Klassen auch auf die Überlappung von gleichen Risikofaktoren zurückgeführt werden können.

Beispielsweise beinhaltet eine Unternehmensanleihe sowohl Zinsrisiken als auch Aktienpreisrisiken: Sinkt der Aktienwert des Unternehmens, steigt auch das Ausfallrisiko der Anleihe. Wir bei InCube Capital sind deshalb dazu übergegangen, für unsere Kunden strategische und taktische Faktor-Allokationen umzusetzen, da die hohen Korrelationen eine diversifizierte Portfolio-Konstruktion mittels Asset-Klassen sehr erschweren.


«Ein Fachkräftemangel zeichnet sich ab»


Auf Grund der weiter steigenden Regulierung und Spezialisierung werden die Finanzinstitute künftig vermehrt einen Fachkräftemangel zu beklagen haben. Die Institute werden immer mehr gefordert werden, ihre Spezialisten selber auszubilden oder das Spezialwissen von externen Dienstleistungsunternehmen zu beziehen.

Welche Prognose stellen Sie den Vermögensverwaltern?

Um sich gegen die wachsende ausländische Konkurrenz zu behaupten, benötigt das Schweizer Vermögensverwaltungsgeschäft interessante Rahmenbedingungen: Verfügbarkeit von erstklassig ausgebildeten Mitarbeitern, Förderung von Forschung und Entwicklung in der Vermögensverwaltung, Regulierung, die neben dem Anlegerschutz vermehrt auch wettbewerbspolitische Aspekte mitberücksichtigt.

Eines ist klar: Erfolg in der Vermögensverwaltung wird in der Zukunft vermehrt über die Produkt- und Dienstleistungsqualität entschieden werden, weniger über Standortfaktoren wie das Bankgeheimnis und die steuerliche Attraktivität.


ERICH FELDER2Erich Felder ist Mitgründer und Managing Partner der in Zürich domizilierten InCube Group. Das Unternehmen ist in den Geschäftsbereichen Investment Management & Solutions (InCube Capital) und Beratung (InCube Advisory) tätig. Die Gruppe beschäftigt aktuell 19 Mitarbeiter.

 

                                                                      

 

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