«Verdammt, ein gigantischer Deal!»

Die Beteiligten nannten sich «Superman» oder «die drei Musketiere». Und die Compliance der UBS ahnte von nichts. Details aus dem UBS-Libor-Bericht der FSA.

«Verglichen mit den UBS-Händlern erscheint die Barclays-Crew als Sissies»: So twitterte es «Reuters»-Breakingviews-Redaktor Peter Thal Larsen nach den neuen Erkenntnissen im Libor-Skandal. Sowohl Dauer wie Unverfrorenheit seien «atemberaubend».

Tatsächlich ist dem Abschlussbericht der britischen Aufsichtsbehörde FSA zu entnehmen, dass die UBS-Händler von 2005 bis Ende Dezember 2010 ihrem Treiben nachgingen – also von der Ära Ospel über die Ära Kurer bis zur Ära Grübel/Villiger. Und insgesamt wird aus dem Report durchaus spürbar, weshalb die UBS (ausgedrückt in Strafzahlungen) rund viermal härter bestraft wurde als die bislang hauptinvolvierte Barclays Bank.

Die Gefahr, dass einfach alles manipuliert wurde

«Angesichts der verbreiteten und routinierten Art, wie interne Anfragen gestartet wurden und der Art, wie die Kontrollen versagt haben, besteht die Gefahr dass jede Libor- und Euribor-Angabe, an der die UBS involviert war, unstatthaft beeinflusst wurde» – so fasst es die FSA die Rolle der Schweizer Bank an einer Stelle zusammen.

Aufgeführt werden einerseits Händler (allerdings nicht namentlich), die falsche Libor-, Euribor- und Yen-Libor-Angaben absprachen und weiterleiteten, um ihre Positionen zu verbessern. Höhere Instanzen wiederum hätten «routinemässig» die falschen Angaben einkalkuliert und weitergeleitet.  

«I'm a man of my word»

Und dabei kam es schlicht auch zu internen Bestechungen. Im September 2008, also einer heiklen Phase an den Märkten, schrieb zum Beispiel ein involvierter Trader an einen zuständigen Broker: «Wenn du den 6-Monats JPY-Libor-Satz heute unverändert lässt ..., dann mache ich, verdammt, einen gigantischen Deal mit dir (I will fucking do one humongous deal with you). So wie ein 50'000-Bucks-Deal, was auch immer. Ich benötige, dass du ihn (den Libor-Satz) so tief wie möglich hältst.» Und weiter: «if you do that .... I'll pay you, you know, 50,000 dollars, 100,000 dollars... whatever you want ... I'm a man of my word».

Mindestens 40 Personen seien in den Fall involviert gewesen. Konkreter:

  • An illegitimen internen Anfragen im Bereich JPY-Libor seien mindestens 17 Personen beteiligt gewesen, davon 4 Manager.
  • Im Bezug zum GBP-Libor waren es mindestens 9 Individuen, davon 3 Manager.
  • Beim Franken-Libor ist die Rede von mindestens 3 Personen, davon 1 Manager.
  • Beim Euro-Libor mindestens 9 Personen, davon 3 Manager.
  • Beim Dollar-Libor mindestens 4 Individuen, davon 1 Manager.
  • Beim Euribor mindestens 8 Individuen, davon 5 Manager.

Die gesamte Manipulation sei weder von der Compliance noch vom Group Internal Audit entdeckt worden – und dies, obschon sie im betrachteten Zeitraum fünf Untersuchungen der relevanten Einheiten durchführten.

Und obwohl die Konzernleitung 2008 und 2009 versucht habe, ihre Systeme und Kontrollen zu verbessern, «blieben diese während des gesamten betrachteten Zeitraums unangemessen», so die Aufsichtsbehörde in London.

Kronzeugen-Rabatt: Nur 20 Prozent

Die Beteiligten der Grenzwertigkeit ihres Tuns sehr bewusst waren: Das deuten jedenfalls zahlreiche Mails an, welche die Fahnder einsehen konnten. «Diverse Individuen» – so formuliert es die FSA – hätten sich gegenseitig «in gratulierenden und herausfordernden Begriffen» angesprochen, zum Beispiel «die drei Musketiere», «Superman», «be a hero today» oder «captain caos» (sic).

Erwähnt sei, dass die UBS im Skandal auch eine Art Whistleblower spielte und zu einem frühen Zeitpunkt voll kooperierte. Die FSA belohnt dies mit einem «Rabatt» von 20 Prozent: Im Grossbritannien muss die UBS nun 160 Millionen statt der sonst fälligen 200 Millionen Pfund bezahlen.

Und so bleibt auch der tröstliche Satz: «Die FSA findet nicht, dass die UBS als Firma sich in absichtlichem Fehlverhalten engagiert hat.»

• Zum Bericht der FSA

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