Wird Fatca zum regulatorischen Albtraum?

Viele Banker behaupten, dass Fatca eine weitere Bürde für die bereits arg strapazierte Branche sei. Man könne das auch anders sehen, findet Daniel Bardini von SunGard.

Der Foreign Account Tax Compliance Act (Fatca) wurde von der US-Regierung ausgearbeitet, um Steuerhinterziehung mittels Offshore-Aktivitäten zu unterbinden. Nicht-amerikanische Finanzinstitute werden mit dieser neuen Regulierung zu mehr Sorgfalt beim Umgang mit US-Kunden verpflichtet.

Allen Unkenrufen zum Trotz könnte die neue Regulierung auch einen Wettbewerbsvorteil mit sich bringen, wie Daniel Bardini (Bild), Chief Operating Officer von SunGard Ambit Wealth & Private Banking, exklusiv für finews.ch nachstehend schreibt.

Privatbanken stärker betroffen

«Eines ist mittlerweile klar geworden: Finanzinstitute müssen die Auswirkungen von Fatca analysieren, um rechtzeitig eine angemessene Antwort auf die kommenden Änderungen zu finden.

Dabei werden die Banken unterschiedlich stark von Fatca betroffen sein. Privatbanken etwa werden auf Grund der neuen Unterscheidung zwischen «Low» und «High» Value Accounts stärker betroffen sein als andere, da sie mehr Kunden der zweiten Kategorie betreuen.

Erheblicher Zusatzaufwand

«High Value Accounts» sind Kunden mit einem Vermögen von über einer Million Dollar, und müssen strenger überwacht werden. Dadurch entsteht ein erheblicher Zusatzaufwand.

Um zu beurteilen, ob Fatca für Privatbanken nur Nachteile mit sich bringt, oder auch ein Vorteil sein kann, muss man die Auswirkungen auf das Geschäft und die Kunden verstehen.

Projektteams erforderlich

An erster Stelle stehen organisatorische Veränderungen an, und zwar vor allem im Bereich des «Know Your Customer»: Banken müssen bestens über ihre Kunden informiert sein, von der Identifizierung über die Klassifikation von Kunden bis hin zum Kontoeröffnungs-Prozess.

Um über die nötige Expertise rund um die Regulierungen zu verfügen, werden Banken spezielle Projektteams ins Leben rufen müssen.

Grundsätzlich gilt: Selbst wenn Banken unterschiedlich stark von Fatca betroffen sein werden, müssen dennoch alle ihr Geschäft prüfen, um ihren Fatca-Status zu beurteilen und die Tragweite der Regulierung für die eigene Organisation abzuschätzen.

Keine andere Wahl, als sich zu fügen

Weil sie sonst riskieren, den Anschluss zu verpassen und vom (amerikanischen) Markt ausgeschlossen zu werden, haben Banken gar keine andere Wahl als sich den neuen Bestimmungen von Fatca zu fügen.

Die grössten Veränderungen werden in den Bereichen Kundenüberwachung und -aufnahme sowie bei der Registrierung bei der US-Steuerbehörde (Internal Revenue Service, IRS) auf die Banken zukommen.

Einschnitt in die Kundenbeziehung

Somit sollten Banken bereits auf den 1. Januar 2014 die richtigen Prozesse für die Aufnahme neuer Kunden sowie deren Überwachung schaffen, für bestehende «High Value Accounts» läuft die Frist ein Jahr später aus.

Um dies zu erreichen, werden amerikanische Investoren in vielen Fällen nicht umhin kommen, bei ihrer Schweizer Bank eine Erklärung zu unterschreiben, damit deren Information an den IRS weitergeleitet werden dürfen. Für Kunden bedeutet dies ein Einschnitt, der auch die Beziehung zur Bank beeinflussen kann.

Die Kosten der neuen Compliance

Neben solchen Veränderungen wird Fatca auch zusätzliche Kosten generieren. Diese werden weitgehend vom endgültigen Abkommen abhängen.

Kann eine Quellensteuer vermieden werden, könnten die Kosten vergleichsweise gering ausfallen, da lediglich Zusatzaufwand für verbesserte «Know-your-customer»-Prozesse anfallen.

Weit gefasste Begriffe

Die grösste Herausforderung im Bereich der Kosten wird dabei das Erlangen der nötigen Kundendaten sein. Im Rahmen von Fatca werden Privatbanken mehr Daten über US-Kunden bewirtschaften, als dies bisher üblich war. Das ist vor allem auch deshalb problematisch, weil die Bezeichnung «US-Bürger» oder «US-Account» sehr weit gefasst ist.

Gerade im Bereich der Privatbanken, die mehr Kunden im «High Value Accounts»-Segment betreuen, werden deshalb mehr und komplexere Abklärungen auf die Banken zukommen. Das führt auch zu höheren Kosten.

Langfristige Vorteile

Alles deutet darauf hin, dass Fatca ein weiterer regulatorischer Alptraum ist. Dabei könnten sich die dringend benötigten Verbesserungen im Bereich des Kundeninformations-Managements als langfristiger Vorteil erweisen.

Denn obwohl die Beschaffung von zusätzlichen Kundeninformationen zunächst ein Zusatzaufwand bedeutet und die Kundenbeziehung beeinträchtigen könnte, verfügen Banken danach über bessere Voraussetzungen, um ihren Kunden hochspezialisierte Dienstleistungen zu bieten.

Kundenbeziehung auf neuer Ebene

Fatca zwingt Banken dazu, ihre technischen Lösungen zu evaluieren und gegebenenfalls zu modernisieren. Kundenservice war nie wichtiger als heute – unter diesem Aspekt bietet Fatca den Privatbanken eine einmalige Gelegenheit, die vielzitierte «Customer Experience» auf eine ganz neue Ebene zu heben.

Fatca wird kommen. Schweizer Banken tun deshalb gut daran, die positiven Seiten der neuen gesetzlichen Anforderungen herauszustreichen. So betrachtet bedeuten die ohnehin notwendigen Veränderungen einen Mehrwert, der den künftigen Geschäftserfolg längerfristig massgeblich mittragen wird.

Partnerschaften mit Technologie-Unternehmen

Banken, die sich im Rahmen der Modernisierung von Prozessen für Fatca einen wettbewerbstechnischen Vorteil sichern wollen, werden dabei auf Partnerschaften mit Technologieunternehmen setzen müssen. Nur so werden sie in den Besitz der entsprechenden IT-Lösungen für Kundeninformationsmanagement und Reporting kommen.»

 

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Morgan-Stanley-CEO macht Kasse mit Bankaktien
  • Trumps Kabinett der Milliardäre
  • London: Der Investmentbanker Europas
  • Der Sanierer soll ein Insider-Händler sein
  • RBS: Versagen auf der ganzen Linie
  • Streitpunkt neue Kapitalregeln
mehr

SELECTION

Selection

Grauenvolle Arbeitstage eines Investmentbankers

Die erschreckende Chronik eines 24-Stunden-Tages.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

weitere News