Ist Personal Finance Management mehr als bloss ein Riesen-Hype?

Der Begriff Personal Finance Management macht in der Schweizer Bankbranche die Runde. Während Software-Anbieter und gewisse Banken vom Potenzial schwärmen, stehen andere Marktteilnehmer dem Angebot skeptisch gegenüber. Will der Kunde das überhaupt?

andreasdietrich 1 kopie kopieEine Gruppe von Studierenden unter der Ägide von Professor Andreas Dietrich (Bild links) ging dieser Frage nach. Dietrich lehrt an der Hochschule Luzern und betreibt den «IFZ Retail-Banking-Blog».

Bei Personal Finance Management (PFM) handelt es sich um ein Software-Instrument, das zur Analyse und Verwaltung der persönlichen Finanzen konzipiert ist. Das Tool wird üblicherweise im Online-Banking von Finanzinstituten integriert.

Aktuell drei Anbieter

Damit haben Bankkunden die Möglichkeit, kostenlos ihre Ein- und Ausgaben zu analysieren und kategorisieren. Das Analysetool ermöglicht im Weiteren die Erstellung eines persönlichen Budgets oder Finanzplans.

Laut Dietrich gibt es in der Schweiz aktuell drei Unternehmen, die ein PFM-Tool anbieten: die PostFinance (E-Cockpit), die UBS (Persönlicher Finanzassistent) und ab nächster Woche die Firma Qontis.

Unterschiedliche Wahrnehmung

Während verschiedene Software-Anbieter und auch gewisse Banken vom PFM-Potenzial schwärmen, stehen andere Marktteilnehmer dem Angebot eher skeptisch gegenüber.

Dietrich hat mit drei Studierenden die derzeitige Nachfrage nach einem solchen PFM-Tool untersucht. Sowohl Vertreter von Banken als auch Kunden wurden in der Umfrage berücksichtigt. Nachfolgende Erläuterungen konzentrieren sich auf die kundenseitige Befragung.

Die Umfrage

An der Umfrage nahmen 145 Personen aus der Deutschschweiz teil. Die Resultate sind nicht repräsentativ für die (Deutsch-)Schweiz, da junge Personen in der Befragung überproportional vertreten waren.

Es wurde jedoch darauf geachtet, dass es sich bei den Befragten um Personen mit unterschiedlichen Arbeits- und Bildungshintergründen handelt. Insgesamt sollte die Umfrage deshalb doch ein «gutes» Bild der Nachfrageseite widerspiegeln.

Die Resultate

Nachfolgend werden die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst:

  • Beachtliche 37 Prozent der Befragten gaben an, den Begriff «Personal Finance Management» zu kennen oder zumindest davon gehört zu haben. 63 Prozent hatten von diesem Tool bisher nichts gehört und konnten sich auch nichts darunter vorstellen. Die Bekanntheit von PFM fällt zwischen den einzelnen Altersgruppen (jünger als 20, 21 bis 30; 31 bis 40; älter als 40 Jahre alt) ziemlich gleichmässig aus.
  • 10 Prozent der Befragten gaben an, ein PFM-Tool aktiv zu nutzen. Dies ist zwar auf den ersten Blick gesehen wenig, aber in Bezug auf den Marktanteil von PFM überproportional viel. Derzeit nutzen in der Schweiz bei UBS und PostFinance rund 180'000 Personen PFM. Entsprechend ist diese Zahl der Nutzer in der Untersuchung als überdurchschnittlich hoch einzuschätzen, was wohl vor allem mit der hohen Anzahl an jungen Personen zusammenhängen dürfte.
  • Die Umfrage hat gezeigt, dass das Interesse am PFM durchaus vorhanden ist: 46 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, das Angebot zu nutzen, falls ihre Hausbank dies anbieten würde.
  • 59 Prozent der Personen gaben an, dass das «Managen» der persönlichen Finanzen sehr wichtig oder wichtig sei und die eigene finanzielle Situation mindestens monatlich überprüft werde.
  • Aus der Kundenumfrage geht zudem hervor, dass das Potenzial von PFM insgesamt positiv eingeschätzt wird. 83 Prozent der Befragten schätzen das Zukunftspotenzial von PFM als mittel bis sehr gross ein. 36 Prozent der befragten Personen betrachten dieses als gross bis sehr gross. Lediglich 17 Prozent der befragten Personen sind der Meinung, dass sich PFM in Zukunft nicht durchsetzen wird.

Weit verbreitete Skepsis bei den Banken

Insgesamt lässt sich festhalten, dass kundenseitig durchaus ein Bedürfnis nach PFM zu bestehen scheint (auch wenn, wie erwähnt, die Daten mit Vorsicht zu geniessen sind).

Diese Einschätzung scheint sich allerdings nicht mit den Ansichten vieler Bankenvertreter zu decken. Ein Grossteil der befragten Banken sieht in PFM ein nur mässiges Potenzial und glaubt nicht, dass es für die künftige Konkurrenz- und Wettbewerbssituation wichtig sein wird.

Besonders im Umfeld der Kantonal- und Regionalbanken gibt es viele Skeptiker. Gleichzeitig gibt es aber auch verschiedene Banken, die hier eine Vorwärtsstrategie fahren und sich eine baldige Integration von PFM in ihr Online-Banking vorstellen können.

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Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

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Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

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Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

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Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

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Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

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