Die Wissenslücken der Schweizer Anleger

Kommt da Aufklärungsarbeit auf Vermögensverwalter und Banken zu? Ein hoher Prozentsatz der Kunden kennen weder ihre Anlagestrategie noch die Gebühren.

Schonungslos legte die Finanzkrise offen, dass viele Investoren keinen blassen Schimmer über die Risiken ihrer Anlagen hatten. Und wie sieht nun die Situation sechs Jahre nach Ausbruch dieser Krise aus? Haben die Investoren dazugelernt? Wissen sie nun besser über ihre Anlagen Bescheid?

Keineswegs: Das muss nach dem Lesen eines «Depotcheck» festgestellt werden, den die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) und der Hypothekar- und Anlagespezialist MoneyPark bei über 500 Bankkunden durchgeführt haben.

Klären Banken zu wenig auf?

Danach kennt jeder Dritte der Befragten seine eigene Anlagestrategie nicht. Mit anderen Worten: Viele Leute tappen über die Risiken ihrer Anlagen völlig im Dunkeln. «Ein erschreckendes Resultat», hält SKS-Geschäftsführerin Sara Stalder fest. Für Stalder ist auch klar, wo die Ursache dafür liegt – bei den Banken: «Die Banken und Vermögensverwalter haben ihre Kunden eindeutig zu wenig aufgeklärt», sagt sie.

Beim Depotcheck wurden die Teilnehmer – die im Schnitt über ein Investmentvermögen von 415'000 Franken verfügen – gefragt, ob sie ihr Geld eher vorsichtig oder risikoreich anlegen würden. Dabei tippten sie auf folgende Strategien:

  • Konservative Strategie: 29 Prozent
  • Ausgewogene Strategie: 18 Prozent
  • Wachstum: 18 Prozent
  • Sichere Strategie: 2 Prozent
  • Risikoreiche Strategie: 2 Prozent
  • Kennt Strategie nicht: 30 Prozent

Die Umfrage legte indes nicht nur eine Wissenslücke bezüglich der Strategie offen, sie offenbarte auch ein eklatantes Unwissen der Anleger bezüglich der effektiven Verwaltungskosten: 64 Prozent der Befragten bezahlen nämlich mehr, als sie glauben. Die Kosten seien rund 45 Prozent höher als ihre Erwartungen, heisst es in der Mitteilung.

Gebühren 45 Prozent höher als erwartet

Pro Jahr zahlen die Durchschnittskunden Gebühren im Umfang von 2,79 Prozent der Anlagesumme. Im Durchschnitt würden die Anleger aber annehmen, dass sie 1,93 Prozent Gebühren bezahlen würden.

Stefan Heitmann, CEO von MoneyPark, erklärt sich die Differenz zwischen Wahrnehmung und Realität mit der mangelnden Kostentransparenz vieler Finanzdienstleister: «Unser Depotcheck hat ergeben, dass pro Portfolio durchschnittlich allein 0,6 Prozent versteckte Kosten anfallen».

Transaktionskosten fallen ins Gewicht

Besonders beliebt sind laut Heitmann Gewinnmitnahmen bei Fremdwährungsgeschäften: Die Bank oder der Vermögensverwalter erwirbt Wertpapiere in einer fremden Währung und profitiert sowohl beim Kauf als auch beim Verkauf von einem vorteilhaften Umrechnungskurs Fremdwährung/Schweizer Franken und nicht kostenoptimierten Buchungen der Transaktionen. Diese Kosten werden gemäss Heitmann dem Kunden nicht transparent ausgewiesen, verschlingen jedoch jährlich im Schnitt rund 0,5 Prozent der Anlagesumme.

Die Ergebnisse lassen gemäss den Autoren den Schluss zu, dass bei einem Grossteil der Schweizer Finanzdienstleister punkto Kosten, Transparenz und Beratung Verbesserungspotenzial vorhanden ist. Die SKS will sich bei der Einführung des Finanzdienstleistungsgesetzes (Fidleg) dafür einsetzen, dass die Kunden besser informiert werden und diese Beratung auch zwingend protokolliert werden muss.

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