Das echte Problem der Banken

Steuerstreit, Regulierungsflut und Konsolidierung: Nein, das sind nicht die wahren Probleme der Banken. Es geht vielmehr um Geldströme und um die mittlerweile extreme Passivität der Kunden.

Mark Haefele (Bild) findet eindeutige Worte für die Situation. Der nach dem Abgang von Alex Friedman neue Investment-Vordenker der UBS sagt: «Nahezu 30 Prozent des bei der UBS in der Schweiz verbuchten Geldes ist in Barmitteln angelegt.» Und was bedeutet das?

Wenn das Geld als Bares auf dem Konto ruht, dann gibt es keine Kommissionen und damit auch keine Erträge für die Banken. Mittlerweile hat sich die Lage dermassen akzentuiert, dass man sich in der Branche ernsthafte Sorgen macht.

Sportliche Ausgangslage

Denn wenn die Kunden weiterhin auf ihrem Geld sitzen bleiben, die Regulierung laufend verschärft wird, die Zinsen bei Null verharren und das Ausland auch noch Druck macht, wird es für die Geldhäuser zugebenermassen ziemlich sportlich, noch etwas zu verdienen.

Die Situation ist verzwickt. Denn die Klientel findet zwar Aktien gut, doch investieren tut sie dann doch sehr, sehr zurückhaltend.

Aktien gut, aber...

Oder wie es Haefele formuliert: «Auf unseren jüngsten CIO-Konferenzen in Hongkong und Singapur befragten wir 1'200 bestehende und potenzielle Kunden. Obwohl zwei Drittel des Publikums unsere Meinung teilten und Aktien für die performancestärkste Vermögensklasse hielten, bildeten bei einem Viertel der Teilnehmer Barmittel den grössten Teil der Finanzportfolios.»

Diese Feststellung stimmt mehr oder weniger mit dem Bild überein, das die UBS auch in der breiteren Kundenbasis hat: 30 Prozent des Geldes ist in Barmitteln angelegt.

Auch die Institutionellen denken so

Natürlich konnte man nun argumentieren, die Privatkunden hätten seit der Finanzkrise kein Vertrauen mehr in die Märkte oder in die Banken. Mag sein. Doch selbst bei professionellen Anlegern, die vielleicht noch etwas besser über die Chancen (und Risiken) an der Börse informiert sein sollten, dominiert die totale Zurückhaltung.

Konkret: Viele Unternehmen sitzen ebenso auf gewaltigen Barbeständen, wie es bei der UBS weiter heisst. Am Ende des Jahres 2013 nachten die Barmittel 11,4 Prozent der Gesamtvermögen von S&P 500-Unternehmen aus. Dies war das höchste Niveau seit dem Vorfeld der Jahrtausendwende.

Auch Buffett hat zu viel Bares

Ein gutes Beispiel für diese Feststellung liefert der Grossinvestor Warren Buffet: Seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway sitzt derzeit auf 55 Milliarden Dollar (!) Bargeld. Mehr als je zuvor, und doppelt so viel, wie Buffett gewöhnlich für angebracht hält.

Doch nicht nur Buffett verharrt an der Seitenlinie. Auch viele Fonds tun dasselbe. Gemäss einer Erhebung des US-Finanzanalyse-Unternehmens Morningstar halten Fondsgesellschaften im Durchschnitt 8 Prozent Cash, das ist offenbar der höchste Wert seit 2005.

Mit der vermutlich noch zunehmenden Volatilität und der Wahrscheinlichkeit, dass es in absehbarer Zeit zu einem signifikanten Kurseinbruch kommen könnte, dürfte die Flucht in Bares noch zunehmen.

Wie reagieren?

Robert «Bob» Doll, langjähriger Finanzstratege beim grössten Asset Manager der Welt, BlackRock, und nun im Sold von Nuveen Asset Management, geht zwar nicht von einem Crash aus, aber räumt doch ein, dass die zunehmende Volatilität an der Börse ein Grund dafür sein dürfte, dass die Zurückhaltung noch weiter zunehmen könnte respektive die Barreserven noch ansteigen dürften.

Wie die Banken auf diese Zurückhaltung der Kunden reagieren können, hat finews.ch in einem früheren Artikel bereits thematisiert. Lesen Sie hier weiter.

 

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NEWS GANZ KURZ

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

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