«Ähh, das Formular habe ich doch gerade unterschrieben?»

Zu Zehntausenden werden Schwarzgeld-Konten in Schweizer Privatbanken zurzeit legalisiert. Ein langwieriger Prozess, der sich zum Albtraum für Kunden und Banker auswachsen kann, wie ein Kundenberater erzählt.

Nur wer direkt involviert ist, kann sich vorstellen, wie mühselig die Transformation eines «schwarzen» Offshore-Kontos in ein «weisses» Onshore-Konto sein kann. «Onboarding» heisst der Prozess in der Branche und er stellt sowohl Banken wie auch Kunden vor ernste und nervenaufreibende Probleme.

Dies erzählt David Gamble, früher Kundenberater bei der Deutschen Bank und Gründer der britischen Website «findawealthmanager.com», in einem Interview mit der Branchenplattform «Wealthbriefing».

Der «Onboarding»-Prozess sei vor allem ein Papierkrieg, der sich je nach Komplexität des Falles und nach Organisationsgrad der Bank sowie des Kundenberaters ewig in die Länge ziehen könne. Entsprechend beschwerten sich die ohnehin schon stark verunsicherten Kunden.

Dokumentenstapel mit abschreckender Wirkung

Die weitaus häufigste Beschwerde, welche die Kundenberater zu hören bekommen, ist laut Gamble: «Warum dauert das so lange?». Gefolgt von: «Warum wollen die so viele Informationen von mir?». Und an dritter Stelle: «Das habe ich doch gerade unterschrieben.»

Das endlose Ausfüllen und Unterschreiben von Dokumenten arte schon mal in einen Albtraum aus, so Gamble. Denn vielfach müssen die Formulare für zwei verschiedene Länder und Jurisdiktionen ausgefüllt werden. Da komme dann ein ganzer Stapel von Bankdokumenten zusammen, der schon allein wegen seines Umfanges abschreckende Wirkung habe.

Zahllose Unterschriften

Fehler beim Ausfüllen seien fatal, da sie den gesamten Prozess der Kontoeröffnung stoppten und wegen des Hin und Hers beim Schriftenverkehr zwischen den Buchungszentren um Wochen verzögerten, was wiederum an den Nerven zehre.

Am schlimmsten sind aber die langen und verwirrenden Sitzungen, die für das Unterschreiben der Dokumente notwendig sind, wie Gamble weiter erzählte. «Der Kunde sagt dann: 'Äh, ich dachte, dieses Formular hätte ich bereits unterschrieben'. Worauf man erklären muss: 'Ja, das stimmt. Aber das waren erst die Dokumente für das Offshore-Buchungszentrum'.»

Dann müssten noch Stapel von rechtlichen Hinweisen und Haftungsauschlüssen unterschrieben werden. «Kein Wunder, dass Kunden danach erschöpft sind und für die Kundenberater der ganze Prozess unangenehm ist», so Gamble.

Er rät den Banken darum, die Kunden besser auf die ganze Prozedur vorzubereiten, um Frust und Ärger zu minimieren. Gamble findet aber auch, dass zu viele Privatbanken ihre Systeme noch viel zu wenig automatisiert und digitalisiert hätten.

Viele Kunden seien technologisch deutlich versierter als ihre Banken. Die Konfrontation mit Papierbergen sei dann oft eine unangenehme Überraschung.

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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