Cocos: Brandbeschleuniger statt Löschmittel?

Die Credit Suisse hat sie, die UBS auch: Coco-Bonds gelten als cleveres Instrument, um Bank-Krisen zu vermeiden. Doch nun warnen Ökonomen, dass das Gegenteil der Fall sein könnte.

Cocos gelten den grossen Schweizer Banken als Wunderwaffen. Die Hybrid-Anleihen, die im Notfall in Aktien gewandelt werden und so das Kernkapital stärken, boten den Instituten einen relativ günstigen Weg, strenger gewordene Kapitalvorschriften zu erfüllen.

Mit dem Segen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) haben die UBS seither 2 Milliarden, die Credit Suisse (CS) gar 16 Milliarden Franken an Cocos begeben. Und die Zürcher Kantonalbank und Raiffeisen Schweiz gaben nachrangige Anleihen aus, die den Cocos der Grossbanken stark gleichen.

Schweizer Banken als Vorreiter

Die Schweizer Institute galten damit als Vorreiter eines neuen, boomenden Marks. Inzwischen sind die weltweiten Coco-Emissionen bereits auf 60 Milliarden Franken angewachsen. Misstöne darüber höchst selten – etwa im Sommer 2012, als SNB-Präsident Thomas Jordan die trotz Cocos dünne Kapitaldecke der CS rügte.

Andere Länder, andere Sitten. In Deutschland hat die Deutsche Bank die Instrumente gerade «entdeckt» und allein in diesem November für 1,4 Milliarden Franken Coco-Bonds ausgegeben. Konkurrenten wie die Commerzbank könnten folgen. Anders als in der Schweiz ruft das aber im Nachbarland Kritiker auf den Plan – zumal aufseiten der Wissenschaft.

Aktionäre gegen Gläubiger

So kommen Ökonomen der Technischen Universität München und der Universität Bonn in einer neuen Studie zum Schluss: Wenn die Cocos falsch konstruiert sind, verschärfen sie die Krise noch. Die Papiere könnten nämlich, warnen die deutschen Experten, den Aktionären der Bank Anreize geben, die Situation ihres Hauses selbst zu verschlechtern. Dies in der vollen Absicht, die Gläubiger leer ausgehen zu lassen.

Zu dieser Einsicht gelangten die Wissenschafter, nachdem sie zahlreiche bereits emittierte Coco-Bonds untersucht hatten. Dabei stellten sie fest, dass bei rund der Hälfte der Papiere ein «Abschreibungs-Mechanismus» festgeschrieben war. Werde die festgelegte kritische Kernkapitalquote unterschritten, würde die Anleihe nicht in Aktien umgewandelt, sondern die Gläubiger verlören ihre Ansprüche.
In den meisten anderen Fällen würden die Bonds zu einem für die Gläubiger ungünstigen Verhältnis umgewandelt, so die Studie weiter.

«Wandeln, um zu stehlen»

Die Anleger würden zwar Aktien erhalten, deren Gesamtwert aber niedriger läge als der Gesamtwert ihrer Anleihen. «Wir nennen diese Coco-Bonds deshalb Convert to Steal», ätzen die deutschen Experte: Wandeln, um zu stehlen.

Die Ökonomen wollen gar wissen, dass die Vehikel nicht nur für die Anleger Gefahren birgt, sondern auch Anreize schafft, die eine Krise noch verschlimmern können. Gerate eine Bank in Schwierigkeiten, so die Studie, habe sie einen Beweggrund, ihre Lage selbst weiter zuzuspitzen – nämlich bis die Umwandlung der CoCo-Bonds ausgelöst wird und sie so einen Teil ihrer Schulden los wird.

«Die Existenz von CoCo-Bonds könnte krisenverschärfend wirken, wenn die Eigentümer davon profitieren, wenn es der Bank noch schlechter geht», so die Experten.

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NEWS GANZ KURZ

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

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