Negativ-Zinsen: So machte es die Commerzbank

Die Nationalbank führt Negativ-Zinsen ein – und folgt damit der EZB. Den Strafzins gab in Deutschland die Commerzbank als eines der ersten Institute an Kunden weiter. Nun erklärt sie gegenüber finews.ch, welche Erfahrungen sie damit machte.

Schon geraume Zeit war über die Massnahme spekuliert worden – nun schuf die Schweizerische Nationalbank (SNB) Tatsachen. Wie die Währungshüterin heute Donnerstag bekannt gab, wird sie Guthaben auf ihren Girokonten mit einem Zins von 0,25 Prozent belasten. Mit diesem «Strafzins» bezweckt die SNB, dass der Dreimonats-Libor-Zins in den negativen Bereich fällt.

Damit wird für die Schweizer Banken das Parkieren von Geldern bei der Nationalbank teuer. Und die Bankenchefs im Land sehen sich mit der Frage konfrontiert: Werden die Kosten aufs Buch genommen – oder an die Kunden weiter gegeben? Eine knifflige Wahl, gilt es doch, Mehrkosten fürs eigene Unternehmen gegen den Unmut von Kunden über höhere Gebühren abzuwiegen.

Die Schweizer Bank-Manager haben jedoch einen Vorteil: Sie können sich ein Beispiel am Ausland nehmen.

Schlagzeilen zuhauf

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat nämlich Negativzinsen für die Eurozone bereits letzten Juni installiert. Ende November sorgte die gewichtige deutsche Commerzbank dann mit ihrer Reaktion auf das neue Umfeld für Aufsehen: Unter ihrem Firmenkundengeschäft-Chef Markus Beumer (Bild) entschied das Institut, gewisse Einlagen von Grosskonzernen mit einem Strafzins zu belegen.

Die Massnahme, welche die Bank etwas schönfärberisch als «Guthabengebühr» bezeichnet, sorgte bei der Einführung für einige Schlagzeilen. «Negativzinsen aus Frankfurt», titelte etwa die «Süddeutsche Zeitung» und zitierte empörte Vertreter der Industrie.

Auf Anfrage von finews.ch erklärt die deutsche Grossbank nun, wie Negativzinsen bei ihren Kunden im Alltag ankamen.

«Verständnis für die Massnahme»

«Für Privat-, Geschäfts- und mittelständische Firmenkunden sind bei der Commerzbank grundsätzlich keine negativen Zinsen geplant», heisst es im Frankfurter Hauptquartier der Bank. Konditionen und Zinsen für institutionelle Anleger und Grosskonzerne würden wie bisher auch individuell vereinbart. Teil der Verhandlungen sei dabei der Liquiditätsbestand, den ein Kunde kostenfrei nutzen kann, so das Institut weiter. Erst bei überschüssiger Liquidität, die darüber hinaus gehe, spreche man mit den Kunden über Guthabengebühren.

Die Commerzbank ist sich sicher: «Unsere Erfahrungen zeigen, dass die Unternehmen Verständnis für diese Massnahme haben.»

Das ist auch die Version, die Commerzbank-Manager Beumer kürzlich in einem Interview mit der deutschen Wirtschaftszeitung «Handelsblatt» darlegte.

Überschaubare Empörung

Die Zahl der Kunden, die mit der neuen Gebühr vergrault worden sei, sei sehr «überschaubar». Zudem sei nur 1 Prozent seiner Klientel überhaupt von der Massnahme betroffen. Und: Dem Wachstum der Bank habe das offenbar nichts anhaben können. «Wir wachsen gegen den Markt und haben in den letzten zwölf Monaten zweistellig an Kreditvolumen aufgebaut», schliesst Beumer.

Diese Rechnung macht nun offenbar auch die Zürcher Kantonalbank (ZKB). Die Staatsbank könne und werde mit der Rückweisung von Zuflüssen oder mit Konditionenanpassungen auf Einzelgeschäften auf den SNB-Negativzins reagieren, berichtet die Agentur «AWP». Privatkunden und KMU seien von möglichen Massnahmen aber ausgenommen, so die Bank.

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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