Heisse Luft statt Russen-Poker

Die Nachricht, dass Michael Vlahovic mit 25 Mitarbeitern angeblich von Coutts zu EFG International wechseln würde, hat am Mittwoch für Aufsehen in der Branche gesorgt. Dabei war die Meldung an falsch und hätte durchaus vermieden werden können.

Allein schon der Titel des Artikels auf der Internet-Plattform «Inside Paradeplatz» war falsch aufgegleist, um nicht zu sagen, bewusst irreführend. Dort hiess es: «Coutts-Chef will mit 25 Leuten zur EFG».

Als Coutts-Chef hierzulande gilt niemand anders als Alexander Classen. Doch um ihn ging es gar nicht, wenn man sich die Mühe nahm, den Beitrag weiter zu lesen. Vielmehr drehte sich die Geschichte um Michael Vlahovic (Bild), dem Leiter des Russland/GUS-Geschäfts.

Quelle: Ein Insider

Er wolle mit einem Team von 25 Mitarbeitern von Coutts International zu EFG International wechseln, insinuierte das Online-Portal im üblich süffigen Stil und mit Bezug auf – «einen Insider».

Grossspurig hiess es weiter: «Von der Coutts-Mutterbank RBS in London gabs zunächst keine Stellungnahme. Ein Sprecher der EFG International meinte nur: No comment.»

Weitere Falschangaben

Allerdings hätte ein einziger Anruf bei Coutts International in Zürich, wo die Bank ihren Hauptsitz hat, genügt, um zu erfahren, was Sache ist: Tatsächlich trifft es nicht zu, dass Vlahovic das Unternehmen verlassen wird. Im Gegenteil, er hält der Bank, zu der er 2009 von der Credit Suisse stiess, die Treue. So wurden am Mittwoch auch alle Mitarbeiter des Hauses informiert.

Entsprechend beeilte sich dann «Inside Paradeplatz» mit einem dürftigen Textzusatz einzuräumen, dass Coutts International die Informationen dementiere – beliess den ganzen Beitrag aber ohne weitere Ergänzungen oder zusätzliche Belege online. Dabei waren noch andere Angaben in dem Text falsch.

Etwas übertrieben

Beispielsweise, dass die Nummer zwei im Russland/GUS-Geschäft, Basile Samarine, mit nicht weniger als 7 Mitarbeitern von Coutts ebenfalls zu EFG International wechseln wolle. Wie weitere Recherchen von finews.ch ergaben, trifft auch das nicht zu. Samarine, der von Genf aus arbeitet, bleibt dem Unternehmen treu.

Auch scheint die beschriebene Dimension des personellen Aderlasses bei Coutts etwas übertrieben. In den vergangenen Monaten haben gerade einmal zwei Mitarbeiter aus dem Russland-Team das Unternehmen verlassen.

Zweifelhafte Grundsätze

Natürlich generieren solche Meldungen immer sehr viel Traffic. Umso peinlicher ist es, wenn sich herausstellt, dass sie gar nicht zutreffen. Doch dies hat «Inside Paradeplatz» noch nie gross gekümmert.

Eher hält man sich an die muntere Devise: «Never let the truth stand in the way of a good story» und erweist so dem Journalismus, der noch gewissen Qualitätsansprüchen gehorcht, einen Bärendienst.

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