Patrick Odier: «Wir werden noch einige Übernahmen sehen»

Die Genfer Privatbank Lombard Odier entwickelt sich zu einem diversifizierten Finanzkonzern, der im Asset Management erstmals profitabel ist und mit seiner Technologie-Plattform international expandieren will, wie Patrick Odier im Gespräch mit finews.ch erklärt.


Herr Odier, die Bank Lombard Odier hat erstmals in ihrer 219-jährigen Geschichte Jahreszahlen präsentiert. Was waren die Meilensteine im vergangenen Jahr?

Wir verzeichneten ein starkes Wachstum in Asien, wo wir auch personell ausgebaut haben und heute 120 Leute beschäftigten. Sowohl in Singapur als auch in Japan arbeiten wir im Private Banking profitabel. In Europa, wo wir im Private Banking nochmals über 120 Personen beschäftigen, haben wir die rechtlichen Strukturen angepasst und eine juristisch eigenständige Bank, die Lombard Odier Europe (S.A.), mit Sitz in Luxemburg aufgebaut.

Wir haben ausserdem unsere Technologieplattform weiterentwickelt und bieten diese auch Drittkunden an. Nicht zuletzt least erzielten wir im Asset Management erstmals seit der Neuausrichtung dieser Geschäftseinheit vor fünf Jahren einen Gewinn – keine schwarze Null, sondern einen signifikanten Gewinn.

Dennoch scheinen die verwalteten Vermögen nicht übermässig gewachsen zu sein, oder täuscht dieser Eindruck?

Zahlreiche Kunden haben ihre Vermögen auf Grund des anhaltenden Tiefzinsumfelds realloziert, was unter anderem zu einem Abfluss bei unseren Geldmarktfonds führte. Trotzdem konnten wir selbst in der Schweiz weiter wachsen. Wichtig ist, dass wir heute ein diversifiziertes Geschäftsmodell haben. Diesem Anspruch sind wir im vergangenen Jahr durchaus gerecht geworden.

Tatsächlich betreut Ihr Technologie- und Bankdienstleistungsbereich heute mehr Geld als ihre Asset-Management-Plattform. Ist das gewollt?

Das ist das Ergebnis der erwähnten Diversifikation. Auf unserer Technologieplattform kooperieren wir inzwischen mit einem knappen Dutzend Banken und Finanzinstitutionen aus dem In- und Ausland. Dazu gehören die Valiant-Regionalbankengruppe oder die Investmentstiftung für Personalfürsorge (IST).

Im Ausland ist es zum Beispiel die Bank Petercam aus den Benelux-Staaten, die Niederlassungen einer Schweizer Bank in Singapur, und letztes Jahr haben wir mit der luxemburgischen KBL-Gruppe eine Absichtserklärung für eine Kooperation unterzeichnet.

Wie stark wollen sie in diesem Bereich noch wachsen?

Wir verfolgen keine forsche Wachstumsstrategie, sondern suchen passende Partner, mit denen wir unsere Plattform ausbauen können. Wir wollen als «Solutionsprovider» agieren. Pro Jahr werden wir nicht mehr als einen oder zwei grössere Partner aufnehmen.

Die Bank Julius Bär hat kürzlich auf Grund des SNB-Entscheids und des anhaltend schwierigen Marktumfelds den Abbau von 200 Stellen angekündigt. Planen Sie auch solche Massnahmen?

Wir haben bereits seit längerem begonnen, unseren Kostenrahmen anzupassen und nutzen die natürliche Fluktuation geschickt aus.

Der Schweizer Privatbanken-Sektor ist derzeit stark in Bewegung. Unlängst schluckte die Notenstein Privatbank Basels älteste Privatbank La Roche 1787. Werden weitere Institute dieser Art verschwinden?

Das hängt von der kritischen Grösse ab. Bei Lombard Odier haben wir das Glück, dass wir über die kritische Masse und die nötige Investitionsfähigkeit verfügen.

Kleinere Institute haben sich in den vergangenen Jahren teilweise zu wenig an die sich verändernden Rahmenbedingungen angepasst und sind jetzt nicht mehr in der Lage, die erforderlichen Investitionen tätigen. Daher haben sie keine andere Wahl, als sich mit einer anderen Bank zusammen zu schliessen. Sicher werden wir in nächster Zeit noch einige Übernahmen sehen.

Beteiligt sich Lombard Odier auch an diesem Konsolidierungsprozess in der Branche?

Wir haben uns im vergangenen Jahr mehrere Objekte im In- und Ausland angeschaut. Allerdings setzen wir hohe Ansprüche an die Qualität eines Instituts, aber auch an jene der verwalteten Vermögen und der Mitarbeiter. Wir wollen uns zudem genügend Zeit für die Due Diligence (Sorgfältigkeitsabklärung) lassen. Daher hat sich nichts konkretisiert.

Welche Konsequenzen hat der geplante Automatische Informationsaustausch (AIA) für Ihre Bank?

Die Bankbranche entwickelt sich weltweit in Richtung Transparenz. Unter diesen Prämissen wird der AIA ab 2018 rasch zur neuen Realität werden. Vor diesem Hintergrund ist unsere europäische Bank in Luxemburg zu verstehen, der seit letztem Jahr alle übrigen Niederlassungen in Europa als Filialen angeschlossen sind. So stellen wir die erwünschte Nähe unserer europäischen Kunden zu Lombard Odier sicher.

Heute will die Klientel vermehrt in ihrem Domizilland betreut werden. Darum werden wir unseren Personalbestand in Europa sicherlich noch ausbauen.

Vorläufig ohne Lösung ist der Steuerstreit mit den amerikanischen Behörden. Als Bank in der Kategorie 2 des US-Programms droht Ihnen eine hohe Busse. Haben Sie Rückstellungen dafür gebildet?

Ja, wir haben dies bereits im vergangenen Sommer anlässlich unserer Halbjahres-Zahlen kommuniziert. Die Betragshöhe haben wir aber nicht bekanntgegeben. Doch ich kann Ihnen heute sagen, dass wir sie nicht weiter erhöht haben. Ich hoffe, dass wir diese Angelegenheit im Laufe dieses Jahres abschliessen können.

Unlängst ist Ihr Teilhaber Bernard Droux verstorben, und Thierry Lombard hat per Ende 2014 seinen Austritt aus dem Partnergremium bekanntgegeben. Suchen Sie neue Teilhaber für das oberste Organ der Bank?

Wir haben für unser Partnergremium keine Zauberformel. Unser Ziel ist lediglich, dass wir stets sechs bis acht Teilhaber sind. Aktuell sind wir sechs Personen. Es ist gut möglich, dass sich das Teilhabergremium weiter entwickelt. Das ist Teil unserer langfristigen Planung, und wir achten stark auf die Eignung der Persönlichkeiten.

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