Roland Matt: «Nur Portfolios ab 100 Millionen sind verkäuflich»

Der Chef der Liechtensteinischen Landesbank spricht über die Probleme mit der Offshore-Bereinigung und dem Negativzins. Doch habe sich das Institut auf die «neue Welt» im Private Banking gut eingestellt.

Die Liechtensteinische Landesbank (LLB) hat ihren seit 2012 laufenden Umbau und Anpassungsprozess noch nicht abgeschlossen. Die Steuerkonformitätsstrategie werde aber Ende 2015 grösstenteils umgesetzt sein, sagte der LLB-Chef Roland Matt in einem Interview mit der «Finanz und Wirtschaft» am Mittwoch (Artikel kostenpflichtig). Die Folgen kündigt Matt an: «Wir werden 2015 einige Geldabflüsse verzeichnen.»

Die LLB ist daran, einerseits Kunden mit unversteuerten Vermögen loszuwerden, andererseits zieht sie sich aus bestimmten Offshore-Märkten zurück. «Im einzelnen Markt sind das sehr wenige Kunden, in der Summe macht das etwas aus», sagte der Liechtensteiner.

Kein Verkauf von Portfolios

Aufgrund der vergleichsweise kleinen Summen von verwalteten Vermögen, welche die LLB jeweils loswerden will, ist es der Bank offenbar praktisch unmöglich, diese Kundengruppen anderen Banken zu verkaufen. Die einzelnen Märkte seien meist zu klein, um in einen Verkaufsprozess zu gehen, so Matt.

«Um verkäuflich zu sein, braucht es ein Portfolio von 100 Millionen Franken.» Um eine Geschäftsbeziehung zu beenden, werde bei der LLB darum solchen Kunden gesagt, dass sie anderswo besser aufgehoben wären.

Bereits 2017 erste AIA-Daten

Die LLB will aber bereits 2017 mit den ersten Datenlieferungen im Rahmen des Automatischen Informationsaustausches beginnen. «Wir sind in einer neuen Welt», erklärte der LLB-CEO.

Die Bank fokussiere inzwischen nur noch auf wenige Zielmärkte. Onshore sind das Liechtenstein, die Schweiz mit der Bank Linth und Österreich, wo das Institut profitabel arbeitet. Offshore ist die LLB vor allem in Deutschland tätig. Die Wachstumsmärkte sind Zentral- und Osteuropa sowie der Mittlere Osten.

Wachstum keine Frage der Grösse

In den Wachstumsmärkten habe die LLB 2014 rund eine halbe Milliarde Franken Neugelder akquiriert. «Wo wir wachsen wollen, wachsen wir auch», sagte der CEO. Das sei keine Frage der Grösse, sondern eine der Positionierung und der richtigen Mitarbeiter.

Die Bank ist insgesamt also ansprechend unterwegs, wie aus dem Interview hervorgeht. Matt sagt, dass die Initiative im Private Banking mit neuen Produkten im ersten Halbjahr einen Mehrertrag von 4 Millionen Franken gebracht hat.

Kein Kostensenkungsprogramm

Auf der Kostenseite spürt die Bank allerdings den Einfluss der Negativzinsen. Es seien zusätzliche Massnahmen ergriffen worden, so Matt, der seit 2012 die LLB-Geschicke leitet. «Wir verzichten aber auf ein umfassendes Kostensenkungsprogramm». Zurzeit lägen die Einlagen der LLB bei der Schweizerischen Nationalbank unter der Freigrenze.

«Sollte sich das ändern, wird es schwieriger», warnte der 45-Jährige. Doch wäre es falsch aufgrund der Situation die Preise zu stark zu erhöhen.

Teure, aber unausgelastete IT

Sparpotenzial gäbe es theoretisch bei der IT-Infrastruktur der LLB. Sie verfügt über ein neues Avaloq-System, welches sie mit ihrer Grösse nicht voll auslasten kann – wie die lokalen Konkurrenten VP Bank und LGT auch nicht.

Eine Kooperation im IT-Bereich zwischen den drei Liechtensteiner Banken läge darum auf der Hand, doch Matt winkte ab. Denn die jeweiligen Investitionen lägen noch nicht so lange zurück.

«Eine Zusammenarbeit würde einen grossen Abschreibungsbedarf auslösen.» Eine Kooperation sei darum gegenwärtig kein Thema.

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Der Bankensoftwareentwickler Avaloq und die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) haben einen Vertrag zur Evaluierung einer zukünftigen Zusammenarbeit unterzeichnet. Bis zum Ende des ersten Quartals 2017 soll analysiert und erarbeitet werden, inwiefern die Umsetzung der Apobank-IT-Strategie mit der Avaloq Banking Suite möglich ist.

Deutsche Bank

Die Deutsche Bank will den britischen Versicherer Abbey Life an die Phoenix Life, eine Gesellschaft der Phoenix Group, verkaufen. Die nun geschlossene Vereinbarung sieht vor, dass Phoenix Life 100 Prozent von Abbey Life zum Preis von 935 Millionen Pfund erwirbt. Abbey Life ist derzeit Teil der Deutschen Asset Management.

Schwyzer Kantonalbank

Die Schwyzer Kantonalbank will mit neuen Fonds-Produkten finanzielle und ethische Ansprüche vereinen. Bis Ende 2016 erhebt die Bank auf die sogenannten Ethikfonds keinen Ausgabeaufschlag.

Crealogix

Das Bankensoftwareunternehmen Crealogix hat für das Verwaltungsrechenzentrum St.Gallen (VRSG) ein Bankingportal für den Government-Bereich entwickelt. Die Zahlungsverkehrslösung deckt die neusten Anforderungen des Schweizer Zahlungsverkehrs ab. Sie lässt sich unabhängig von einem Online-Banking-Tool einsetzen.

Valartis

Die Valartis Gruppe hat den Vollzug der Übernahme der Liechtensteiner Tochter an die Citychamp Watch & Jewellery Group aus Hongkong abgeschlossen. Damit ist die letzte Voraussetzung für die Umsetzung der Sanierungspläne erfüllt.

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Die Aargauische Kantonalbank (AKB) hat in Eigenregie eine neue Anleihe in der Höhe von 200 Millionen Franken aufgelegt. Die Laufzeit beträgt 8 Jahre, der Coupon 0,02 Prozent.

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DigitalZurich2025, die Standortinitiative für digitale Innovation, wird zu «digitalswitzerland» umbenannt und damit auf die ganze Schweiz ausgeweitet. Zudem lanciert sie mit «Education Digital» eine Webplattform zu relevanten Aus- und Weiterbildungen rund um das Thema Digital.

Fondsmarkt

Die Schweizer Fondbranche kratzt an der Billionen-Grenze. Wie der Branchendienst Swiss Fund Data vermeldete, erreichte das Vermögen der in der Schweiz gehandelten Anlagefonds letzten August rund 914 Milliarden Franken.

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Die Europäische Investitionsbank finanziert die Forschung am Genfer CERN. Dies, indem sie dem Teilchenbeschleuniger eine Kreditfazilität von 250 Millionen Franken leistet. Das Geld wird zum Bau des nächsten CERN-Grossprojekts benötigt, dem High Luminosity Large Hadron Collider.

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