Banken sind verdammt, zu wachsen!

Die Mehrheit der Schweizer Privatbanken wächst wieder. Allerdings geht das Wachstum einher mit schwindenden Gewinnen. Das ist gefährlich, sagen Daniel Kobler und Jan Witt von Deloitte.

Daniel Kobler 160Von Daniel Kobler (Bild links) ist Partner bei der Unternehmensberatung Deloitte und für Bankenstrategien verantwortlich. Jan Witt ist Manager bei Deloitte.Wachstum©Shutterstock

 

Jan Witt 160Schweizer Banken haben ihre Erlöse bereits wieder auf das Niveau vor der Finanzkrise gesteigert, was den europäischen Wettbewerbern noch nicht gelungen ist. Eine Analyse des Schweizer Private-Banking-Marktes im Zeitraum von 2008 bis 2014 ergab, dass 55 Prozent der Banken ihre Kundenvermögen steigern konnten. Im selben Zeitraum erlitten jedoch rund 60 Prozent der Markteilnehmer einen Gewinnrückgang.

Euro CH Banken Kl

Eine Analyse des Schweizer Private-Banking-Marktes im Zeitraum 2008 bis 2014 hat ergeben, dass 55 Prozentder untersuchten Banken das Kundenvermögen steigern konnten. Im selben Zeitraum erlitten jedoch rund 60 Prozent der Markteilnehmer einen Gewinnrückgang.

Diese inverse Beziehung zwischen Kundenvermögens- und Gewinnwachstum zeigt die grosse Bedeutung einer massgeschneiderten Wachstumsstrategie deutlich auf: Wachstumsstrategien, die lediglich in steigenden Umsatzzahlen resultieren, haben nur begrenzten Mehrwert, sofern sie nicht mit steigenden Profiten einhergehen.

Voraussetzung für zukünftige Wettbewerbsfähigkeit

Etwa drei Viertel der an der Schweizer Börse kotierten Banken konzentrieren sich auf Wachstum und haben dies in ihren Jahresberichten als strategische Priorität hervorgehoben. Wobei die Betonung bei etlichen auf «nachhaltig» liegt. Wachstum ist nachhaltig, wenn es nicht nur zu höheren Erträgen, sondern auch zu mehr Gewinn führt.

Profitables Wachstum ist somit die Grundlage und wichtigste Voraussetzung für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit einer Bank. Wachstumsstrategien gelten dabei üblicherweise als eine Möglichkeit, Wettbewerber zu überholen.

Kerngeschäft schützen

Jedoch können sie auch als Verteidigungsmechanismus verstanden werden, da sie Banken helfen, im sich rapide entwickelnden und stetig ändernden Finanzdienstleistungsmarkt wettbewerbsfähig zu bleiben.

Insbesondere ein zunehmender Wettbewerb sowie neue Marktakteure wie FinTech-Unternehmen zwingen Banken dazu, neben der Planung von Wachstum im zukünftigen Geschäft auch das aktuelle Kerngeschäft zu schützen. Ausserdem wurde der Kostendruck auf Banken durch die Fülle an regulatorischer Initiativen noch weiter verschärft.

Aus diesem Grund muss die Verfolgung einer nachhaltigen, profitablen Wachstumsstrategie das Ziel vieler Banken sein. Sie hilft dabei, die für den Schutz des Kerngeschäftes und die Ausrichtung auf zukünftige Geschäfte notwendigen finanziellen Ressourcen organisch bereit zu stellen. Vor diesem Hintergrund lässt sich die recht einschneidende Schlussfolgerung ableiten: Banken sind verdammt zu wachsen!

Kein Einheits-Rezept

Um dieser Erkenntnis gerecht zu werden, sollten sich Banken mit den folgenden Fragestellungen befassen: Wie erzielen Banken wertsteigerndes Wachstum? Wie wird dieses erhalten? Und wie schaffen sie eine wachstumsorientierte Unternehmenskultur?

Bei näherer Betrachtung dieser Fragen wird schnell deutlich, dass es keine «one-size-fits-all» Wachstumsstrategie gibt, die bankenübergreifend angewandt werden kann. Mittels einer systematischen Wachstumsmethodik muss vielmehr für jedes Institut eine massgeschneiderte Wachstumsstrategie entwickelt und umgesetzt werden.

Methode mit vier Phasen

Die erwähnte Methodik basiert auf einem vierphasigen Wachstumszyklus: In einer ersten Phase definieren Banken ein für sie geeignetes Wachstumsziel. In der zweiten Phase werden dann Wachstumsbereiche identifiziert, die auf das jeweilige Institut abgestimmt sind.

Dies kann zum Beispiel mit Hilfe einer sogenannten Value Map erfolgen (siehe Abbildung). Diese zeigt die für die gewählte Wachstumsstrategie förderlichen Wachstumshebel klar auf.

Schema Kl

Im Anschluss werden in einer dritten Phase Wachstumsprojekten formuliert, die der Realisierung der zuvor definierten Wachstumsziele dienen. Schliesslich kommt es in der vierten Phase darauf an, die Wachstumsstrategie wirkungsvoll und effektiv umzusetzen.

Elementare Erfolgsfaktoren dazu sind eine unterstützende Governance- und Organisationsstruktur sowie die Institutionalisierung eines unterstützenden Anreiz- und Vergütungssystems.

Manchmal hilft nur Neupositionierung

Letztlich sollte noch ein geeignetes Informationssystem bereitstehen, das zum Monitoring der Strategieumsetzung genutzt werden kann.

Eine Bank mit Wachstumsambitionen muss bereit sein, sich allenfalls radikal neu zu positionieren. Jedoch sollte ein ausgewogenes Wachstumsportfolio mit Investitionen in bestehende, angrenzende und neue Markfelder gewählt werden, das für jede Bank individuell ausgestaltet werden sollte.

Das Erreichen der gesetzten Wachstumsziele ermöglicht die Freisetzung der notwendigen finanziellen Ressourcen, um langfristig kompetitiv am Markt agieren zu können.

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

 

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • 1MDB-Skandal: Nach DiCaprio auch Robert de Niro im Visier
  • Wird die Webseite Ihrer Firma gerade gehackt?
  • Von der Edelboutique zur Schnäppchenbude
  • So will George Soros die Flüchtlingskrise bekämpfen
  • Der naive Rettungsplan der «Euro-Freunde»
  • Deutsche Bank steckt in der Falle
  • Starökonom fordert noch schärfere Negativzinsen
mehr

Follow us

Follow finews.ch on Twitter Follow finews.ch on Facebook Follow finews.ch on Google+ Follow finews.ch on LinkedIn Follow finews.ch on Xing Follow finews.ch on Youtube Follow finews.ch on Instagram

Zürcher Bankenverband

Führende Vertreter der Schweizer Finanzbranche zum Thema Regulierung.

Beiträge lesen

Lohnvergleich

Lohnvergleich

Verdienen Sie genug? Vergleichen Sie doch mal Ihren Lohn.

zum Lohnvergleich

Newsletter

Newsletter-SymbolKostenlos abonnieren

Abonnieren Sie jetzt den finews.ch-Newsletter und Sie erhalten kostenlos 2x wöchentlich die wichtigsten News aus der Schweizer Finanzwelt per E-Mail.

SELECTION

Selection

Wie sich Angstkultur ausbreitet

Mehrere Tausend Stellen im Schweizer Bankgewerbe sollen verschwinden. Besonders betroffen davon ist das mittlere Kader.

Selection

Selection

Der Todesstoss fürs Online-Banking

Der Bankkunde von heute nutzt das Internet und Apps. Aber wie lange noch?

Selection

NEWS GANZ KURZ

Schwyzer Kantonalbank

Die Schwyzer Kantonalbank will mit neuen Fonds-Produkten finanzielle und ethische Ansprüche vereinen. Bis Ende 2016 erhebt die Bank auf die sogenannten Ethikfonds keinen Ausgabeaufschlag.

Crealogix

Das Bankensoftwareunternehmen Crealogix hat für das Verwaltungsrechenzentrum St.Gallen (VRSG) ein Bankingportal für den Government-Bereich entwickelt. Die Zahlungsverkehrslösung deckt die neusten Anforderungen des Schweizer Zahlungsverkehrs ab. Sie lässt sich unabhängig von einem Online-Banking-Tool einsetzen.

Valartis

Die Valartis Gruppe hat den Vollzug der Übernahme der Liechtensteiner Tochter an die Citychamp Watch & Jewellery Group aus Hongkong abgeschlossen. Damit ist die letzte Voraussetzung für die Umsetzung der Sanierungspläne erfüllt.

Aargauer Kantonalbank

Die Aargauische Kantonalbank (AKB) hat in Eigenregie eine neue Anleihe in der Höhe von 200 Millionen Franken aufgelegt. Die Laufzeit beträgt 8 Jahre, der Coupon 0,02 Prozent.

digitalswitzerland

DigitalZurich2025, die Standortinitiative für digitale Innovation, wird zu «digitalswitzerland» umbenannt und damit auf die ganze Schweiz ausgeweitet. Zudem lanciert sie mit «Education Digital» eine Webplattform zu relevanten Aus- und Weiterbildungen rund um das Thema Digital.

Fondsmarkt

Die Schweizer Fondbranche kratzt an der Billionen-Grenze. Wie der Branchendienst Swiss Fund Data vermeldete, erreichte das Vermögen der in der Schweiz gehandelten Anlagefonds letzten August rund 914 Milliarden Franken.

EIB

Die Europäische Investitionsbank finanziert die Forschung am Genfer CERN. Dies, indem sie dem Teilchenbeschleuniger eine Kreditfazilität von 250 Millionen Franken leistet. Das Geld wird zum Bau des nächsten CERN-Grossprojekts benötigt, dem High Luminosity Large Hadron Collider.

Finma

Die Eidgenössische Finanzmarkt-Aufsicht Finma nimmt ihre digitale Zustellplattform in Betrieb. Diese ermöglicht es den Beaufsichtigten und Prüfgesellschaften, Jahresberichte und weitere Dokumente elektronisch einzureichen. Mit SuisseID lassen sich die Dokumente zudem elektronisch signieren.

UBS

Mit einer Performance von durchschnittlich 0,5 Prozent schnitten die Pensionskassen im August leicht besser ab als im Monats-Durchschnitt seit Jahresbeginn. Das stellte der «Pensionskassen-Barometer» der Grossbank fest.

weitere News