John Hucker: «Die Banken dürfen nicht dominieren»

Mit der Verleihung des Swiss Fintech Award tritt am Donnerstag die Vereinigung Swiss FinteCH ins Rampenlicht. Präsident John Hucker erklärt gegenüber finews.ch, warum im ersten nationalen Verband der Schweizer Fintech-Szene die Banken nicht explizit vertreten sind.


Herr Hucker, in den vergangenen Monaten schossen in der Schweiz Fintech-Foren, Initiativen und Inkubatoren wie Pilze aus dem Boden. Jetzt lancieren Sie mit Swiss FinteCH auch noch einen Branchenverband. Wozu?

Die Idee zur neuen Vereinigung enstand aus den Meetup-Gruppen, die jeweils Akteure der Fintech-Szene in Zürich und Genf versammeln. Vor zwei Monaten fiel dann die Entscheidung, die losen Treffen zu formalisieren. Dies mit dem Anspruch, künftig möglichst die ganze Schweizer Szene zu repräsentieren. Denn die ist heute tatsächlich stark fragmentiert.

Steht hinter dem Verband die Finanzindustrie?

Nein, eben nicht. Im Vorstand ist das ganze Fintech-Ökosystem vertreten – vom Finanzdienstleister über Krypto-Pioniere bis hin zum Wagnis-Kapitalgeber. Während der Verband explizit nur Einzelpersonen aufnimmt, arbeiten wir aber eng mit Grossfirmen und anderen Partnern zusammen. Auf diese Weise bleiben wir flexibel und vermeiden Interessenskonflikte.

Das könnte man ebensogut als Manko auslegen, oder? In London und Singapur wird Fintech von Behörden und Grossfirmen vorangetreiben, die bei Bedarf ihr ganzes Gewicht in die Schale werfen.

Wir massen uns nicht an, alle Antworten auf die Herausforderungen am Schweizer Fintech-Standort zu kennen. Aber wir bieten eine Plattform, über die sich die Szene vernetzen und nach Lösungen suchen kann.

«Die wichtigsten Meilensteine liegen vor uns»

Reicht das?

Es wäre sicher wunderbar, wenn wir mehr Hilfe etwa von den Banken hätten, aber aus unserer Sicht sollten sie die Vereinigung nicht dominieren. Dasselbe gilt für die Behörden, die ebenfalls nicht zu aktiv werden. Das entspricht unserer Meinung nach viel eher der Schweizer Kultur, die Dinge gemeinsam anzupacken und einen Konsens zu finden.

Aber die Zeit drängt.

Es stimmt, es ist höchste Zeit, dass in der Schweiz etwas unternommen wird. Aber zu spät ist es keineswegs: Die Fintech-Branche befindet sich immer noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Die wirklich interessanten Meilensteine liegen noch vor uns. Wir wollen dazu den nötigen Anschub liefern.

Wäre es nicht wirkungsvoller, wenn die wichtigsten Player der Schweizer Finanzbranche das Heft in die Hand nehmen würden? Ist es denn undenkbar, das die Grossbanken eine Fintech-Allianz eingehen?

Sicherlich wäre das als Option denkbar und eine grosse Hilfe. Aber dann stellt sich umgehend die Frage, wie viel Einfluss den Bankpartnern zugesprochen würde.

«Ich sehe Stärken in der Vermögensverwaltung»

Wenn wir von Optionen sprechen: Was der hiesigen Branche ebenfalls fehlt, ist eine potente Plattform für die Startup-Finanzierung. Hat der neue Verband dazu Pläne?

Unser Verband ist wohl derzeit nicht die geeignete Organisation, um etwa einen Wagniskapital-Fonds zu betreiben. Doch wir könnten die Kräfte zusammenbringen, die es braucht, um die Finanzierungslücke für Schweizer Fintech-Startups zu überwinden.

Wo setzen Sie die Prioritäten in den nächsten Monaten?

Als erstes führen wir den Swiss Fintech Award durch und präsentieren die Ergebnisse einer Umfrage, die erstmals die derzeitige Lage der Szene umfassend beleuchten soll. Gleichzeitig werden wir unserer Partner-Netzwerk ausdehnen und für die Branche wichtige Persönlichkeiten als Berater hinzuziehen. Ausserdem arbeiten wir weiter an unserer Strategie und dem Web-Auftritt. 2015 wird sozusagen unser Baby-Jahr – deshalb erheben wir auch noch keine Mitgliederbeiträge.

Und wenn Sie über 2015 hinausschauen?


Für die Schweizer Fintech-Szene macht es absolut Sinn, Prioritäten zu setzen und dabei auf vorhandene Stärken zu setzen. Die sehe ich einerseits im Vermögensverwaltungs- und Versicherungszene, anderseits im Bereich der Krypto-Technologie. Chancen bietet auch der Bereich Social Finance, der ebenfalls auf eine bestehende Basis mit Mikrofinanzen und Nachhaltigen Anlagen aufbauen könnte. Und natürlich der Bereich der ICT-Lösungen für den Finanzsektor.


John Hucker zählt mit seinen 34 Jahren in der Schweizer Fintech-Szene bereits zu den Mitgliedern der ersten Stunde. So gründete der Kanadier das Meetup-Netzwerk in Zürich mit und organisierte Events für hiesige Jungfirmen. Neben seinem Engagement als Präsident von Swiss FinteCH ist Hucker für eine Schweizer Grossbank tätig.

Swiss FinteCH (Swiss Finance + Technology Association) nimmt am 27. August offiziell seine Arbeit auf. Im Vorstand der Vereinigung finden sich unter anderem Alexandre Gaillard, CEO des Schweizer Robo-Advisors Investglass sowie Christian Dreyer, Direktor des Standesvereinigung CFA Society Switzerland. Im den Jury des vom Verband erstmals vergebenen und mit 15'000 Franken dotierten Swiss Fintech Award sitzt Francisco Fernandez, CEO des Bankensoftware-Entwickler Avaloq.

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Gottex

Der Hedgefondsanbieter Gottex hat die Publikation seiner Halbjahreszahlen verschoben. Das Unternehmen begründet die Verschiebung mit einem Verzug in den Verhandlungen um eine zweite Finanzierungstranche nach den Rekapitalisierungs-Massnahmen vom Sommer.

UBS

Die Grossbank UBS hat mit einer Zahlung von 15 Millionen Dollar an die US-Börsenaufsicht SEC ein Verfahren um den Verkauf komplizierter Derivate an Privatkunden beigelegt. Die Zahlung erfolgte, weil die UBS ihre Broker nicht standesgemäss ausgebildet habe.

Avaloq

Der Bankensoftwareentwickler Avaloq und die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) haben einen Vertrag zur Evaluierung einer zukünftigen Zusammenarbeit unterzeichnet. Bis zum Ende des ersten Quartals 2017 soll analysiert und erarbeitet werden, inwiefern die Umsetzung der Apobank-IT-Strategie mit der Avaloq Banking Suite möglich ist.

Deutsche Bank

Die Deutsche Bank will den britischen Versicherer Abbey Life an die Phoenix Life, eine Gesellschaft der Phoenix Group, verkaufen. Die nun geschlossene Vereinbarung sieht vor, dass Phoenix Life 100 Prozent von Abbey Life zum Preis von 935 Millionen Pfund erwirbt. Abbey Life ist derzeit Teil der Deutschen Asset Management.

Schwyzer Kantonalbank

Die Schwyzer Kantonalbank will mit neuen Fonds-Produkten finanzielle und ethische Ansprüche vereinen. Bis Ende 2016 erhebt die Bank auf die sogenannten Ethikfonds keinen Ausgabeaufschlag.

Crealogix

Das Bankensoftwareunternehmen Crealogix hat für das Verwaltungsrechenzentrum St.Gallen (VRSG) ein Bankingportal für den Government-Bereich entwickelt. Die Zahlungsverkehrslösung deckt die neusten Anforderungen des Schweizer Zahlungsverkehrs ab. Sie lässt sich unabhängig von einem Online-Banking-Tool einsetzen.

Valartis

Die Valartis Gruppe hat den Vollzug der Übernahme der Liechtensteiner Tochter an die Citychamp Watch & Jewellery Group aus Hongkong abgeschlossen. Damit ist die letzte Voraussetzung für die Umsetzung der Sanierungspläne erfüllt.

Aargauer Kantonalbank

Die Aargauische Kantonalbank (AKB) hat in Eigenregie eine neue Anleihe in der Höhe von 200 Millionen Franken aufgelegt. Die Laufzeit beträgt 8 Jahre, der Coupon 0,02 Prozent.

digitalswitzerland

DigitalZurich2025, die Standortinitiative für digitale Innovation, wird zu «digitalswitzerland» umbenannt und damit auf die ganze Schweiz ausgeweitet. Zudem lanciert sie mit «Education Digital» eine Webplattform zu relevanten Aus- und Weiterbildungen rund um das Thema Digital.

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