Ein «Gschmäckle» im Vermächtnis des Raiffeisen-Königs

Nadja Ceregato

Nadja Ceregato

An den Qualifikationen von Nadja Ceregato, die der Verwaltungsrat per sofort in die erweiterte Geschäftsleitung der Raiffeisen Schweiz befördert hat, gibt es nichts zu bemängeln.

Sie ist Juristin und Anwältin und hat zusätzlich eine Management-Ausbildung an der Hochschule St. Gallen absolviert. Die Raiffeisen Schweiz kennt sie aus 15 Jahren Berufspraxis; zunächst als Mitarbeiterin im Rechtsdienst, dann als Leiterin der Rechtsabteilung und seit diesem Mai auch als Chefin des Bereichs Legal & Compliance.

Insofern ist die Beförderung verdient und schlüssig. Und doch haftet an der Promotion der 46-Jährigen ein «Gschmäckle», wie man vor allem im südlichen Teil unseres Nachbarlands Ämterentscheide zuweilen in Frage stellt.

Hier sind drei Gründe für das «Gschmäckle»:

1. Es fehlt die Transparenz

Raiffeisen Schweiz erwähnt in der Mitteilung und im Lebenslauf Nadja Ceregatos mit keinem Wort, dass sie die Lebenspartnerin von Pierin Vincenz ist. Dies mag zwei Gründe haben. Erstens: Weder Ceregato noch Vincenz wollten die Liaison in dieser Art und Weise erwähnt haben. Zweitens: Der Raiffeisen-Verwaltungsrat wollte die Liaison der beiden in dieser Art und Weise nicht erwähnt haben.

Beide Gründe sind unverständlich und mit den heutigen Governance-Regeln unvereinbar. Dass Vincenz und Ceregato verheiratet sind, ist in der Öffentlichkeit zwar bekannt. Doch die berufliche Verbindung der beiden innerhalb der Raiffeisen Gruppe und die zuweilen enge Zusammenarbeit, welche die beiden fallbedingt pflegten, ist weniger publik.

Es ist legitim zu fragen, ob es in der Vergangenheit für Raiffeisen Schweiz ein Gebot der Transparenz war, die Ehe des CEO mit der Managerin im Rechtsdienst öffentlich zu machen. Ein Gebot der Transparenz ist es aber, die Verbindung bei der Beförderung der Ehefrau zum Zeitpunkt des Austritts des Chefs und Ehemannes beim Namen zu nennen.

2. Der Zeitpunkt der Beförderung mutet symbolisch an

Vincenz hat während seiner über 16 Jahre als CEO der Raiffeisen Schweiz nichts dem Zufall überlassen. Das Ergebnis ist beeindruckend: Die einst verschlafene «Bauernbank» ist zum relevanten Player auf dem Schweizer Finanzplatz aufgestiegen und hat im Schweizer Hypothekenmarkt unzweifelhaft die Führerschaft übernommen.

Auch seinen Rücktritt hat Vincenz sorgfältig geplant. Vor rund einem Jahr hatte er den Entscheid angekündigt. Im März entschied er dann, dass die Stabsübergabe an seinen bisherigen Stellvertreter Patrik Gisel früher stattfinden könne, nämlich am 30. September – heute.

Just an diesem, für Vincenz grossen Tag gibt der Verwaltungsrat die Beförderung von dessen Ehefrau in die erweiterte Geschäftsleitung bekannt. Das Timing ist aus Governance-Sicht unglücklich. Dem Zeitpunkt haftet eine Symbolik an: Der «König» tritt zwar ab, sorgt aber für den Verbleib der «Familie» in der Raiffeisen-Teppichetage. Diesen Schachzug hat Vincenz frühzeitig eingefädelt.

3. Eine strategische Beförderung

Praktisch während seiner ganzen Karriere bei Raiffeisen hatte Vincenz Nadja Ceregato an seiner Seite: Sowohl privat als Ehefrau als auch beruflich als Rechtsspezialistin. Nun geht er, und sie erklimmt in der Raiffeisen-Hierarchie eine Stufe, von der ein Aufstieg bis ganz an die Spitze nicht ausgeschlossen ist.

Diesen Aufstieg hat Vincenz ermöglicht: Er machte seine Ehefrau erst im vergangenen Mai zur Chefin des Bereichs Legal & Compliance. Und damit ebnete er ihr den Weg in die Geschäftsleitung, der nun zum Zeitpunkt seines Rücktritts frei geworden ist.

Vincenz hat sich auch in dieser Angelegenheit als weitsichtiger Stratege erwiesen. Sein Vermächtnis lebt in der Bank nun definitiv weiter.

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