Francisco Fernandez: «Wir werden diese Welle reiten – bestimmend und prägend»

Francisco Fernandez, Gründer und CEO von Avaloq, sagt im Interview mit finews.ch, wie er den Fintech-Boom nutzen will, eine Angebotsoffensive für Vermögensverwalter und den Eintritt in den US-Markt plant.

Herr Fernandez, in den letzten Wochen waren unter anderem der Umsatz und die Innovationsfähigkeit von Avaloq im Gespräch. Wie läuft denn das Geschäft?

Wir verkaufen 2015 sehr gut. Gerade haben wir mit der China CITIC Bank International einen weiteren Kunden für die Banking Suite gewonnen. Wir haben kürzlich auch einen weiteren Vertrag in Australien abgeschlossen. Und wir werden dieses Jahr noch den Abschluss mit einem grossen Schweizer Kunden melden können.

Sie sind also auch 2015 auf Rekordkurs?

Wir sind auf Kurs, den Umsatzrekord vom Vorjahr bei rund 500 Millionen Franken wieder zu erreichen. Beim Gewinn werden wir voraussichtlich etwas unter Vorjahr bleiben, aber die Profitabilität ist immer noch sehr hoch.

Warum leidet der Gewinn?

Wir sind im Investitionsmodus. Wir bauen gleichzeitig zwei BPO-Center (Business Process Outsourcing) auf, eines in Deutschland und eines in Singapur. Bei beiden gibt es Verzögerungen, das verursacht Kosten. Aber Ende Jahr werden beide BPO-Center live sein.

Der Eindruck ist, dass Banken zurzeit sehr viel investieren: In Automation und Digitalisierung.

Richtig. Wir sehen hohen Investitionsdruck. Banken wollen einerseits Software-Lösungen für die Kundenansprache. Und der zweite Teil der Digitalisierungswelle zielt auf die Erfindung neuer Banking-Modelle, das sind die disruptiven Fintech-Innovationen, die in aller Munde sind. Auch in Regulatorien und Compliance wird notgedrungen viel investiert.

Was hat Avaloq da zu bieten?

Wir werden diese Welle reiten, bestimmend und prägend für die Finanzindustrie. Schauen Sie, Internetanwendungen im Banking sind bei weitem nicht neu. Wir haben damals ganz bewusst entschieden, die erste Webtech-Welle auszulassen und zu warten, bis die Technologien wirklich reif sind.

«Wir sind technologisch ganz vorne dabei.»

Das Timing hielt ich vor rund drei Jahren für richtig. Wir haben inzwischen riesige Investitionen getätigt und innert kürzester Zeit Front-Applikationen und Architekturen gebaut. Ich kann Ihnen versichern: Die werden uns buchstäblich aus der Hand gerissen.

Das haben Sie bislang aber sehr zurückhaltend kommuniziert.

Wir verkaufen viel an die Bestandeskundschaft, die bereits die Banking Suite von Avaloq benutzt. Viele der in den Jahren zuvor abgeschlossenen Verträge liefern wir jetzt aus.

Das heisst, die digitalen Front-Lösungen von Avaloq gehen nur an Banking-Suite-Kunden?

Damit generieren wir am meisten Wert für die jeweilige Bank. Dies macht auch aus Kundensicht absolut Sinn: Back- und Front-End bedingen sich als Kombination. Man kann Kunden kein topmodernes digitales Banking bieten, während die IT für das Back Office veraltet ist.

Es heisst, Avaloq hinke der Fintech-Entwicklung hinterher, habe nichts im Köcher.

Im Gegenteil: Wir haben auch hier weitergedacht und kooperieren eng mit den Fintechs. Wir haben mit dem Avaloq Software Exchange eine Plattform gebaut, auf der wir unsere Applikationen und diejenigen von Fintech-Unternehmen anbieten. Diese Applikationen machen wir allen unseren Kunden zugänglich. Unsere Kunden können auch als Innovatoren mitentwickeln. Wir sind technologisch ganz vorne dabei, 'top notch'.

Können Sie das genauer erklären?

Wir gehen damit einen ähnlichen Weg wie Apple mit ihrer IOS-Plattform. Das heisst, wir liefern standardisierte Applikationen und Produkte, Entwickler-Kits und das passende Framework und bieten dies auf einem Marktplatz an.

Wie weit sind Sie damit?

Wir erweitern die Plattform laufend. Etwa ein Dutzend Fintechs sind bereits auf der Plattform und arbeiten mit uns zusammen.

Was halten Sie von dem disruptiven Charakter, der Fintech zugesprochen wird?

Wir bieten in erster Linie Technologien an, welche die Banken dabei unterstützen, effizienter zu werden und die Kundenansprache zu verbessern. Persönlich befasse ich mich intensiv mit der Blockchain-Technologie, da ich dieser tatsächlich hohe disruptive Chancen gebe. Die Frage ist nur: Wann geschieht es?

«Das ist völlig aus dem Zusammenhang gerissen»

Allgemein wird ja überschätzt, was in zwei Jahren geschehen kann. Hingegen wird unterschätzt, was sich in zehn Jahren verändern kann. Innovationsmanagement bedeutet hier in unserem Fall: Wir wollen bei der Erforschung und der Entwicklung der Blockchain und anderen zukunftsträchten Technologien dabei sein.

Das klingt anders als in dem Bericht, der aus einer Email von Ihnen zitiert.

Genau. Ich soll auch geschrieben haben, Avaloq verkaufe nicht mehr. Das ist alles völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Zum Festhalten: Die Avaloq Banking Suite ist gemäss IBS zum dritten Jahr hintereinander die weltweit am besten verkaufte Plattform im Bereich Private Banking. Wir haben in der Schweiz mit Raiffeisen ein zukunftsorientiertes Projekt, das uns fünf Jahre lang beschäftigen wird. Unsere Outsourcing-Tochtergesellschaft B-Source kann sich vor Aufträgen kaum retten. Wir machen dieses Jahr eine halbe Milliarde Franken Umsatz. Nur ein zukunftsfähiges IT-Unternehmen verkauft heute erfolgreich.

Was haben Sie in der Email denn geschrieben?

Ich nutze in meiner Strategie-Arbeit eine Methode, in der ich fünf Jahre in die Zukunft schaue zuspitze und provoziere. Ich sehe Potenzial, Avaloq-Lösungen für kleinere Banken und kleinere unabhängige Vermögensverwalter anzubieten. Die Banking Suite ist für dieses Segment teilweise sehr gross dimensioniert. Und mit unseren BPO-Dienstleistungen und ihren Skaleneffekten möchten wir dieses Marktsegment in Zukunft bedienen.

Das ist heute noch nicht der Fall?

Wir wollen diese Kundengruppe erschliessen. Das ist sehr interessant, wir reden hier von 600 bis 800 Milliarden Franken Kundengeldern, für deren Verwaltung es bislang kaum digitale Lösungen gibt. Mit unserem BPO-Geschäft können wir Software und Services als Dienstleistungspaket anbieten.

Es machte auch das Gerücht von Entlassungen bei Avaloq die Runde.

Es gehört zu unserem Geschäftsmodell, dass wir mit den Besten der Besten arbeiten. Wir haben Personalwachstum. Dieses Jahr haben wir 200 zusätzliche Leute angestellt. Bis Ende Jahr haben wir noch 90 offene Stellen zu besetzen.

Zusammengefasst: Avaloq bewältigt das Grossprojekt Raiffeisen, baut zwei BPO-Center, treibt die Internationalisierung voran, baut eine Fintech-Plattform und will mit den unabhängigen Vermögensverwaltern ein neues Marktsegment erschliessen. Sie sind an vielen Fronten tätig.

So viele sind es eigentlich nicht. Natürlich, das Raiffeisen-Projekt bindet viele Ressourcen. Das heisst, wir dürfen die anderen Vertragspartner nicht vernachlässigen. Aber der Bau der BPO-Center ist eine definierte strategische Initiative wie auch die Entwicklung von Front-Produkten, wo auch die Fintech-Plattform dazugehört.

«Wir hatten die USA immer auf dem Radar»

Die Internationalisierung hat sich dieses Jahr etwas verlangsamt, das heisst, es ist kein neues Land dazugekommen. Aber das wird bald wieder geschehen.

Nämlich?

Wir wollen in den US-Markt.

Also noch ein grosses Projekt. Wie konkret ist das?

Wir hatten die USA immer auf dem Radar, schliesslich ist es der grösste Vermögensverwaltungsmarkt der Welt. Nur wollten wir nicht gleichzeitig in Asien und in Nordamerika expandieren. Jetzt ergibt sich aber die Chance, weil uns einer unserer grössten Kunden in die USA bringt. Es gehörte immer zu unserer Internationalisierungsstrategie, dass wir unseren Kunden ins Ausland folgen. Das wird nun der Fall sein.

Das heisst, sie bauen auch eine Präsenz auf?

Ja, wir möchten in Nordamerika ein Entwicklungszentrum bauen, wie wir sie in der Schweiz und in Edinburgh haben. Wenn man den Schritt in die USA macht, hängt der Erfolg von einigen Faktoren ab: Die Nähe zum Kunden, die Nähe zu Talent-Pools, profundes IT-Know-how in Kombination mit intimen Kenntnissen des Bankenmarktes, um nur diese zu nennen.

Sie zeigen keine Ermüdungserscheinungen. Machen Sie sich über ihre Nachfolgeregelung oder einen Börsengang Gedanken?

Warum? Ich bin doch noch jung, und das Unternehmen wächst. Eine Firma muss ab einer bestimmten Grösse kapitalfähig sein. Ich habe immer gesagt, dass ein Börsengang von Avaloq eine von mehreren Optionen sei, sobald die Umsatzmilliarde erreicht ist. Eine Firma muss ab einer bestimmten Grösse kapitalmarktfähig sein. Wir bewegen uns in diese Richtung. Aber bislang haben wir keine Probleme, unser Wachstum zu finanzieren.


Francisco Fernandez hat Avaloq vor über 20 Jahren als Spin-off von Martin Ebner BZ-Gruppe gegründet. Innert weniger Jahre gelang es ihm, aus der kleinen Software-Schmiede ein IT-Powerhaus aufzubauen, das inzwischen über 2'000 Angestellte hat und rund eine halbe Milliarde Umsatz macht. Der Sohn spanischer Einwanderer hat hohe Ziele. Er will die Bankenbranche revolutionieren. Mit mehr als 150 Banken weltweit als Kunden, die Avaloq-Software nutzen, ist es Fernandez bislang immerhin gelungen, einen weltweiten Standard in der Banken-IT zu schaffen. Wenn es um die Digitalisierung von Geschäftsprozessen geht, kommen Privatbanken um ihn nicht herum. Avaloq hat seinen Sitz in Zürich, mit Niederlassungen in Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Luxemburg, Hongkong und Singapur.

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NEWS GANZ KURZ

Euler Hermes

Der Spezialist für Kreditversicherungen mischt auch am Gotthard mit: Die von Euler Hermes versicherten Tunnelbohrmaschinen Sissi, Heidi, Gabi 1 und Gabi 2 haben den Grundstein gelegt für den neuen Eisenbahntunnel, der am 1. Juni 2016 eröffnet wird.

Axa Winterthur

Ab sofort bietet die AXA Winterthur in Zusammenarbeit mit Twint ihren Kunden eine mobile Zahlungslösung an. Anders als bei bisherigen Partnern des Mobile-Payment-Anbieters sollen jedoch vorerst nicht die Kunden ihre Rechnungen über die Zahlungs-App begleichen, sondern im Gegenteil von schnellen, einfachen und bargeldlosen Auszahlungen ihres Versicherers profitieren.

Swiss Life

Der Schweizer Lebensversicherer hat das Franz-Carl-Weber-Haus an der Bahnhofstrasse 62 in Zürich gekauft. Die Immobilie gehörte zuvor dem ehemaligen Denner-Eigentümer Philippe Gaydoul. Der Preis beläuft sich Schätzungen zufolge auf 230 Millionen Franken.

Raiffeisen

Die Zertifizierung der Energieeffizienz von Gebäuden erfährt in der Schweiz laut Raiffeisen breite Unterstützung. Die genossenschaftlich organisierte Bank und grösste Hypothekengeberin der Schweiz trägt dem Rechnung und bietet neu eine energetische Immobilienbewertung in der Hypothekenberatung an.

Profidata

Profidata, der Softwaredienstleister für Finanzunternehmen, hat in Deutschland die Abraxas übernommen. Abraxas ist spezialsiert auf die Konsolidierung und Qualitätssicherung von Finanzmarktdaten, Marktgerechtigkeitsprüfungen und Fair-Value-Berechnungen.

SigFig

Der amerikanische Robo-Advisor, an dem sich kürzlich auch die UBS beteiligte, hat eine weitere Finanzierungs-Runde erfolgreich hinter sich gebracht. Von diversen Investoren, darunter die Schweizer Grossbank und die spanische Banco Santander, löste SigFig rund 40 Millionen Dollar.

State Street

Der US-Asset-Manager State Street ist in Genf zum offiziellen Research Partner des International Forum of Sovereign Wealth Funds gewählt worden. Eines der ersten Forschungsprojekte sind langfristige Anlagestrategien.

Unicredit

Unicredit steigt in den Schweizer ETF-Markt ein. Die italienische Bank emittiert zwei ETFs an SIX Swiss Exchange und übernimmt für diese auch das Market Making. Damit wächst die Zahl der ETF-Anbieter an SIX Swiss Exchange erstmals auf 22 und die Produktauswahl steigt auf einen neuen Höchststand von 1‘240 Produkten.

Swisscard

Die Kreditkarten-Tochter der Grossbank Credit Suisse emittiert weitere so genannte Asset Backed Securities (ABS) zur eigenen Refinanzierung. Die neue Transaktion im Umfang von 200 Millionen Franken besteht aus drei Tranchen mit einer Laufzeit von drei Jahren, die an der SIX kotiert werden.

Credit Suisse

Die mächtige Rating-Agentur Fitch zieht der Schweizer Grossbank Punkte ab. Das Langzeit-Bonitäts-Rating senkt die Agentur dazu um eine Stufe auf A- von bislang A gesenkt. Der Ausblick wird auf «stabil» von «positiv» revidiert. Die Rating-Abstufungen begründet Fitch mit der Anfälligkeit des Geschäftsmodells der Bank gegenüber den gestiegenen Herausforderungen an den Kapitalmärkten.

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