Apple-Bezahl-App: Gretchenfrage für Banken

Es wird ernst: Apple führt Gespräche mit US-Bankriesen wie J.P. Morgan, Wells Fargo und U.S. Bancorp über die Einführung eines mobilen Bezahlservices, wie das «Wall Street Journal» (Artikel bezahlpflichtig) kürzlich berichtet hat.

Dieser kann den Transfer von Bargeld, aber auch Kreditkarten und Schecks überflüssig machen. Für Marktbeobachter ist klar: Drängt Apple in den sogenannten «P2P»-Sektor (peer-to-peer), wäre dies jener disruptive Zug, den die Bankenbranche so fürchten muss.

Drei Bezahl-Apps im Wettstreit

In der Schweiz ist die Bankenlandschaft daran, sich gegen solche Angriffe zu rüsten. Mit Paymit, Twint und ab nächstem Jahr auch SwissWallet kämpfen drei Apps um die zukünftige Standardlösung.

Im Paymit-Boot sitzen die Powerplayer UBS, Zürcher Kantonalbank, Raiffeisen mit weiteren Banken und den IT-Spezialisten SIX und Swisscom. Twint ist die Lösung von Postfinance, Valiant, BEKB und weiteren Instituten sowie dem Detailhandelsriesen Coop und möglicherweise bald auch Migros.

Die Apps werden bereits von Zehntausenden von Schweizer Bankkunden genutzt. Wenn Apple allerdings mit einer eigenen, integrierten Lösung kommt, wird der Wettbewerb um die Schweizer Standardlösung neu lanciert.

Denn eines ist klar: Apple und seine iOS-Plattform sind mit dem Schweizer Konsumalltag bereits eng verzahnt. Und Apple kann Anwendungen bauen, deren Nutzerfreundlichkeit neue Standards setzen.

Banken müssen die Vor- und Nachteile einer Apple-Anwendung abwägen. Hier sind sie.

Die Vorteile

1. Sicherheit schafft Vertrauen
Apple hat bislang sehr hohe Sicherheitsstandars bewiesen und über die Jahre hinweg ein Vertrauen bei Konsumenten aufgebaut, das weder Konkurrenten bei den Bezahl-Services wie Facebook oder Google erreichen noch Banken. Apple ist ein Pionier des digitalen Bezahlens und hält mit seiner iTunes-Plattform noch immer den Industriestandard.

2. Unschlagbar im Kundenfokus
Kaum eine andere Firma fokussiert mit Produkten und Dienstleistungen dermassen auf den Kunden und seine Bedürfnisse wie Apple. Insbesondere Banken haben bezüglich Kundenbedürfnisse, entgegen allen Bemühungen und Beteuerungen, gerade im digitalen Bereich ein riesiges Nachholbedürfnis. So gross, dass sie auf Apple setzen könnten, anstatt eigene Bezahllösungen zu entwickeln.

3. Gleich aufs richtige Pferd setzen
Apple hat eine Geschichte als sogenannter «Disintermediator». Durch den stetigen Aufbau eines digitalen Ökosystems ist es dem Konzern mehrfach gelungen, Wertschöpfungsketten aufzubrechen und Intermediäre auszuschalten, beispielweise im Musik oder im Filmgeschäft. Banken könnten darum entscheiden, gleich auf dieses Pferd zu setzen als es zu bekämpfen.

4. Die Intergrationsmöglichkeiten
Nur Apple hat als Produzent des iPhone alle Möglichkeiten eine Bezahl-App so in ein mobiles Gerät zu integrieren, dass sie Teil der gesamten Nutzererfahrung wird. Apple könnte die Bezahllösung beispielsweise in den iMessage-Service einbauen. Ausserdem hat Apple die Möglichkeit, eine P2P-Lösung durch Software-Updates auch auf ältere iPhones zu laden. Andere Anbieter können nur eine entsprechende App bauen und in den Store stellen.

5. Apple will keine Gebühren
Apple würde gemäss Medienberichten von den Banken keine Gebühren verlangen, sollten sie die Bezahllösung unterstützen und bei ihren Kunden fördern. Der kalifornische Konzern sieht in einer eigenen Bezahllösung vor allem das Potenzial, noch mehr Nutzer auf die eigene IT-Plattform und die Apple-Welt zu locken.

Die Nachteile

1. Der Rückstand von Apple
Mit Paymit, Twint und bald auch mit SwissWallet ist der Schweizer Markt für mobile Bezahllösungen schon intensiv in Bearbeitung. Worauf die Schweizer Anbieter hoffen können, ist der sogenannte «Lock-in»-Effekt: Hat sich ein Benutzer einmal für eine Dienstleistung entschieden und sich daran gewöhnt, ist er von einem alternativen Angebot nur sehr schwer zu überzeugen.

2. Die geschlossene Apple-Welt
Sie ist aus Sicht der Banken ein klarer Nachteil. Eine mobile Apple-Bezahllösung funktioniert nur auf Apple-Geräten beziehungsweise mit dem iOS-Betriebssystem. Weltweit ist das Android-System von Google aber viel weiter verbreitet. Es verfügt weltweit über einen Marktanteil von annähernd 80 Prozent, der von Apple ist tiefer als 20 Prozent. In der Schweiz liegen beide Anbieter in etwa gleich auf.

3. Die Tapit-Erfahrung
Mit der mobilen Bezahllösung Tapit hat die Swisscom Schiffbruch erlitten – weil Apple das iPhone 6 für den Dienst nicht öffnete. Apple agiert immer aus Eigennutz, so die Lehre daraus. Das könnte Banken davon abhalten, sich mit dem IT-Riesen einzulassen.

4. Apple ist unberechenbar
Die Banken soll es zwar nichts kosten, wenn ihre Kunden die mobile Bezahllösung von Apple nutzen würden. In der Vergangenheit hat Apple aber mehrfach bewiesen, dass Vereinbarungen und Bedingungen aufgelöst und geändert werden können. Medienkonzerne können ein Lied davon singen. Apple ist dermassen mächtig, dass es sich diese Unberechenbarkeit leisten kann. Ob Banken sich diese auch leisten wollen, ist fraglich.

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