Vontobel: Die Puzzleteile der Zukunft

Nach dem Tod von Ehrenpräsident Hans Vontobel hat sich Aktionärsfamilie beeilt zu erklären, sie halte am Unternehmen fest. Das Bekenntnis lässt Spielraum offen. Hier sind die möglichen Szenarien.

1. Die Familie Vontobel folgt dem Beispiel der Familie Bär

Die Vorteile eines Familienunternehmens liegen auf der Hand: Das Aktionariat bürgt für Stabilität, und die Strategie ist von langfristigen Absichten bestimmt – was die Risiken mindert. Das stimmt auch im Fall von Vontobel. Rund 62 Prozent des Aktienkapitals kontrolliert die Familie; knapp 46 Prozent durch einen Aktionärsbindungsvertrag und weitere 16 Prozent durch freie Aktien. 

Jahr für Jahr streicht die weit verzweigte Familie Dividenden ein. Ansonsten kümmert sie sich eher wenig um die Bank. Das ändern auch die Mitglieder im Verwaltungsrat nicht, welche die Familie vertreten. Die Frage lautet: Was geschieht, wenn die Dividenden nicht mehr so üppig sprudeln? Hält die Familie dann weiterhin zur Bank, oder sucht sie einen Verkauf?

Die Vontobel-Eigner werden die Veränderungen bei Julius Bär genau beobachtet haben. Deren Eignerfamilie wirkte lange wie ein Hemmschuh in der Entwicklung der Privatbank. Mit ihrem Teilrückzug aus dem Aktionariat ist Julius Bär unter der Führung des quirligen Boris Collardi deutlich dynamischer geworden. So ist es denkbar, dass der Aktionärsbindungsvertrag bei Vontobel Ende 2017 nicht erneuert wird, und die Familie Teile ihres Pakets veräussert. Das könnte eine neue Dynamik innerhalb der Bank auslösen.

2. Das Investment-House trotzt allen Fliehkräften

Mit einem dominanten Asset Management, einem relativ kleinen Private Banking sowie einer Investmentbank, die vorab Strukturierte Produkte verkauft, nimmt sich die Bank Vontobel nach aussen hin als buntscheckiger Haufen aus.

Doch Vontobel selber versteht sich selber als so genanntes Investment House – mit dem einen Auftrag, privaten und institutionellen Kunden aktive Vermögensverwaltungs-Dienste anzubieten. Jede der drei Sparten hat in dieser Strategie ihren integralen Part zu spielen. Jedenfalls so lange, wie die Strategie Gültigkeit hat.

Dies dürfte nicht zu knapp von zwei Personen in der Bank abhängen: CEO Zeno Staub und Präsident Herbert Scheidt. Beide sind bekanntermassen Fans des Asset Management und haben das Prinzip des Investment House verinnerlicht. Ohne die «Klammer» von Staub und Scheidt besteht die Gefahr, dass Partikularinteressen gegenüber der übergeordneten Strategie die Oberhand gewinnen.

3. Das Private Banking wird verkauft

Im Wealth Management stehen bei Vontobel seit geraumer Zeit zwei Fragezeichen: Wo bleibt das Wachstum? Wo bleibt die signifikante Übernahme? Das Geschäft mit vermögenden Privatkunden ist von allen drei Vontobel-Standbeinen mit Abstand das schwächste.

Die Übernahme der italienischen Finter Bank wird an diesem Ungleichgewicht im Geschäftsmix nichts ändern. Vontobel-CEO Staub kaufte Finter, um über die vormaligen Besitzer, die Mailänder Pesenti-Familie, an reiche italienische Kunden heranzukommen.

Ob dieser Plan jemals aufgeht, steht in den Sternen. Dass der notorisch risikoscheue Staub eine grössere Übernahme tätigt, um die verwalteten Vermögen im Wealth Management substanziell zu erhöhen, ist unwahrscheinlich.

Mit rund 30 Milliarden Franken an Kundengeldern ist die Division indessen zu klein zum Leben und zu gross zum Sterben. Ein Verkauf wäre darum eine logische Konsequenz – und potenzielle Käufer gäbe es in der Schweiz durchaus.

4. «deritrade» – Kleinod für hungrige Familien-Aktionäre

Eindeutig am innovativsten war die Vontobel-Gruppe in den vergangenen Jahren mit «deritrade», einer Online-Plattform für Strukturierte Produkte. Damit setzte die Bank neue Massstäbe in der Schweiz und bietet der Konkurrentin Leonteq bis heute paroli.

Allerdings ist diese Abteilung unter der Leitung des früheren UBS-Derivate-Spezialisten Gerhard Meier innerhalb der ganzen Gruppe vergleichsweise klein. Kommt hinzu, dass «deritrade» im Wachstumsmarkt Asien nicht vom Fleck kommt. Gut möglich, dass die Plattform, losgelöst vom Konzern, unabhängiger, unternehmerischer und damit auch erfolgreicher agieren könnte.

Vor rund zwei Jahren hat Vontobel tatsächlich eine Abspaltung respektive einen Management-Buyout von «deritrade» geprüft, wie Recherchen von finews.ch ergaben. Diesen Plan hat die Bank aber wieder verworfen, weil der Plattform noch der Leistungsausweis fehlte.

Nun ist die Situation anders: Sollten manche Aktionäre der Familie Vontobel Veränderungen respektive Kapital einfordern, wäre es gut denkbar, in den nächsten 18 Monaten mit «deritrade» einen Spin-off zu machen. Interessenten gäbe es genug, zumal die Plattform laufend neue Innovationsschritte macht – zuletzt ein Entscheidungsinstrument namens «deritrade SmartGuide», das, vereinfacht gesagt, wie ein RoboAdvisor für Strukturierte Produkte funktioniert. 

5. US-Geschäft als begehrtes Übernahmeziel

Obschon der US-Steuerstreit noch nicht abgeschlossen ist, erkennen Schweizer Banken den grössten Vermögensverwaltungs-Markt der Welt bereits wieder als Eldorado. Zu den «First-Mover» in dieser Disziplin gehört die Bank Vontobel, die mit einer SEC-lizenzierten Einheit das Geschäft in den vergangenen fünf Jahren laufend ausgebaut hat. Mittlerweile ist die Abteilung in der Lage, US-Kunden sowohl in den USA wie auch «offshore» aus der Schweiz heraus zu betreuen.

Solche Fähigkeiten sind begehrt, zumal auch unter den rund 40 Schweizer SEC-lizenzierten Amerika-Gesellschaften eine Konsolidierung erwartet wird. Entsprechend hätte Vontobel bei einer Aufteilung der Gruppe ein Los in der Hand, um das sich viele Käufer reissen würden.

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NEWS GANZ KURZ

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

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