Schweizer Regionalbanken zwischen Bodenständigkeit und Fintech

Marianne Wildi, CEO Hypothekarbank Lenzburg

Marianne Wildi, CEO Hypothekarbank Lenzburg

Die Regionalbanken sind ein zentraler Bestandteil des Finanzplatzes. Doch wie gehen sie mit Veränderungen um, die ihr Geschäft erschweren? Der Branchentalk «Regionalbanken» lieferte Antworten dazu.

Von den grossen Umwälzungen in der Finanzbranche bleiben auch die Schweizer Regionalbanken nicht verschont. Das offenbarte sich am jüngsten Branchentalk «Regionalbanken», den das Online-Netzwerk «schweizeraktien.net» am Dienstag bereits zum dritten Mal in Zürich veranstaltete. finews.ch war Medienpartner.

Zwar sind die Regionalbanken kapitalmässig immer noch sehr gut unterwegs und verfügen über eine treue Klientel. Doch die generell steigenden Kosten, die sich wandelnden Kundenbedürfnisse sowie die fortschreitende Technologisierung setzen alle Institute enorm unter Druck.

Schwieriges Umfeld

Die Zinsmarge, die in den vergangenen kontinuierlich gesunken ist (vgl. nachstehende Grafik) illustriert diese Entwicklung gut. Angesichts des anhaltenden Tief- respektive Negativzins-Umfelds deutet auch nichts darauf hin, dass sich an diesem Trend in absehbarer Zeit etwas ändern dürfte.

Zinsmargen 500

«Das hat zur Folge, dass Verlängerungen und Neugeschäfte zu deutlich tieferen Konditionen als noch vor Jahresfrist abgeschlossen werden müssen», erklärte Thomas Vettiger, Mitgründer und Managing Director der Schweizer Beratungsgesellschaft IFBC, die auch eine entsprechende Erhebung bei den Regionalbanken durchgeführt hat (folgt in einem zweiten Beitrag).

Hoffnung Firmenkundengeschäft

Vor diesem Hintergrund sind die Schweizer Regionalbanken mehrfach gefordert. Dabei gibt es vor allem zwei Themen, die anzupacken sind. Erstens der Umgang mit der Digitalisierung – sowohl an der Kunden-Schnittstelle als auch bei der Ausgestaltung interner Prozesse.

Zweitens müssen die Banken ihre Ertragsdiversifikation vorantreiben; dies war denn auch das zentrale Thema der Veranstaltung, indem die Diskussionsteilnehmer die Chancen und Risiken im Firmenkundengeschäft erläuterten.

Banker als Sparringpartner

Angesichts der hohen Anzahl an kleinen und mittelgrossen Unternehmen (KMU) – etwa 550'000 Firmen in der Schweiz – sei das Firmenkundengeschäft für Regionalbanken, die traditionell eine hohe Kundennähe aufweisen würden, überaus interessant, erklärte der emeritierte Zürcher Finanzprofessor und Migros-Bank-Verwaltungsrat Rudolf Volkart eingangs. Das Firmenkundengeschäft verfüge als solide, wenig volatile und margenstarke Aktivität grosse Chancen zu überschaubaren Risiken.

Der Kundenberater müsse sich heute allerdings als Sparringpartner seiner Kunden verstehen und die erforderlichen Ansätze anwenden, um das jeweilige Geschäftsmodell und die strategischen Absichten eines Unternehmens zu erfassen, betonte Karin Lenzlinger, die als Verwaltungsrats-Delegierte der Firma Lenzlinger Söhne die Sicht der KMU-Klientel vertrat.

Finanzierungsmöglichkeiten im Verbund

Daniel Grünenwald, Leiter Firmenkunden Nord bei der Clientis Zürcher Regionalbank, wies darauf hin, dass sich bereits acht Clientis-Banken für Konsortialkredite zusammengeschlossen hätten. Sie könnten so ihrer Kundschaft Dienstleistungen anbieten, wie sie im Alleingang kaum möglich wären.

In einem nächsten Schritt will die Clientis Zürcher Regionalbank, immerhin die grösste Regionalbank im Kanton Zürich, die mit 13 Filialen im Zürcher Oberland, am rechten Zürichsee-Ufer und in der Stadt Zürich präsent ist, ein so genanntes Syndizierungs-Desk aufzubauen, das den Firmenkunden weiter Finanzierungsmöglichkeiten erschliessen soll. 

Kleine nicht vernachlässigen

Uneinigkeit unter den Diskussionsteilnehmern herrschte bei der Definition der Digitalisierung. Soll es sich dabei um Automation, um Fintech oder um Industrialisierung handeln?

Marianne Wildi, Chefin der Hypothekarbank Lenzburg (Hypi) und gleichzeitig die einzige CEO einer kotierten Bank in der Schweiz, zeigte auf, wie selbst eine Regionalbank («Wir sind selber ein KMU») mit eigenen Entwicklungen, aber auch mit Partnern eine ganze Palette an Online-Dienstleistungen anbieten kann.

Gleichzeitig unterhält die Bank mittlerweile aber auch ein eigenes Innovations-Labor. Wildi betonte indessen, dass trotz der ganzen Automatisierung die Regionalbanken die Kreditvergabe an kleinste, lokale Firmen – beispielsweise an Coiffeurgeschäfte – nicht vernachlässigt dürften.

Regionale Unternehmer-Zentren

Urs Gauch, der gut dreissig Jahre als Firmenkundenspezialist im Sold der Credit Suisse stand, leitet seit kurzem das Firmenkundengeschäft der Schweizer Raiffeisen-Gruppe. Er erklärte ein, dass es in den nächsten Jahren zu einer weiteren Reduktion der Bankfilialen in der Schweiz kommen werde – allein bei der Raiffeisen geht er davon aus, dass die Anzahl der Geschäftsstellen von aktuell knapp 1'000 auf 800 sinken wird.

Umgekehrt sieht Gauch ein enormes Potenzial im Firmenkundengeschäft, sofern es innovativ betrieben werde, zumal gerade die Regionalbanken – und damit auch die 292 eigenständigen Raiffeisen-Genossenschaftsbanken – eine einzigartige Nähe zu den KMU hätten. Gauch verwies denn auch auf die Raiffeisen-Unternehmer-Zentren (RUZ), welche die Bank seit geraumer Zeit anbietet.

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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