Credit Suisse: Machenschaften in Mosambik

Trimaran Ocean Eagle

Ein bankrotter Staat, eine Fischfang-Flotte, High-Tech-Patrouillenboote, kurzum ein internationaler Skandal – und im Mittelpunkt ein Credit-Suisse-Banker.

Exakt 1,35 Milliarden Dollar Staatsschulden hat Mosambik nicht deklariert. IWF-Chefin Christine Lagarde witterte im vergangenen Mai Korruption in der Regierung von Mosambik. Der mausarme ostafrikanische Staat steckt in aktuen Zahlungsnöten – Investoren sind vor den Kopf gestossen.

Ein maritimes Grossprojekt

Denn das nun geschuldete Geld stammte grösstenteils von der Credit Suisse (CS): Die Schweizer Grossbank finanzierte für die mosambikanische Staatsfirma Ematum zusammen mit der russischen Bank VTB eine Anleihe über 850 Millionen.

Für eine weitere Staatfirma namens Proindicus flossen von der CS weitere 622 Millionen Dollar. Nochmals 535 Millionen Dollar gingen an Mozambique Asset Management.

Ein holpriger Start

Die Mittel investierten die Staatsfirmen in den Aufbau einer Thunfisch-Fangflotte, Patrouillenboote zum Schutz von Fischereigründen und Offshore-Öl- und Gasfirmen sowie Überwachungssysteme, Training für die Crews sowie Hafenlogistik und Unterhalt.

Das Projekt, das die Wirtschaft Mosambiks in Schwung bringen sollte, hatte einen holprigen Start. Die Einnahmen aus dem Thunfisch-Fang blieben weit hinter den Zielen zurück.

Schulden nicht bedienen

Noch in diesem Jahr lagen die Fangboote zeitweise gemäss Nachrichtenagentur «Reuters» im Hafen der Hauptstadt Maputo vor Anker, weil Mosambik die Schulden bis heute nicht bedienen kann und Geld für den Betrieb fehlte. Inzwischen sollen die Schiffe aber wieder auf Fang gehen.

Doch die Nichtdeklaration der Schulden durch Mosambik und die Rolle der CS und der VTB Bank als Gläubiger hat sowohl britische Regulierungsbehörden wie auch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) auf den Plan gerufen. Zu viel an der Affäre riecht «fischig».

Franko-libanesischer Milliardär

An einer der Kreditvergaben an Mosambik war zunächst auch ein CS-Banker namens Andrew Pearse beteiligt, wie die lokale Newsseite «Zitamar» diesen Mai enthüllte. Der Neuseeländer arbeitete bis im Juni 2013 in der CS-Investmentbank. Zwei Tranchen des Proindicus-Kredits waren zu diesem Zeitpunkt bereits gesprochen, eine weitere floss im November.

Pearse ging nach seinem Abgang bei der CS Geschäftsbeziehungen mit dem franko-libanesischem Milliardär Iskandar Safa ein. Er wurde Teilhaber einer Offshore-Firma namens Palomar, an der auch die Privinvest beteiligt ist, die von Safa mitkontrolliert wird.

Millionentransfer

Ebenfalls im Jahr 2013 transferierte Mosambik rund 835 Millionen Dollar an den arabischen Golf zu einer Schiffbau-Firma namens Abu Dhabi Mar, zu der die französische Werft Constructions Mécaniques de Normandie (CMN) gehört. Grossaktionärin von Abu Dhabi Mar ist die Privinvest.

Im Herbst 2013 besiegelten Frankreichs Präsident François Hollande und Armando Guebuza, damals sein Amtskollege in Mosambik, einen Multimillionen-Auftrag für die CNM, rund 70 Schiffe zu bauen, darunter auch drei Trimaranboote namens Ocean Eagle.

Der Auftrag beinhaltete auch weitere technische Ausrüstung sowie Training der künftigen Crews. Auf den Bildern der händeschüttelnden Präsidenten ist stets auch Safa präsent – hier noch mit einem Modellboot.

Iskandar Safa

Pearse gründete noch im selben Jahr eine Reihe von Palomar-Firmen: Unter anderen die Palomar Natural Resources sowie die Palomar Capital Advisors in Zürich. Eine weitere Zürcher Firma, die Ende 2013 gegründete Palomar Advisors, ist gemäss Handelsregister seit vergangenem März bereits wieder gelöscht.

Eine Palomar-Firma in Liechtenstein, in der Pearse Verwaltungsrat war, befindet sich ebenfalls in Liquidation.

Ex-CS-Banker Pearse sagte gegenüber finews.ch, es gebe keinerlei Interessenskonflikt zwischen seiner Tätigkeit bei der Grossbank und seinem Engagement bei der Privinvest-Tochter Palomar. Er sei nach seiner eingereichten Kündigung bei der CS im Januar 2013 am Prozess der Bewilligung des Proindicus-Kredits nicht beteiligt gewesen. Die Anleihe für Ematum sei vom Capital-Markets-Team strukturiert worden, wo er nicht gearbeitet habe.

Unrealistische Fangziele

Für die in Frankreich gebauten Boote, Systeme und Infrastruktur gab das Land insgesamt 1,12 Milliarden Dollar aus – mit Hilfe der CS.

Ematum, das staatliche Unternehmen, welches die Anleihen nicht zurückzahlen kann, baute seine Thunfisch-Pläne auf unrealistischen Fangzielen auf.

Geld abgezweigt

Ausserdem war den Käufern der Anleihen vorenthalten worden, dass Ematum das Geld nicht nur in die Thunfisch-Fangflotte stecken würde, sondern die Regierung von Mosambik Geld für ihr Verteidigungsbudget abzweigte.

Die Anleihen, welche die CS für Ematum emittierte, hatten die Garantie des Staates Mosambik, was Investoren in Sicherheit wiegen sollte. Und sie waren mit einem Zins von 8,5 Prozent für High-Yield-Investoren gerade richtig.

Gläubiger erfuhren erst nachher von Krediten

Zum grossen Ärger dieser Investoren hatte die CS diesen vorenthalten, dass sie Mosambik weitere Kredite vergeben hatte. Dies erfuhren die Gläubiger erst Ende März dieses Jahres, nachdem sie einer Umschuldung zugestimmt haben.

Ob die CS durch den Zahlungsausfall Mosambiks selber auch zu Schaden kommt, ist ungewiss. Die russische VTB musste bereits einen Ausfall von 178 Millionen Dollar beklagen.

Derweil ging der Internationale Währungsfonds (IWF) vergangene auf eine Mission in Mosambik, um den insgesamt 2 Milliarden Dollar nachzuspüren.

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Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

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