Die Credit Suisse ist in den USA eine riesige Sorge los

Das Lake Las Vegas Resort

Credit-Suisse-CEO Tidjane Thiam ist im Kampf mit den Altlasten der Grossbank ein Problem losgeworden. Geholfen hat ihm ein Richter im US-Bundesstaat Idaho.

Von Justin L. Quackenbush hat Tidjane Thiam, der Chef der Credit Suisse (CS), bislang wohl noch nie etwas gehört. Das hat sich in dieser Woche geändert. Denn Quackenbush ist Richter im US-Bundesstaat Idaho und hat eine Klage über 24 Milliarden Dollar gegen die CS abgewiesen, wie unter anderem das «Wall Street Journal» berichtete.

Die CS wird von Thiam und seinem Managementteam derzeit einer strammen Fitness- und Umbaukur unterzogen – gleichzeitig müssen in hoher Geschwindigkeit Altlasten aus den Zeiten des Hochrisiko-Bankings abgebaut werden.

Hypotheken an Besitzer, Risiko an Investoren

Eine dieser Altlast ist ein Hypotheken-Geschäft, welches findige CS-Investmentbanker miterfunden und überall in den USA an Besitzer und Entwickler von Luxus-Ferienresorts verkauft haben.

Das Geschäft heisst «Dividend Recapitalisation Loan»: Die CS ermöglichte den Resort-Besitzern die Aufnahme einer Art Hypothek meist in der Höhe von mehreren hundert Millionen, während das Risiko an neue Investoren übertragen wurde.

Luxus-Resorts in den gesamten USA

Die CS kassierte dabei immer mit. In der Finanzkrise platzten diese Hypotheken reihenweise und die Investoren verloren Milliarden von Dollars, die Resorts gingen teilweise Pleite oder mussten zwangsvollstreckt werden.

Geplatzte, von der CS vergebene Kredite waren beispielweise 375 Millionen Dollar für den Yellowstone Club im US-Bundesstaat Montana, 250 Millionen Dollar für das Tamarack-Resort in Idaho, 540 Millionen Dollar für eine Golfanlage bei Las Vegas, 400 Millionen Dollar für das Turtle Bay Resort auf Hawaii und 675 Millionen Dollar für Ginn Resorts in Florida, North Carolina und auf den Bahamas.

Inflationäre Preise

Die Höhe der vergebenen Kredite basierte auf Preisschätzungen der jeweiligen Anlagen, die vom Immobilienberater Cushman & Wakefield gemacht worden waren, mit welchem die CS auch heute noch zusammenarbeitet.

Die Berater sahen sich Vorwürfen ausgesetzt, den Wert der Resorts deutlich zu hoch angesetzt zu haben. Die Preise kollabierten sämtlich mit Ausbruch der Finanzkrise.

3'000 Kläger

Im Jahr 2010 ging die Schadenersatzklage von über 24 Milliarden Dollar ein. Rund 3'000 Immobilienbesitzer und Investoren hatten sich zusammengetan. Inhalt der Klage: Die CS habe – mit Hilfe von Cushman & Wakefield, die entsprechenden Anlagen während des Immobilienbooms mit Schulden überhäuft, um beim Crash die Vermögenswerte zu beschlagnahmen und verkaufen zu können.

Insgesamt 8 Milliarden Dollar hatten die Kläger verloren, sie verlangten das Dreifache an Wiedergutmachung.

Der Richter sah es anders

Richter Quackenbush beendete den sechs Jahre dauernden Rechtstreit mit einer 45-seitigen Begründung. Im Kern widerlegte der Richter die Anschuldigung der Kläger, die CS habe die Resorts in ihren Besitz bringen wollen. Die Bewertungen von Cushman & Wakefield seien zudem nicht die Ursache für die Verluste gewesen.

Zudem hätten die Kläger nicht beweisen können, dass es die CS mit ihren Krediten war anstatt des Immobilienkollapses, welche die Resortpleiten verursacht habe.

Höhere Bewertung, höherer Kredit

Das Bewertungsmodell, welches die CS und ihre Gutachter angewendet hatten, wich von den Standards ab, indem zukünftig erwartete Erträge in den Preis mit einrechnet wurden. Entsprechend waren die Bewertungen der Resorts und Luxus-Immobilien höher, was wiederum die Ausstellung höherer Belehnungen ermöglichte.

Tatsächlich gelangte die CS nach dem Immobiliencrash zu Discountpreisen in Besitz einiger der Immobilien.

Weiterer Fall hängig

Ganz abgearbeitet ist diese Altlast aber noch nicht. Hängig ist noch eine Klage des Hedgefonds Highland Capital Management gegen die CS wegen des Las-Vegas-Golfresorts. Im vergangenen Herbst hatte ein Gericht die CS zu einer Zahlung von 288 Millionen Dollar verteilt. Die Bank ging gegen dieses Urteil in Berufung.

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DigitalZurich2025, die Standortinitiative für digitale Innovation, wird zu «digitalswitzerland» umbenannt und damit auf die ganze Schweiz ausgeweitet. Zudem lanciert sie mit «Education Digital» eine Webplattform zu relevanten Aus- und Weiterbildungen rund um das Thema Digital.

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