Die SNB besitzt mehr Facebook-Aktien als Mark Zuckerberg

Mark Zuckerberg, CEO Facebook

Die anhaltend expansive Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zeitigt Folgen: Die SNB besitzt nun mehr handelbare Aktien von Facebook als der Gründer des sozialen Netzwerkes Mark Zuckerberg. Dies hat die Nachrichtenagentur «Reuters» ausgerechnet.

Nun kontrolliert Zuckerberg seine Firma nicht über handelbare Aktien, sondern über eine eigens dafür konstruierte Klasse von Anlageinstrumenten. Dennoch illustriere das Beispiel, dass die SNB in den letzten Jahren zu einem der grössten Aktieninvestoren aufgestiegen ist, so «Reuters»; alles mit dem Ziel vor Augen, die Aufwertung des Franken zu begrenzen.

Achtgrösster öffentlicher Investor

Die Geldpolitik- und Anlagestrategie der Schweizer Währungshüter erregt zunehmend mehr internationale Aufmerksamkeit und auch unverhohlene Kritik. Im Bericht «Global Public Investor 2016» des Official Monetary and Financial Institutions Forum nimmt die SNB nun den achten Platz im Ranking der grössten öffentlichen Investoren ein.

Die Bilanz der SNB ist in Relation zum Bruttoinlandprodukt inzwischen mit Abstand die grösste aller Notenbanken.

Allein 100 Milliarden in einem Jahr

Hielt die SNB im Jahr 2010 noch 226,7 Milliarden Franken in Fremdwährungen, so belief sich der Geldberg per Ende Juni 2016 auf 635,3 Milliarden Franken. Das heisst, dass die Notenbank allein in den letzten zwölf Monaten ihre Fremdwährungsreserven um rund 100 Milliarden Franken erhöht hat.

Weil der Bondmarkt zunehmend überbewertet ist und Risiken birgt (andere Notenbanken wie die EZB sind in diesem Markt aus geldpolitischen Gründen rege Käufer), hat die SNB ihr Aktienportfolio massiv ausgebaut.

Auf Aktien

Gemäss Berechnungen von «Reuters» wuchs dieses doppelt so schnell an wie die Bilanz der SNB selber. In den letzten zwölf Monaten sei das Portfolio um 41 Prozent auf 127 Milliarden Franken angeschwollen.

Gemäss Daten der US-Aufsichtsbehörde SEC ist die SNB inzwischen ein gewichtiger Wall-Street-Investor geworden mit US-Aktien im Portfolio in der Höhe von über 62 Milliarden Dollar im Vergleich zu 38,6 Milliarden im Jahr zuvor.

Davon hat die SNB 741 Millionen Dollar in Facebook investiert, womit sie 0,28 Prozent des sozialen Netzwerkes besitzt.

Aktienmärkte auf Höchstständen

SNB-Präsident Thomas Jordan hat verschiedentlich deutlich gemacht, dass er an der gegenwärtigen Geldpolitik inklusive der Negativzinsen und möglichen Interventionen festhalten werde, solange der Aufwertungsdruck auf den Franken bestehen bleibe.

Inzwischen hat der US-Aktienmarkt neue Rekordstände erreicht, was die Risiken im SNB-Portfolio höher scheinen lässt.

Geld drucken mit dünner Alpenluft

Jedenfalls im Urteil des US-Strategen James Grant. In einem Interview mit der «Finanz und Wirtschaft» hat der Herausgeber des bekannten Anlagebriefs «Grant's Interest Rate Observer» auf die aussergewöhnlichen Umstände der Aktienkäufe der SNB hingewiesen.

«Die SNB kreiert aus dünner Alpenluft Schweizer Franken, mit denen sie Euros kauft und diese dann weiter in Dollar umwechselt», so Grant. «Das alles ohne jegliche Anstrengung, nur mit dem Drücken auf ein paar Computertasten. Dann ruft sie ihren Broker des Vertrauens an – wahrscheinlich UBS – und geht an der US-Börse gross auf Einkaufstour.»

Beteiligungen mit Geld aus dem Nichts

Grant stört dabei nicht allein der Fakt, dass die Schweizerischen Nationalbank Geld druckt. Aussergewöhnlich sei, dass sie sich an grossen Unternehmen beteilige, die echte Gewinne erwirtschafteten. Und sie tue das «mit Geld, das aus dem Nichts erschaffen wurde.»

Schweizer Anlagestrategen gehen mit der SNB weniger hart ins Gericht. UBS-Ökonom Alessandro Bee sagte gegenüber «Reuters», die SNB müsse ihre Fremdwährungen halt irgendwo investieren. Weil der Anleihenmarkt nichts mehr hergebe, kaufe die SNB vermehrt Aktien.

Diversifikation ist, was zählt

Analyst Alexander Koch von der Raiffeisen Gruppe meint, das Risiko hoher Preisschwankungen im Bondmarkt sei höher als im Aktienmarkt. Die SNB könne ihr Portfolio durchaus noch erweitern.

Und Nannette Hechler-Fayd'herbe, Anlagestrategin der Credit Suisse, verteidigt die SNB, die Risiken im Anlageportfolio seien zu managen. Diversifikation sei wichtiger als die Gefahr eines Rückschlags an den Aktienmärkten.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

 

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Wie Goldman Sachs 1,2 Milliarden Dollar aus Libyen versenkte
  • Blackrock-Mitgründerin: «Asset Manager sind keine Banken»
  • Nullzins-Politik: Und sie funktioniert doch – sagt Mario Draghi
  • Europas Zukunft steht auf dem Spiel
  • Bankchef muss auf 41 Millionen Dollar verzichten
  • Wohnen wie Leonardo DiCaprio
mehr

Follow us

Follow finews.ch on Twitter Follow finews.ch on Facebook Follow finews.ch on Google+ Follow finews.ch on LinkedIn Follow finews.ch on Xing Follow finews.ch on Youtube Follow finews.ch on Instagram

Zürcher Bankenverband

Führende Vertreter der Schweizer Finanzbranche zum Thema Regulierung.

Beiträge lesen

Lohnvergleich

Lohnvergleich

Verdienen Sie genug? Vergleichen Sie doch mal Ihren Lohn.

zum Lohnvergleich

Newsletter

Newsletter-SymbolKostenlos abonnieren

Abonnieren Sie jetzt den finews.ch-Newsletter und Sie erhalten kostenlos 2x wöchentlich die wichtigsten News aus der Schweizer Finanzwelt per E-Mail.

SELECTION

«Die Quartalsergebnisse verfehlten die Erwartungen»

«Wegen der zunehmenden Regulierung»

Es gibt Finanz-Sprüche, die wir dauernd hören ? obwohl sie nichts sagen. Hier einige Highlights.

Selection

Selection

So «pimpen» Sie Ihr Profil

Banken suchen zunehmend in den sozialen Netzwerken nach geeigneten Mitarbeitern. Hier sind die Dos and Don'ts, die es dabei zu beachten gilt.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Gottex

Der Hedgefonds-Anbieter Gottex hat die Publikation seiner Halbjahreszahlen verschoben. Offenbar verzögern sich die Verhandlungen um eine zweite Finanzierungsrunde.

UBS

Die Grossbank UBS hat mit einer Zahlung von 15 Millionen Dollar an die US-Börsenaufsicht SEC ein Verfahren um den Verkauf komplizierter Derivate an Privatkunden beigelegt.

Avaloq

Der Bankensoftware-Entwickler Avaloq und die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) haben einen Vertrag zur Evaluierung einer zukünftigen Zusammenarbeit unterzeichnet. Bis zum Ende des ersten Quartals 2017 soll analysiert und erarbeitet werden, inwiefern die Umsetzung der Apobank-IT-Strategie mit der Avaloq Banking Suite möglich ist.

Deutsche Bank

Die Deutsche Bank will den britischen Versicherer Abbey Life an die Phoenix Life, eine Gesellschaft der Phoenix Group, verkaufen. Die nun geschlossene Vereinbarung sieht vor, dass Phoenix Life 100 Prozent von Abbey Life zum Preis von 935 Millionen Pfund erwirbt. Abbey Life ist derzeit Teil der Deutschen Asset Management.

Schwyzer Kantonalbank

Die Schwyzer Kantonalbank will mit neuen Fonds-Produkten finanzielle und ethische Ansprüche vereinen. Bis Ende 2016 erhebt die Bank auf die sogenannten Ethikfonds keinen Ausgabeaufschlag.

weitere News