Was die Bergbahnen von den Banken wünschen

Die rund 500 Seilbahnunternehmen sind zwar der Motor vieler Tourismusregionen. Dennoch plagen sie oft Finanzierungssorgen: Ein Handbuch erlaubt einen tiefen Einblick in eine Milliardenbranche.

Die Schweizer Bergbahnen investieren jedes Jahr 400 bis  500 Millionen Franken in die Modernisierung und Erweiterung ihrer Anlagen. Bei vielen Projekten stellt sich allerdings die Finanzierung als Engpass heraus. Ein in diesen Tagen erschienenes Handbuch Bergbahnfinanzierung gibt Tipps, wie man’s richtig machen kann.

Bergbahnfinanzierung – Wie man’s richtig macht...

Das Handbuch Bergbahnfinanzierung wurde von den beiden Professoren Christoph Lengwiler und Philipp Lütolf vom Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern – Wirtschaft im Auftrag von Seilbahnen Schweiz (SBS), dem Branchenverband der Seilbahnen, verfasst. Das Werk umfasst 286 Seiten und überrascht durch seine Praxisnähe und die vielen Fallbeispiele. Entsprechend dürfte es nicht nur bei den Bergbahnen selbst, sondern auch bei Beratern und bei den in der Bergbahnfinanzierung engagierten Banken auf Interesse stossen. Das Handbuch kann für 48 Franken unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! bestellt werden.

Bergbahnen – ein Spezialfall?

Die Bergbahnbranche weist einige Besonderheiten auf, welche die Finanzierung von Investitionsprojekten erschweren. Die Branche ist sehr investitionsintensiv und hat hohe Fixkosten. Deshalb wirken sich Umsatzschwankungen stark auf die Ertragslage aus. Gleichzeitig muss aufgrund der speziellen Situation der Branche (zum Beispiel saisonale Ausrichtung, Wetter- und Klimaabhängigkeit, Einfluss von Währungsschwankungen, Abhängigkeiten von der Entwicklung der jeweiligen Destination) mit Umsatzschwankungen gerechnet werden. Die Bergbahnen erbringen als touristische Infrastruktur der Region einen wirtschaftlichen Nutzen. Diese positiven externen Effekte schlagen sich jedoch in ihrer Erfolgsrechnung kaum direkt nieder. Die Finanzierung von Bergbahnen ist in diesem Umfeld mit Risiken verbunden. Dies ist einer der Gründe, weshalb seitens einzelner Banken eine gewisse Zurückhaltung festzustellen ist, wenn es um die Finanzierung von Bergbahnen geht.



Wunschkatalog der Bergbahnen an die Banken


Das Handbuch Bergbahnfinanzierung ist zwar aus der Optik der Bergbahnunternehmung geschrieben, welche ihre Finanzierungsprobleme lösen will. Aus dieser Sicht wünschen sich – gemäss den Autoren des Handbuchs – die Bergbahnen von den Banken

  1. verlässliche Finanzierungpartner mit längerfristiger Optik
  1. kompetente Gesprächspartner, welche mit der Branche und der Region vertraut sind
  1. rechtzeitige Erarbeitung von Finanzierungskonzepten für Grossprojekte
  1. Transparenz bei den Bonitätsbeurteilungen und Ratings
  1. verkraftbare Zinssätze und Amortisationspläne für die Kredite
  1. Finanzierungen mit längerfristigen Laufzeiten
  1. Vorschläge für Finanzierungsalternativen und Optimierungsmöglichkeiten durch die Bank
  1. Unterstützung bei der Realisierung von Eigenkapitalerhöhungen

 



 

Renditebahnen – Selbsterhalter – Zuschussbetriebe

Die erwähnten Besonderheiten führen dazu, dass nur die wenigsten Bahnen als klassische «Renditebahnen», bezeichnet werden können, welche sich für Finanzinvestoren als Investment eignen. Das Gros der Bergbahnen lässt sich am ehesten als «Selbsterhalter» beschreiben. Denn diese verfolgen als Ziel, ihre Existenz langfristig zu sichern, aus eigener Kraft Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen zu tätigen und den Aktionären das eingesetzte Kapital zu erhalten. Einige Bergbahnen müssen sogar als «Zuschussbetriebe» charakterisiert werden, da sie betriebswirtschaftlich nicht überlebensfähig sind, jedoch aufgrund ihrer regionalwirtschaftlichen Bedeutung durch die Gemeinden und durch private Initiativen mit finanziellen Beiträgen an Investitionen und den Betrieb am Leben erhalten werden.

Bedeutung einer guten Eigenkapitalbasis

Angesichts der besonderen Risiken und des langfristigen Zeithorizonts der Investitionen ist eine solide Kapitalbasis für die Bergbahnen ein Muss. Die getätigten Investitionen müssen über 15 bis 30 Jahre über den erwirtschafteten Cashflow zurückgeführt werden. Das Eigenkapital ist langfristiges Kapital und bildet damit quasi den Grundsockel für die Bergbahnfinanzierung. Ein hohes Eigenkapital reduziert die Belastung durch Fremdkapitalzinsen und -amortisationen. Es stellt auch einen Risikopuffer dar und erleichtert die Fremdfinanzierung. Bergbahnen sollten deshalb einen Eigenfinanzierungsgrad von mindestens 40 Prozent anstreben.

Aktionäre kommen aus dem Umfeld der Bahnen

Da nur wenige Bergbahnen in der Lage sind, klassische Finanzinvestoren anzusprechen, muss das Eigenkapital im Umfeld der Bergbahnen bei den direkten und indirekten Nutzniessern aufgetrieben werden (Kunden der Bahn, Feriengäste, Lieferanten, lokales Gewerbe, lokale Bevölkerung, Gemeinden etcetera).  Es lohnt sich einen breiten Kreis von Kleinaktionären anzusprechen. Anderseits werden grössere Kapitalerhöhungen wohl nur realisierbar sein, wenn gezielt Grossaktionäre gewonnen werden können.

Bergbahnen als nicht kotierte Publikumsgesellschaften

Obwohl ihre Aktien nur ausserbörslich gehandelt werden, verfügen die meisten Bergbahnen über ein breites Aktionariat und können damit als Publikumsgesellschaften bezeichnet werden. Deshalb müssen sie grossen Wert auf die Aktionärspflege legen. Zum einen sind die vielen Aktionäre Kunden der Bahn und damit eine zentrale Zielgruppe für das Marketing. Zum andern ist es leichter, Kapitalerhöhungen erfolgreich durchzuführen, wenn man zufriedene Aktionäre zur Zeichnung neuer Aktien motivieren kann.

Engagement der öffentlichen Hand bei der Bergbahnfinanzierung

Angesichts der besonderen Bedeutung der Bergbahnen als touristische Infrastruktur und positiven regionalökonomischen Effekte engagieren sich viele Gemeinden finanziell für ihre Bergbahnen. Damit ist auch erklärbar, weshalb mehr als ein Fünftel des Aktienkapitals der Schweizer Bergbahnen in den Händen der Gemeinden liegt. Unterstützung gibt es auch im Rahmen der neuen Regionalpolitik des Bundes. So gewähren Bund und Kanton für Projekte der Bergbahnen zinslose oder zinsgünstige NRP-Darlehen oder andere Formen von finanziellen Beihilfen.

Bankkredite bei der Fremdfinanzierung vorherrschend

Bei der Fremdfinanzierung der Bergbahnen sind klassische Bankkredite vorherrschend. Rund 50 Prozent des Finanzierungsvolumens der Bergbahnen stammen von den Kantonalbanken und weitere rund 30 Prozent des Volumens kommen von den beiden Grossbanken. Von Bedeutung sind auch die Raiffeisenbanken: Ein Drittel der Bergbahnen hat Kreditbeziehungen mit Raiffeisenbanken, allerdings ist dann der Anteil am Finanzierungvolumen nur rund 10 Prozent.

Leasingfinanzierung als Baustein der Bergbahnfinanzierung

Leasingfinanzierung haben in den letzten Jahren als Baustein der Bergbahnfinanzierung an Bedeutung gewonnen. Sie sind teilweise flexibler und können zu günstigeren Konditionen angeboten werden als Unternehmenskredite. Klassische Einsatzmöglichkeiten von Leasing sind etwa bei der Finanzierung von Pistenfahrzeugen oder bei den elektro-mechanischen Teilen der Bahnanlagen auszumachen.



Christoph Lengwiler, Philipp Lütolf: Handbuch Bergbahnfinanzierungen, SBS Schriften, Band 2, Bern Dezember 2010, 286 Seiten, erhältlich für 48 Franken plus Versandkosten bei Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Christoph Lengwiler: Inovative und nachhaltige Bergbahnfinanzierung, SBS Schriften, Band 1, Bern Dezember 2008, 128 Seiten, erhältlich für 20 Franken plus Versandkosten bei Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

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