Was die Rochaden im Private Banking der CS bedeuten

Die personellen Veränderungen bei der Grossbank deuten darauf hin, dass Hans-Ulrich Meister sich und seinen Leuten markant höhere Ziele setzt.

Gerade einmal zwei Wochen nach seiner Ernennung zum neuen Chef Private Banking bei der Credit Suisse hat Hans-Ulrich Meister seine Führungscrew bereits umgebaut, wie einem internen Memo zu entnehmen ist, das «NZZ Online» vergangene Woche publik machte. Die CS hat den Inhalt der Mitteilung bestätigt.

Auffallendstes Merkmal der Personalrochade ist der Wechsel von Rolf Bögli. Er war seit Anfang 2009 Private-Banking-Chef für die Schweiz. Nun wird er Chief Operationg Officer für das gesamte Private Banking der CS. Die Nachfolge Böglis in der Schweiz übernimmt Arthur Vayloyan.

Tiefe Margen, hohe Personalfluktuation

Bereits seit geraumer Zeit war in der Branche davon die Rede, dass das Private Banking der CS gewisse Schwächen bekundet. Zwar war im 2. Quartal 2011 der Netto-Zufluss an Neugeld mit 4,1 Milliarden Franken im Rahmen der Erwartungen, er fiel aber trotzdem deutlich tiefer aus als im 1. Quartal 2011.

Insbesondere die Bruttomarge auf den verwalteten Vermögen (20 Basispunkte) und die Vorsteuermarge sind seit 2007 markant gesunken, wie unlängst auch die «Finanz und Wirtschaft» feststellte.

Tatsache ist zudem, dass viele vermögende Privatkunden in der Schweiz in den letzten Jahren von der Credit Suisse zu kleineren Privatbanken wechselten, die einen individuelleren Service bieten, und wo auch die Personal-Fluktuation deutlich geringer ist. Vor diesem Hintergrund besteht noch ein enormes Optimierungspotenzial.

Comeback eines langjährigen Mitarbeiters

Arthur Vayloyan ist ein langjähriger CS-Banker, der 1992 zum Unternehmen stiess. Er war schon früher einmal und bis Ende 2005 Chef der Vermögensverwaltung Schweiz bei der Credit Suisse. Eine Zeit lang galt er als einer der Shooting Stars innerhalb der Bank, allerdings gelang ihm der grosse Karriereschritt nach ganz oben nie.

Zuletzt war er Leiter Investment Services and Products, darüber hinaus profilierte er sich auch als profunder Kenner im Bereich Mikrofinanzen und Nanotechnologie. Intern gilt er als führungsstark, kommunikativ und kommt bei den Mitarbeitern an.

Einflussreicher Ex-McKinsey-Manager

Rolf Bögli wird Chief Operating Officer (COO) für das gesamte Private Banking. Er tritt dabei die Nachfolge von Christoph Brunner an, einem intern höchst einflussreichen Banker, der bislang direkt an Walter Berchtold rapportierte. Während bisher Berchtold an der Front agierte, hielt Brunner mit seinem administrativen und organisatorischen Geschick seinem Chef den Rücken frei.

Brunner, ein ehemaliger McKinsey-Manager, unterhält auch gute Kontakte zu Erich Pfister, dem Asien-Chef der CS-Privatbankentochter Clariden Leu; beide haben früher zusammen gearbeitet. Pfister war während drei Jahren Leiter des Business Supports Private Banking COO bei der Credit Suisse.

Brunner wird neuer Leiter Privatkunden Schweiz und ersetzt dort Hanspeter Kurzmeyer, der seit Anfang Juli als Leiter Corporate Citizenship amtiert. Kurzmeyer hatte in seiner langen Karriere bei der CS bereits zahlreiche Stellen und Funktionen inne. Er zählt damit zu jenen CS-Bankern, die sich in der Chef-Etage beharrlich halten konnten.

Handlungsbedarf bei Clariden Leu

Gerade die Enge Beziehung zwischen Brunner und Pfister könnte sich als Vorteil erweisen, angesichts des enormen Handlungsbedarfs, der bei der CS-Privatbankentochter Clariden Leu nach wie vor besteht. Die Bank steht seit letztem Frühjahr unter der neuen Leitung von Olivier Jaquet, ebenfalls ein ehemaliger CS-Mann. Er ist nun daran, in dem nicht einfachen Marktumfeld die Bank als möglichst eigenständiges Vermögensverwaltungsinstitut zu positionieren.

Zwar konnte Clariden Leu im 1. Halbjahr 2011 erstmals wieder einen Nettoneugeldzufluss verzeichnen, wie das Unternehmen am Montag vergangener Woche mitteilte. Doch die verwalteten Vermögen schrumpften auf Grund der widrigen Marktverhältnisse weiter. Die höheren Nettoerträge gegenüber der Vorjahresperiode sind zudem vor allem auf den Verkauf einer Firmenliegenschaft zurückzuführen.

Hohe Erwartungen

Für Hans-Ulrich Meister, der 2008 mit einem ausgezeichneten Leistungsausweis von der UBS zur Credit Suisse stiess, sind die Erwartungen im Private Banking nun hoch. Mit den jüngsten Personalrochaden hat er eine neue Mannschaft inthronisiert, die in einem schwierigen Umfeld die Schweizer Grossbank in einem bereits extrem gesättigten Markt vorwärts bringen soll.

Er wird wohl auch massgeblich darüber mitentscheiden müssen, in welcher Ausgestaltung die Bank Clariden Leu künftig am Markt agieren soll. Die erwähnten personellen Änderungen treten per 1. September in Kraft.

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Varia US Properties

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Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

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