Wie die UBS die Lage falsch einschätzte

Das Vorgehen rund um die externen Ämter von Interimschef Sergio Ermotti unterstreicht, wie unvorbereitet die UBS in dieser Sache gehandelt hat.

Als Sergio Ermotti im letzten Jahr nach einem Anruf des damaligen UBS-CEOs Oswald Grübel mit der Bank ins Gespräch kam, waren seine diversen Ämter und Beteiligungen bereits bekannt.

Kaspar_Villiger_smallTatsächlich hat auch der Nominationsausschuss unter der Leitung von UBS-Präsident Kaspar Villiger (Bild) diese Engagements geprüft, wie das bei allen Neuanstellungen immer der Fall ist, insbesondere aber bei Konzernleitungsmitgliedern. In dem Gremium sitzen zudem der britisch-amerikanische Doppelbürger David Sidwell, der Belgier Michel Demaré und der Schweizer Bruno Gehrig.

In der Folge gab Ermotti denn auch Mandate im Umfeld der Fidinam-Holding des Tessiner Financiers Tito Tettamanti ab und gründete eine eigene Familien-Stiftung.

Auf dem Radar der Medien

Hingegen blieb er beispielsweise Präsident der Tessiner Regionalfluggesellschaft Darwin Airline und präsidierte weiterhin mehrere Gesellschaften im Umfeld seiner Hotelengagements in der Südschweiz – darunter die umstrittenen Panama-Offshore-Firmen.

Diese gerieten nach seiner Ernennung zum Konzernchef ad interim der UBS auf den Radar verschiedener Medien. Dabei wurde schnell die Frage laut, wie Ermotti derlei Mandate sowohl zeitlich als auch reputationsmässig bewältigen respektive verantworten könne.

UBS in Erklärungsnot

Sergio_ERmotti_smallBis am vergangenen Mittwochmittag erklärte eine UBS-Sprecherin, der Nominationsschuss habe seinerzeit die externen Mandate von Sergio Ermotti (Bild) genauestens geprüft und ausdrücklich genehmigt. Zudem würden die erwähnten Panama-Gesellschaften derzeit in die Schweiz zurückgeführt, was bis Ende dieses Jahres vollzogen sein solle.

Kurz darauf hiess es dann (noch) inoffiziell, der amtierende Konzernchef ad interim werde seine Mandate nochmals überdenken, falls er definitiv zum Konzernchef ernannt würde. Diese Aussage galt zu dem Zeitpunkt aber noch nicht als zitierbar.

Erstaunliche Kehrtwende

Eine Stunde später, also am späteren Mittwochnachmittag, erklärte die UBS-Pressestelle offiziell, Sergio Ermotti werde bezüglich seiner Mandate nochmals über die Bücher gehen, sofern er tatsächlich Konzernchef auf Dauer werde. Er werde dann darüber entscheiden. Allfällige Änderungen sollten geordnet erfolgen.

Nochmals 24 Stunden später wurde schliesslich bekannt, dass Sergio Ermotti seine externen Ämter nun per sofort abgebe, wie auch finews.ch berichtete. Das war am Donnerstagabend der Fall. Weiter sickerte nun plötzlic auch noch die Nachricht durch, die UBS habe die Headhunter-Firma Egon Zehnder für die Evaluation weiterer CEO-Kandidaten beauftragt.

Mangel an Weitsicht

Das Vorgehen in dieser Sache unterstreicht, wie unvorbereitet oder wenig weitsichtig die UBS in dieser Sache gehandelt hat. Tatsächlich hätten bereits vor einem Jahr oder spätestens im letzten Frühjahr die Warnlampen angehen sollen, als sich abzeichnete, dass Sergio Ermotti ein ernsthafter Kandidat für die Nachfolge von Oswald Grübel ist.

Und spätestens als der Tessiner ab letztem Frühsommer von der UBS gezielt als der wohl aussichtsreichste Anwärter auf den CEO-Sessel gegenüber den Medien aufgebaut wurde, hätte es den Verantwortlichen bei der UBS dämmern müssen, dass das Portefeuille Ermottis Anlass zu Fragen gibt.

Heikle Offshore-Strukturen

Natürlich hat die ganze Angelegenheit mit dem Milliardenbetrug in der Handelsabteilung der UBS in London eine gänzlich unerwartete Wendung erhalten, und Sergio Ermotti musste im Prinzip über Nacht das Kommando übernehmen. Dennoch greift es zu kurz, nun die Medien für den entstandenen Druck verantwortlich zu machen.

Es bleibt dabei, dass Verwaltungsratsmandate in Firmen, die in Steueroasen domiziliert sind, einem CEO (in spe) der grössten Schweizer Bank schlecht anstehen. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass dieses Institut mit Offshore-Strukturen in der jüngeren Vergangenheit etliche Probleme bekundet hat.

Zu viele Jobs für einen Reorganisatons-CEO

Abgesehen vom Reputationsrisiko, das sich mit derlei Engagements ergibt, stellt sich zudem die Frage, wie es der CEO eines Unternehmens, das sich in voller Reorganisation befindet, zeitlich wie auch kapazitätsmässig schaffen soll, noch andere wichtige Mandate zu erfüllen.

Auch vor diesem Hintergrund hätte Sergio Ermotti schon früher seinen bunten Strauss an Engagements überdenken sollen.

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