CS bringt Kantonalbanken in die Bredouille

Die Credit Suisse hat einigen amerikanischen Kunden geraten, ihre Gelder zu Kantonalbanken umzulagern. Damit brachte sie diese auf den Radar der IRS.

Zwischen 2008 und 2009 übernahm die Credit Suisse fleissig Kunden von der UBS, die sich damals inmitten des Steuerstreits mit den USA befand. Doch nicht nur Kundengelder, sondern auch Kundenberater wechselten zur CS – so auch Christos Bagios.

Der gebürtige Grieche dient inzwischen der amerikanischen Steuerbehörde IRS als Kronzeuge im Streit mit der Credit Suisse. Als die CS ins Visier der IRS geriet, hatten ihre US-Kunden zwei Optionen. Entweder sie melden sich freiwillig bei der Steuerbehörde und legten ihre Vermögen offen – was 939 CS-Kunden taten –, oder sie kündigten ihre Bankverbindung bei der CS auf, um zu einer anderen Bank zu wechseln.

Steuerzahler wieder betroffen?

Laut dem Amtshilfegesuch der USA, welches dem «Tage-Anzeiger» nun vorliegt, sollen CS-Berater ihren Kunden explizit vorgeschlagen haben, ihre Gelder zu Kantonalbanken zu transferieren. Diese seien in den USA nicht präsent und daher sicherer, wurde von der CS suggeriert.

Dieser Tipp, so die Interpretation des «Tages-Anzeigers», könne auch für den Schweizer Steuerzahler sehr teuer werden. Bisher sind nämlich zwei Kantonalbanken auf der schwarzen Liste der IRS: die Basler und die Zürcher Kantonalbank. Werden diese beiden Banken gebüsst tangiert dies auch den Schweizer Steuerzahler.

CS lieferte bereits Grunddaten

Brisant an der ganzen Angelegenheit ist auch, dass die USA nicht mehr nach Einzelfällen fahnden, sondern die Credit Suisse zur Übermittlung von ganzen Kundengruppen auffordern – das Ganze im Rahmen des Doppelbesteuerungsabkommens.

Gesucht wird nach US-Kunden, die zwischen 2002 und 2009 mehr als 50'000 Franken auf Konten der CS hatten. Für jede der gesuchten Gruppen soll die Credit Suisse laut «Tages-Anzeiger» bereits Informationen geliefert haben.

Tatbestand fehlt

Zwei oft vernachlässigte Details sind hier jedoch zu beachten. Die Aufforderung zur Auslieferung von Kundendaten erfolgt als Amtshilfegesuch im Rahmen des neuen Doppelbesteuerungsabkommens. Die zentrale Frage, die hierbei nicht gestellt wird, ist, wo denn der Doppelbesteuerungstatbestand ist.

In vielen Fällen von amerikanischen Bürgern mit Geldern in der Schweiz fehlt dieser. Und ohne Doppelbesteuerungstatbestand dürfte es laut geltendem Recht keinen Datenaustausch geben. Dennoch liefern die Banken unbekümmert Kundendaten in die USA.

An der Beilegung des Steuerstreits zwischen der Schweiz und den USA wird indessen munter weitergearbeitet. Erstmals bemühten sich hierbei die Diplomaten aus den USA in die Schweiz, wie die «NZZ am Sonntag» erfuhr.  Dies nachdem bislang der Leiter des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen (SIF) Michael Ambühl stets auf Verlangen der Amerikaner in die USA gereist war.

Ziel: Die völlständige Bereinigung

Das Detail legt nahe, dass die USA ein ernsthaftes Interesse an einer baldigen Einigung haben. Offenbar gibt sich die Schweiz hart in ihrer Verhandlungstaktik, denn noch sei man noch nicht auf einen gemeinsamen Nenner gekommen. «Es wurde noch keine Einigung erzielt, aber die Parteien haben eine weitere Verhandlungsrunde vereinbart», sagt FIS-Sprecher Mario Tuor gegenüber der «NZZ am Sonntag».

Die angestrebte Vereinbarung soll einen endgültigen Schlussstrich unter den Steuerstreit zwischen der Schweiz und den USA ziehen und somit sämtliche in den USA operierenden Schweizer Banken vor Vorstössen der Amerikaner schützen.

Neben Kundendaten erwarten die USA daher Schadenersatzzahlungen erwartet. Über deren Höhe wird derzeit wild spekuliert – acht Milliarden Dollar wird in diversen Medien geschätzt. Laut NZZ hat man jedoch noch nie konkret über Geld diskutiert. Die Summe soll erst am Ende der Verhandlungen festgesetzt werden.

Wieso die USA sich jedoch genau jetzt um eine schnelle Beilegung des Streits kümmern und prokaktiv vorgehen, ist offen. Gerade weil die Amerikaner nicht dafür bekannt sind, sich für bilaterale Verhandlungen ins Ausland zu begeben, könnte der Vorstoss als ein Schwächezeichen interpretiert werden.

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Gegen die romantische Verblödung
  • Deutsche Bank im Visier Chinas
  • Die nächste Blase platzt im Bong
  • Nackfotos für einen Kredit
  • Die Rendite ist weiblich
  • Das sind Trumps Einflüsterer
  • Diese TV-Stars verdienen am meisten
mehr

Follow us

Follow finews.ch on Twitter Follow finews.ch on Facebook Follow finews.ch on Google+ Follow finews.ch on LinkedIn Follow finews.ch on Xing Follow finews.ch on Youtube Follow finews.ch on Instagram Follow finews.ch

Newsletter

Newsletter-SymbolKostenlos abonnieren

Abonnieren Sie jetzt den finews.ch-Newsletter und Sie erhalten kostenlos 2x wöchentlich die wichtigsten News aus der Schweizer Finanzwelt per E-Mail.

Zürcher Bankenverband

News und Einschätzungen zum Zürcher Finanzplatz.

Beiträge lesen

Lohnvergleich

Lohnvergleich

Verdienen Sie genug? Vergleichen Sie doch mal Ihren Lohn.

zum Lohnvergleich

SELECTION

Selection

Banken: Diese Jobs bringen richtig viel Geld

In welchen Abteilungen am meisten kassiert wird.

Selection

Selection

So empfängt die UBS künftig ihre besten Kunden

Die grösste Schweizer Bank gestaltet weltweit ihre Empfangsbereiche und Sitzungszimmer für die reiche Klientel neu.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

weitere News