Nicolas Pictet: «Finanzwelt wurde vergiftet»

Die obersten Schweizer Privatbankiers geben sich kämpferisch angesichts der angespannten Situation und reden jetzt Klartext.

Nicolas Pictet, Teilhaber von Pictet & Cie, eröffnete die Konferenz am Donnerstag in Bern mit einer Bemerkung zu den gegenwärtigen Anschuldigungen gegenüber mehreren Banken: Es reiche nicht, das Schweizer Recht einzuhalten, sondern in bestimmten Bereichen und unter bestimmten Umständen müsse auch das ausländische Recht respektiert werden.

Anderseits müsse «dem zunehmenden Trend zu einer extraterritorialen Anwendung der Gesetze eines Landes» unbedingt ein Riegel geschoben werden, fuhr der Privatbankier fort.

Mehrwert für den Kunden schaffen

Der als Präsident amtierende Pictet wies ausserdem auf das wachsende Unverständnis in der Öffentlichkeit wegen den rasant wachsenden Vergütungen, vor allem bei US-Geschäftsbanken, hin.

Zum Mehrwert für Kunden meldete er sich klar und deutlich zu Wort: «So ist durch Eigengeschäfte, die keine Dienstleistung für den Kunden darstellen (das heisst durch Geld für immer noch mehr Geld) ein Teil der Finanzwelt ‹vergiftet› worden».

Überregulierung vermeiden

Ein letzter Punkt zur Regulierung erschien ihm abschliessend wichtig: «Es soll nicht eine gesamte Berufsgruppe, die ihre Kunden korrekt bedient, für die Fehler einiger weniger bestraft werden. Und es soll damit aufgehört werden, das Leben für die Kunden unmöglich zu machen». Es sei darüber hinaus falsch, «die Finanzwelt zu einem Sündenbock für alles uns widerfahrene Leid zu machen», erklärt der Privatbankier abschliessend in ungewohnt kämpferischen Tönen.

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NEWS GANZ KURZ

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

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