«Banken verschärfen ihre Retention-Programme»

Selbst die besten Berater können heute kaum mehr als 20 Prozent ihrer Depots zum neuen Arbeitgeber verschieben, sagen Vertreter des Kaderstellen-Vermittlers Robert Half.

Sven_Hennige_1Herr Hennige, angesichts der vielen Sparprogramme und Einstellungsstopps in der Bankbranche scheint der Arbeitsmarkt ziemlich ausgetrocknet zu sein. Haben Sie überhaupt noch Arbeit?

Sven Hennige (Bild links): Das mag auf den ersten Blick so erscheinen. Doch die meisten Banken suchen weiterhin nach Fachpersonal, vor allem Kundenberater mit steuerlich unproblematischen Depots aus Märkten wie Lateinamerika, dem Nahen Osten und Asien sowie neuerdings auch verstärkt aus Russland. Irgendwie müssen die Banken ihre Ertragsrückgänge aus den westlichen Offshore-Märkten ja kompensieren.

Herr Vassall-Adams, gibt es viele solche Leute?

Daniel Vassall-Adams: Sehr gute Kundenberater sind tatsächlich rar, und dann müssen sie auch noch wechselwillig sein. Talentierte Mitarbeiter haben meist eine gute Stellung in ihrem Unternehmen. Diese wollen sie nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Darum wechseln gute Leute auch nur selten. Doch das wären gerade jene Kandidaten, welche alle Banken am meisten suchen.

Wenn sich ein Kundenberater nun doch zu einem Wechsel entschieden hat, wie viele «Assets» muss er bei einem neuen Arbeitgeber mitbringen?

Daniel_Vassall-Adams_1Daniel Vassall-Adams (Bild links unten): Selbst die besten Kundenberater können heute bestenfalls noch 20 Prozent ihrer Depots zum neuen Arbeitgeber verlagern. Das ist darauf zurückzuführen, dass die Banken heute ihre Kundenbindungs-Programme massiv verschärft haben.

Herr Hennige, lange Zeit galten die von Teilhabern geführten Privatbanken als bevorzugte Arbeitgeber. Mit dem Ende von Wegelin und dem Verzicht von Pictet und Lombard Odier auf ihren Privatbanken-Status dürfte dieser Trend am Ende sein. Worauf sollen wechselwillige Kundenberater heute achten?

Sven Hennige: In den meisten Finanzinstituten ist heute so viel im Umbruch, dass es wenig sinnvoll ist, sich bei einem Stellenwechsel auf einzelne Bankentypen zu beschränken. Man verbaut sich dadurch nur Chancen. Wie die jüngsten Ereignisse um die beiden genannten Beispiele gezeigt haben, war es trügerisch, nur auf Privatbanken zu setzen.

Als international tätiger Kaderstellenvermittler haben Sie auch Einblick in ausländische Arbeitsmärkte. Unterscheiden sich die Schweizer Kundenberater von ihren europäischen Kollegen?

Sven Hennige: Innerhalb der Länder sind deutliche Unterschiede bei Themen wie Regulierung und Organisation zu erkennen. Dafür werden natürlich auch unterschiedliche Mitarbeiterprofile benötigt. So legen deutsche Banken weit mehr Augenmerk auf die Performance, was sich auch in der Mitarbeiterauswahl widerspiegelt.


«Performance war kaum je ein Kriterium»


Für Schweizer Banker war in der Vergangenheit beispielsweise die Performance kein entscheidendes Kriterium im Vergleich zu anderen Ländern. Hier ist dagegen Diskretion und damit die Empathie der entsprechenden Mitarbeiter eines der Top-Kriterien.

Was geschieht mit all den Investmentbankern, die nun ihre Stelle verlieren?

Sven Hennige: Interessanterweise versuchen nun viele Finanzhäuser, Investmentbanker auf das Private Banking umzuschulen.

Klappt das?

Sven Hennige: Investmentbanker sind in der Regel aktiver und sozusagen abschlussgetrieben. Das ist heute nötig, um in einem schrumpfenden und schwierigen Markt überhaupt noch bestimmte Ertragsziele zu erreichen.


«Private Banker sind zurückhaltender»


Ausserdem sind es Investmentbanker gewohnt, für ihren Arbeitgeber so genanntes «Cross-Selling» zu betreiben, also zusätzliche Dienstleistungen und Produkte aus anderen Bereichen der Klientel zu verkaufen. In dieser Hinsicht sind die früheren Private Banker meist noch zurückhaltender.


Sven Hennige verantwortet als Managing Director Central Europe & Germany die Geschäfte von Robert Half International in Deutschland, der Schweiz, Österreich, Tschechien, den Niederlanden und Italien.

Daniel Vassall-Adams ist Consultant bei Robert Half Financial Services in Zürich. Er hat langjährige Erfahrung bei der Vermittlung von Fach- und Führungskräften im Bereich Financial Services, mit einem Fokus auf Private Banking.

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Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

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