Was sich im Private Banking ändert: 7 Thesen

Führt der Bundesrat im Rahmen seiner Finanzplatzstrategie den automatischen Informationsaustausch ein, findet im Swiss Private Banking die Zeitenwende statt. Das wären die Veränderungen.

 

1. Diskretion bröckelt

Kommt der automatische Informationsaustausch, der im Prinzip mit den USA längst Realität ist, auch in Europa, fällt selbst das letzte bisschen Bankgeheimnis weg, das es noch gibt. Mit anderen Worten: Der Schweizer Diskretionsschutz ist dann definitiv kein Argument mehr für ausländische Kunden, ihr Geld hierzulande zu deponieren.

2. «Mikro-Akteure» massiv gefährdet
Besonders betroffenen von den Veränderungen dürften die unabhängigen Vermögensverwalter sein. Sie müssen ihre Geschäftsmodelle weitgehendst überdenken, da viele von ihnen in der Vergangenheit vor allem auf Vermögen aus Westeuropa setzten, die nun teilweise wegfallen werden.

Wer von diesen «Mikro-Akteuren» nicht mindestens 250 Millionen Franken an Kundendepots betreut, wird nicht zuletzt auch angesichts der gestiegenen Regulierungsdichte seinen Laden schliessen müssen.

3. Reisen als Risiko
Immer mehr Private Banker werden sich dreimal überlegen müssen, in welche Länder und Märkte sie reisen. Denn mittlerweile ist das Risiko enorm, irgendwo verhaftet oder zumindest aufgehalten zu werden.

Selbst wenn es im Steuerstreit mit den USA zu einer baldigen Lösung käme, dürften andere Staaten ihre Begehrlichkeiten anmelden und dabei – dem Beispiel der Amerikanern folgend – mit den Schweizer Banken und Bankmitarbeitern unzimperlich umgehen.

4. Totale Kakaphonie
Nicht ändern wird sich bis auf weiteres die Kakaphonie auf dem Schweizer Finanzplatz. Kein Tag vergeht mehr, ohne dass nicht mehrere Experten völlig gegensätzliche Statements von sich geben. Beispiel: Für die einen ist die «Lex USA» der einzige gangbare Weg, für die anderen ein Deal, den es um jeden Preis abzulehnen gilt.

Auch beim automatischen Informationsaustausch divergieren die Meinungen extrem. Dadurch wird es für Private Banker umso schwieriger im Dialog mit ihren Kunden einen vertrauensbildenden Standpunkt zu vertreten.

5. Kantonalbanken im Kreuzfeuer
Den grössten Veränderungen dürften zweifelsohne jene Kantonalbanken ausgesetzt sein, die bislang vermögende Kunden aus dem Ausland betreut haben. Sie könnten damit könnten zu einem Risiko für die Schweiz – wie sich dies im Fall des US-Steuerstreits am Beispiel der Zürcher und der Basler Kantonalbank abzeichnet. Diese beiden Institute könnten von den amerikanischen Behörden angeklagt und so massiv unter Druck gesetzt werden – wenn es ganz schlimm läuft.

Bereits fordern denn auch verschiedene Politiker, dass sich die Kantonalbanken künftig wieder auf das Geschäft in der Schweiz konzentrieren und ihre Ambitionen im Ausland fallen lassen. Das dürfte kommen.

6. Politische Polarisierung
Mit dem Abschied vom Bankgeheimnis wie wir es gekannt haben, kommen auf die Schweiz Jahre der politischen Polarisierung zu. Der Weg, denn die offizielle Schweiz in den nächsten Monaten gehen wird, widerspricht dem jahrhundertealten Schweizer Selbstverständnis in der Bevölkerung. Das Vorgehen weckt Ängste vor dem Überwachungsstaat mit seinen gläsernen Bürgern. Diese Bedrohungskulisse schafft eine perfekte politische Arena für entschlossene bürgerliche Politiker. Sie realisieren, dass der Hang zu noch mehr Transparenz und Offenlegung für Unbehagen sorgt.

Darum beispielsweise wollen SVP, FDP und CVP das Bankgeheimnis für Schweizerinnen und Schweizer in der Verfassung verankern. Ein politisches Vorhaben, für das sich mit Thomas Matter sogar ein Banker stark macht und damit an eine Tradition in der Schweiz anknüpft, die in den letzten Jahren verloren ging: Politische Engagements von Vertretern aus der Finanzbranche. Der Vorstoss hat gute Chancen - wie andere politische Motionen in den nächsten Jahren, welche die Privatsphäre, persönliche Daten oder das Eigentum schützen wollen.

7. Köpfe rollen
Die Zeitenwende in der Finanzbranche wird zu einem Generationenwechsel im Swiss Banking führen, da die alten Protagonisten verbraucht, unglaubwürdig und unbelehrbar geworden sind. Sie können nicht mehr umdenken. Manche Köpfe werden rollen.

Unter diesen Prämissen befindet sich die Branche im grössten Transformationsprozess aller Zeiten. Geschäftsabläufe werden gestrafft, verschlankt und industrialisiert. Damit wird das Banking der Zukunft deutlich weniger personalintensiv, dafür aber technologiegetrieben sein. Die Kundenberater werden nicht nur effizienter sein müssen, sondern auch viel mehr wissen – über Ökonomie, Szenariotechnik, politische Trends und Finanzinstrumente. Ausserdem ist jede Menge Empathie nötig, sonst ist der Kunde schon morgen weg.

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NEWS GANZ KURZ

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

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